Franziska van Almsick: "Ich gebe immer alles"

Franziska van Almsick hat sich neu erfunden: Anlässlich der Olympischen Spiele bat "Gala" die Schwimmlegende zum Glamour-Shooting - und sprach mit ihr über ein starkes Körpergefühl, über Ruhm und privates Glück

Franziska van Almsick

Franziska van Almsick fühlt sich im Becken

immer noch so wohl wie ein Goldfisch im Wasser - auch wenn es leer ist. Wir sind beim "Gala"-Shooting im olympischen Dorf nahe Berlin. Die Schwimmhalle: ein imposanter Bau, in dem die Zeit Spuren hinter lassen hat, viele Kacheln bröckeln ab. Für neuen Glamour sorgt - Franzi. So wird die Schwimmlegende heute noch genannt.

Acht Jahre, nachdem sie ihre Laufbahn beendet hat, zwanzig Jahre, nachdem sie bei den Olympischen Spielen in Barcelona zweimal Silber und zweimal Bronze holte. Nach Boris und Steffi kam damals Franzi: ein 14-jähriger Wuschelkopf aus Berlin-Treptow als erster gesamtdeutscher Sportstar. Oft holte sie danach bei Europa- und Weltmeisterschaften Gold, nur bei Olympia klappte das nie. Viermal versucht, viermal knapp gescheitert. Wie sie mit Niederlagen umgeht? Auch darüber wird sie später im Interview reden.

1995, mit zarten 17, bereitete sich Franziska van Almsick auf einen Wettkampf vor...

So sieht Franziska van Almsick mit 17 aus, als sie sich auf einen Wettkampf vorbereitet.

Doch beim Shooting schlüpft die 34-Jährige erst mal in Chiffon und Seide. Die Stoffe lassen ihren sommerbraunen Teint noch mehr schimmern, wie ein Profi-Model spielt sie mit der Kamera. Ihre Ausstrahlung füllt die Halle: Aus dem niedlichen Wunderkind ist eine aufregende, starke Frau geworden.

Was nicht zuletzt daran liegt, dass sie ihr privates Glück gefunden hat. Auf einem Ball lernt sie 2005 den 19 Jahre älteren Unternehmer kennen. Ein Selfmade-Millionär aus Heidelberg - ganz anders als der punkige Handballer Stefan Kretzschmar, mit dem sie davor liiert war. 2007 kommt Franziskas erstes Kind zur Welt: Don Hugo, benannt nach Jürgen B. Harders verstorbenem Vater.

liebt es, Mutter zu sein. Aber sie fühlt sich auch auf dem Society-Parkett wohl, sammelt zum Beispiel auf Charity-Events Spenden für ihr Projekt "Kids auf Schwimmkurs". Sie war Gast bei der Fürstenhochzeit von Monaco; mit der ehemaligen Schwimmerin Charlène ist sie gut befreundet. Und natürlich war sie auch eingeladen, als Albert und Charlène gerade ihren Staatsbesuch in Deutschland machten. Bei den Olympischen Spielen in London folgt sie nun wieder dem Lockruf des Goldes: Als ARD-Expertin wird sie mit fiebern, -leiden und -jubeln, wenn die Stars von heute um Medaillen schwimmen. Ihre Kommentare sind kompetent und zugleich einfühlsam. Das mögen die Zuschauer.

Nach fünf Stunden Fotoshooting in der Berliner Schwimmhalle trägt noch schnell ihren Kaffeebecher und die leere Fruchtgummi-Tüte zum Müll. Dann steigt sie mit der "Gala"-Redakteurin in ihren Jeep, steuert ein Café an. Bei Harzer Käse und Almdudler erzählt sie von ihren persönlichen Power-Ritualen, ihren beiden Männern - und Charlènes speziellem Humor.

Sie sehen fantastisch aus auf den Fotos! Wie halten Sie sich in Form?

Ich mache Pilates und laufe auf dem Laufband. Beim Pilates mag ich die Kraftübungen mit dem eigenen Körpergewicht - also nichts mit Hanteln oder Geräten. Zwischendurch habe ich mal im Fitnessstudio geboxt. Das hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht, weil man sich da voll auspowern kann. Nach zehn Minuten bist du an deiner Grenze.

Wie wichtig ist Sport für Ihr seelisches Gleichgewicht?

