Florian David Fitz: Das denkt er über Matthias Schweighöfer

Am 25. Februar startet "Der geilste Tag" in den deutschen Kinos. Florian David Fitz sprach mit GALA über die Dreharbeiten, den Tod und die Spleens von Matthias Schweighöfer

Florian David Fitz

"Der geilste Tag" (Start: 25. Februar) ist ein Film über Freundschaft, den Tod und das Leben. Vor allem über das Leben. Die Story: Andi (Matthias Schweighöfer) und Benno (Florian David Fitz) sind zwei unterschiedliche Männer, die dennoch eins gemeinsam haben: Beide sind schwer krank und werden bald sterben. Als sie sich im Hospiz kennenlernen, beschließen sie, gemeinsam abzuhauen und endlich den geilsten Tag ihres Lebens zu erleben.

Regisseur und Hauptdarsteller Florian David Fitz verrät im GALA- Interview, wie er auf die Idee zum Film gekommen ist, was das Leben für ihn lebenswert macht und dass Schauspielkollege Matthias Schweighöfer so einige Marotten hat.

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©Gala

Wie sind Sie auf das Thema zum Film gekommen?

Was meiner Figur passiert, basiert tatsächlich auf einer wahren Geschichte. Ich habe früher im Hotel meiner Eltern als Nachtportier gearbeitet und da triffst du ja die verrücktesten Typen. Ein Kollege hat aufgrund einer Krebsdiagnose sein ganzes Leben auf den Kopf gestellt, hat einen Kredit aufgenommen und es im Kasino verspielt, weil er wusste, dass er in zwei Monaten tot sein würde. Das fand ich eine spannende Geschichte. Da hab ich mich gefragt, was ist, wenn man sagt, ich hab nicht mehr viel Zeit und wenn man das dann zum Anlass nimmt und den einzigen Vorteil darin sucht. Das fand ich gewitzt, wenn man sagt: Ich bin nicht mehr viel da, ich muss keine Verantwortung mehr übernehmen und jetzt hau ich mal rein. Natürlich ist das fehlgeleitet, aber es ist trotzdem eine spannende Prämisse.

Wie haben Sie und Matthias Schweighöfer sich vorbereitet? Waren Sie zum Beispiel in einem Hospiz?

Ja klar. Wir hatten einen echt tollen Mann, der uns alles gezeigt hat. Ich hab ihm unsere Geschichte geschildert und er hat gesagt, dass es tatsächlich Leute gibt, die sich aus Spaß irgendwelchen Krimskrams ins Hospiz bestellen. Niemand braucht im Hospiz noch einen Milchschäumer. Einfach nur, weil sie können, sie müssen es ja eh nicht mehr zahlen, und weil sie diese kindliche Freude daran haben – abgelöst von der Verantwortung immer vernünftig sein zu müssen. Die haben dort jetzt eine komplette Amazon-Sperre. Ich habe auch Bücher darüber gelesen, zum Beispiel eins von einer Sterbebegleiterin, die die Leute aufgefordert hat, ihren eigenen Nachruf zu schreiben. Und das, was die Leute über ihr Leben sagen wollen, wenn es zu Ende geht, hat mich total berührt. Und das wirft ja auch immer so ein Schlaglicht aufs eigene Leben und das macht es ja spannend.

Florian David Fitz + Matthias Schweighöfer

Wie ähnlich ist Ihnen die Rolle des "Benno"?

Es gibt bei beiden große Ähnlichkeiten zu uns. Bei Matthias noch mehr. Benno ist ja einer, der immer umfällt, wenn ihn etwas berührt. Deswegen vermeidet er Emotionen und versucht, mega cool und lässig zu sein, aber man merkt, dass er genauso viel Angst vorm Leben hat.

Und haben Sie das auch?

Nein, das nicht. Aber das ist ja nicht unbedingt notwendig, um sich das vorzustellen, wie es jemanden geht damit. Das ist das Schöne an meinem Beruf: Dass ich in Situationen geworfen werde, die nicht meine sind. Der Kinobesucher weint ja auch über Dinge, die nicht ihn betreffen, weil er plötzlich mittendrin steckt in den Gefühlen.

Wieso glauben Sie, dass Matthias dem "Andi" ähnlicher ist als Sie dem "Benno"?

Weil ich ganz bewusst versucht habe, Matthias‘ Spleens zu benutzen und zuzuspitzen. Ich dachte, er hat lustige Spleens und Ängste und es ist sehr lustig das zu benutzen.

Matthias ist also ein Schisser?

Bei bestimmten Sachen hat er viel Mut, aber bei anderen ist er auch ein Schisser. Das stimmt schon.

Zum Beispiel?

Alles, was Andi auch hat. Er hat die Höhenangst, ist kein Fan von Viren und Bakterien. Er ist auch ein bisschen Hypochonder. Er ist kein Fan davon, sich mit dem Tod auseinanderzusetzen. Aber es ist natürlich total auf die Spitze getrieben.

In einer Szene hängen Sie und Matthias an einem Kran. Haben Sie das dann wirklich selber gedreht, wenn Matthias solche Höhenangst hat?

Wir konnten ihn natürlich nicht in 40 Meter Höhe bringen. Aber ich musste mich da tatsächlich ranhängen, du kannst nicht alles im Studio drehen. Da hab ich dann auch ganz großmäulig gesagt, dass ich das mache. War dann aber natürlich weniger großmäulig, als ich dann wirklich dran hing.

Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie da oben waren?

Für mich war der Moment schlimm, als ich mich quasi selber zwischen den Kranstangen runter lassen und dann in der Luft umdrehen musste. Das war der beschissenste Moment und den hatte ich einfach nicht vor Augen. Ich hab versucht, nicht nachzudenken, man macht die Augen feste zu, macht es halt und hofft, nicht an plötzlichem Herzversagen zu sterben.

Haben Sie die Szene in einem Take gedreht?

Ja, anders wäre das nicht gegangen. Das hab ich versucht, so schnell wie möglich hinter mich zu bringen. Aber wir haben die Szene tatsächlich an drei verschiedenen Orten gedreht. Wir haben den Kran sozusagen auf ein Hausdach gestellt. Heißt, wir sind in der Höhe, aber Matthias hat quasi ein Hausdach unter sich. Ich mein, ich fühl mich dann auch wohler.

Welcher war denn der geilste Tag am Set?

Das kann man so gar nicht sagen. Ich glaube, für Matthias war das nochmal anders, der konnte das Land viel besser aufsaugen als ich und hat eine Art von Freiheit genossen, die ihm vorher unbekannt war. Ich hab die davor genossen, als wir die Locations gesucht haben. Für mich war so der geilste Moment, nachdem wir die anstrengenden Szenen in Deutschland und in Kapstadt gedreht hatten – dann sind wir losgefahren und haben die ganzen Road-Sachen gemacht. Das war für mich so mega, als ich da in der Wüste war. Das war toll.

Was war der geilste Tag in Ihrem Leben?

Das kann ich auch so nicht sagen. Im Film suchen sie ja nach dem geilsten Tag und es wird immer lächerlicher und beschissener.

War es Ihnen wichtig, eine Komödie über ein tragisches Thema zu machen?

Na klar! Man muss ja nicht immer mit Schicksalsschwere daherkommen. Ich möchte damit auch sagen, dass es mir vielleicht manchmal zu steif ist, wie wir mit dem Thema Tod umgehen. Dass wir so bedröppelt darum herum schleichen, als sei es etwas ganz besonderes. Was es ja überhaupt nicht ist. Es ist ja die normalste, grundsätzlichste Sache auf der Welt und wir stellen uns an, als seien wir die ersten Menschen auf der Welt, denen das passiert und wenn man sich dann ein bisschen mehr entspannt, ist es einfacher. Ich habe jetzt immer gesagt – nicht, dass ich das könnte – aber man trifft im Leben immer dann die richtigen Entscheidungen, wenn man weiß, dass man stirbt und sich dann locker macht. Das sind zwei große Widersprüche, aber das fasst es gut zusammen.

"Benno" sagt im Film "Es gibt den Tod gar nicht, sondern nur den Moment davor" – ist das auch Ihre Auffassung?

Es ist natürlich eine Figur, mit der man solchen Sachen nachgehen kann, aber es hat auch eine Wahrheit. Man erlebt den Tod ja schon, aber eher von anderen Menschen. Den eigenen Tod kann man wahrscheinlich gar nicht erleben und wenn man genau nachfragt, haben die Leute ja auch keine Angst vorm Wegsein, sondern vor dem Moment davor.

Welche Vorstellungen haben Sie davon? Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?

Ich bezweifle das, aber ich finde das auch nicht so wichtig. Es gibt schon einen Grund, warum die Religionen das machen und für uns entwerfen – es macht die Sache natürlich viel leichter, wenn man glaubt, es geht danach weiter. Ich find es auch gar nicht so schlimm, dass es nicht so weitergeht wie vorher. Man hat ja auch kein Problem damit, dass einen vorher nicht gab. Dann ist man aber plötzlich da gewesen und hat auf einmal so ein Ego und will, dass es da bleibt. Vielleicht muss man da einfach eine Stufe zurückgehen?

Im Film wollen sich die beiden Figuren gegenseitig umbringen: Könnten Sie jemanden töten?

Ich weiß nicht, könnte ich das? Ein guter Freund würde das nicht machen, wenn nicht beide gehen. Dann ist da ja einer des Mordes schuldig. Ich weiß es nicht, aber wir Menschen sind ja zu vielem fähig, wenn es sein muss.

Was würden Sie tun, wenn Sie nicht mehr viel Zeit zum Leben hätten?

Finde ich eine ganz schwere Frage. Ich glaube nicht, dass ich jetzt sofort in einen Jet springen würde und sage, ich muss jetzt das und das erleben. Das ist ja auch das, was der Film so ein bisschen sagt und Matthias übrigens auch: Vielleicht ist es nicht, was ich erlebe, sondern wie ich es erlebe. Das muss man begreifen, man kann ja auch am Strand in Kuba unglücklich sein.

"Der geilste Tag" ist nicht der erste Ihrer Filme, der sich mit einem schweren Thema befasst: "Vincent will Meer" und "Hin und weg" waren ja ähnlich. Ist das die Storyline, die Sie jetzt für sich gefunden haben? Kommt da noch mehr in der Richtung?

Nein, ich sag mal so, es ist ja auch mal gut jetzt. Bei "Hin und weg" war das ja eher Zufall, das kam von außen auf mich zu und bei "Vincent" geht es nicht um Tod. Aber ich mag das halt, es gibt mir ein bisschen mehr Futter, wenn ich eine Komödie schreibe über ein Thema, das eigentlich eine Tragödie ist. Ich finde das sehr klassisch, bei allen richtig guten Stoffen ist ja beides ein bisschen da. Es wird bei sowas halt gleich existenziell und man hat sofort die guten Fragen und wenn man dann noch etwas frisch damit umspringt, und sich fragt, ob man da jetzt wirklich so heilig sein muss, hat man direkt einen spannenden Umgang damit.

Florian David Fitz

Kuss mit Matthias

Matthias Schweighöfer, Florian David Fitz
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