Wahnsinnig wichtig! Hätte ich früher nie gedacht. Ich habe keinen fest strukturierten Trainingsplan, das ist eher spontan. Ich mache mal gar nichts, lasse mich etwas gehen, esse ein paar Stück Kuchen - und dann packt es mich. Kurioserweise in solchen Momenten, in denen sich andere wohl eher ausruhen würden. Also zum Beispiel wenn ich mich überlastet, gestresst oder angespannt fühle. Dann muss ich mich durchbewegen. Und danach bin ich immer sehr glücklich.

Fühlen Sie sich sexy in Ihrer Haut?

Ja, doch, das tu ich. Als ich die Fotos gesehen habe, habe ich zuerst gedacht: Bin ich das wirklich? Also, ich war erstaunt - aber auch zufrieden mit mir. Ich halte mich in erster Linie für mich selbst in Form, weil ich einfach fit sein will. Das ist die ewige Leistungssportlerin in mir.

Lady in Red mit Poolboys - Franziska van Almsick beim Fotoshooting in einem Berliner Schwimmbad.

Lady in Red mit Poolboys - Franziska van Almsick beim Fotoshooting in einem Berliner Schwimmbad.

Sie sind jetzt 34. Werden Sie gern älter?

Ich freue mich über jedes zusätzliche Jahr! Man spürt, wie man wächst, abgeklärter und weiser wird. Ansonsten - fragen Sie mich, wenn der 40. Geburtstag ansteht. Als ich 30 wurde, habe ich gedacht: Oh, jetzt brauche ich die Anti-Falten-Creme für meine Augen. Ist aber bis jetzt noch nicht der Fall.

Gibt es einen Charakterzug, den Sie früher als Leistungssportlerin hatten und der Ihnen heute fehlt?

Früher war ich angespannter und unruhiger. Ich bin zwar nach wie vor ein disziplinierter Mensch, aber damals wollte ich Erfolg um jeden Preis. Das ist heute nicht mehr so der Fall. Aber warten wir ab, ich mache ja gerade mein Abitur, da könnte ich bei der einen oder anderen Mathematik-Aufgabe eine Portion Bissigkeit vertragen. Ansonsten bin ich sehr sensibel geworden, wenn ich bei Wettkämpfen zuschaue. Egal, welche Sportart, egal, ob jemand gewinnt oder verliert: Ich weine fast immer, weil ich die Gefühlslage der Sportler so gut nachempfinden kann. Ich kenne ja dieses Auf und Ab.

Für die "Gala"-Fotos haben Sie mit knackigen Jungs posiert. Welche Körperpartie finden Sie bei einem Mann besonders ästhetisch?

Gute Schultern und ein starker Rücken sind nicht verkehrt. Hände finde ich wichtig. Ein Mann kann noch so schön sein - wenn die Hände nicht gut sind, ruiniert das alles.

Wann hat Sie das letzte Mal ein Typ angeflirtet?

Das habe ich jeden Morgen. Am Frühstückstisch mit meinem Mann ...

Der andere Mann in Ihrem Leben ist Ihr fünfjähriger Sohn. Bewundert er Sie dafür, dass Sie berühmt sind?

Eher dafür, dass ich fit bin und auf Spielplätzen hinter ihm herrenne.

Ist er mit in London, wenn Sie dort als ARD-Olympia- Expertin zu sehen sind?

Nein, ich muss ja arbeiten, das wird kein Familienausflug. Wir werden häufig telefonieren, und er kann seine Mama im TV sehen. Das findet er auch sehr spannend.

Sie haben alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt - außer Olympia-Gold. Macht Ihnen das noch etwas aus?

Je mehr Zeit vergeht, umso wohler fühle ich mich mit der Situation, weil mir immer mehr bewusst wird, dass mein Leben sonst anders verlaufen wäre. So bin ich demütiger und erfahrener. Ich kann auch glücklich sein, wenn manche Träume sich nicht erfüllen. Davon geht die Welt nicht unter.

Weiß er, dass Sie früher bei großen Wettkämpfen gestartet sind?

Ja. Es zieht natürlich zu sagen: Die Mami war mal die schnellste Schwimmerin der Welt. Und gerade fängt er an zu fragen, warum die Leute auf der Straße wollen, dass ich für sie unterschreibe.

Wie haben Sie sich in dem Moment vor einem Start gefühlt?

Es war furchtbar. Man spürt sowieso in jeder Sekunde, wie wichtig Olympia ist - für alle, die da sind, für alle, die zuschauen. Es gibt keine entspannten Momente. Es ist anstrengend, wenn du gewinnst, weil du total ausflippst und nur feierst. Und wenn du verlierst, flennst du die ganze Zeit.

Wie bereitet man sich auf diesen Druck vor?

Es gibt die total Coolen, die vorher in die Kamera winken. Dann gibt es die, die Musik hören, und andere sind komplett fokussiert. Aber jeder muss mindestens eine halbe Stunde Wettkampfvorbereitung machen - runterkommen. Damit er auf den Punkt physisch und psychisch da ist.

Nutzen Sie das heute noch für Ihren Alltag?

Ja. ( lächelt) Vor der Geburt meines Sohnes habe ich eine Wettkampfvorbereitung gemacht, ich habe Musik gehört, durchgeatmet. Sich auf den Moment einstellen zu können, das nutze ich auch vor so einem Fotoshooting wie heute. Dann lasse ich mir morgens Zeit, um fit zu werden, trinke zwei Kaffee und lege dann aber los. Ich mache bei so was nie große Pausen. Wenn gearbeitet wird, wird gearbeitet.

Wie gehen Sie mit Krisen um?

Im Training habe ich gelernt, wo meine Grenzen sind - und darüber hinauszugehen. Ich kann nur gut verlieren, wenn ich wirklich alles gegeben habe. Das muss auch mal wehtun. Wenn ich aber weiß, das war nicht alles, was ich kann, dann muss ich es noch mal machen. Meine Mutter hat früher schon zu mir gesagt: Aus einer Laune heraus schmeißt man nicht einfach alles hin.

Wie ist das zu Hause: Können Sie auch bei Gesellschaftsspielen gut verlieren?

Nein. Es spielt aber auch keiner mehr mit mir.

Warum?

Beim Verlieren stehe ich da kurz vor der Bösartigkeit. Mein Mann und ich haben festgestellt, dass es besser ist, wenn wir nicht mehr gegeneinander spielen. ( lacht)

Wenn Franziska van Almsick von ihrem Verlobten Jürgen B. Harder spricht, sagt sie: "mein Mann".Die beiden lernten sich 2005 auf

Wenn Franziska van Almsick von ihrem Verlobten Jürgen B. Harder spricht, sagt sie: "mein Mann". Die beiden lernten sich 2005 auf dem Sportpresseball kennen.

Mit welchen Macken muss er bei Ihnen noch umgehen?

Er ist sehr organisiert, ich bin verrückter. Wenn wir reisen, lässt er sich im Vorfeld einen exakten Plan erstellen. Ich bin viel spontaner, aber auch ich komme an.

Nach Olympia wollen Sie Ihr Abitur unter Dach und Fach bringen. Auch das klingt nach einem starken Willen.

Wenn ich Sachen anfange, bringe ich sie zu Ende. Und diese Sache muss ich noch beenden.

Seit Ihrer Zeit als Schwimmerin ist die heutige Fürstin von Monaco Ihre Freundin. Was mögen Sie an ihr?

Franziska van Almsick

Elegante Lady mit starken Ansichten

Elegante Lady, starke Ansichten: Franziska van Almsick beim Shooting in einer Berliner Schwimmhalle. Rotes Wollkleid:Lanvin.
Kobaltblaue Seidenbluse mit besticktem Kragen, von 3.1 Phillip Lim (über
www.mytheresa.com). Kristallschmuck von Philippe Ferran
Rasant geschnittener Body und Blazer mit Chiffonschleppe, beides von Don’t Shoot The Messengers. Sonnen brille von Tom Ford, Sch
Franziska in einem petrolfarbenen Kleid von Alexander McQueen (über The Corner Berlin). Ohrringe von Philippe Ferrandis, Armreif

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Charlène ist wahnsinnig lustig. Sie gestikuliert viel und kann super Anekdoten erzählen.

Zum Beispiel?

Sie hat mir mal von ihren Eindrücken bei der Oscar-Verleihung erzählt - voller Enthusiasmus und mit intensiver Gestik. Ich lag auf dem Boden vor Lachen. Wir haben den gleichen Humor, was ein Grund für unsere tiefe Freundschaft ist. Charlène ist unkompliziert, wie ich. Auch ihre Eltern sind völlig normal.

Wenn Sie auf dem roten Teppich stehen, welches ist das perfekte Outfit für Sie?

Das kommt drauf an, wie ich mich in dem Moment fühle. Ich kann mich nicht zwei Wochen im Voraus für ein pinkes Kleid entscheiden. Es kann nämlich sein, dass das kein Tag ist, an dem ich mich in dieser Farbe wohlfühle.

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