Emma Watson: "Ich musste noch so viel lernen"

Nachdem Emma Watson durch "Harry Potter" berühmt geworden war, ging sie erst mal auf einen Selbstfindungstrip. Heute ist sie kaum wiederzuerkennen

Keiner der "Harry Potter"- Stars hat eine solche Karriere hingelegt wie Emma Watson. Die 25-Jährige Engländerin ging konsequent ihren Weg. Sie zog ein Literaturstudium in den USA dem Filmbusiness vor und arbeitet ständig an sich selbst – beim Tagebuchschreiben, beim Meditieren und bei ihrem Engagement für Frauen-Emanzipation. Da überrascht es kaum, dass sie beim Interview ungeheuer souverän und zugleich energisch wirkt.

Was ist mit der süßen Hermine aus den "Harry Potter"-Filmen passiert? Wir sehen Sie nur noch in bedrückenden Rollen – wie jetzt in dem Thriller "Colonia Dignidad" über die Abgründe einer Sekte.

Daniela Katzenberger

"Das fühlt sich an wie so ein Paukenschlag"

Daniela Katzenberger
Daniela Katzenberger geht es bei ihren Auftritten nicht immer so gut, wie sie es der Öffentlichkeit zeigt: Sie leidet an einem angeborenen Herzfehler.

Sie haben doch sicher die letzten beiden "Harry Potter"-Filme gesehen. Da ging es auch ganz schön heftig zur Sache. Ich suche solche intensiven Erfahrungen.

Im Netz der Sekte: Emma Watson und Daniel Brühl spielen in "Colonia Dignidad – Es gibt kein Zurück" ein deutsches Paar, das während der Diktatur in Chile in die Kolonie gerät.

Entspricht das Ihrer Persönlichkeit?

Ich mag es schon auch mal locker und amüsant. Deshalb habe ich auch "Die Schöne und das Biest" gedreht. Ich gebe schon zu, dass mir solche extremen Rollen nahegehen. "Colonia Dignidad" war besonders aufwühlend, weil der Film auf einer wahren Geschichte beruht.

Erinnern Sie sich noch, wie Sie damals für "Harry Potter" besetzt wurden?

Natürlich. Ich machte damals ganz große Augen, weil mich diese Welt so verzauberte. Es war ein wunderbares Gefühl. Daran denke ich sehr gerne zurück.

Sie haben sich auch kritisch über diese Erfahrungen geäußert.

Ja, es war nicht immer ein Zuckerschlecken. Ich versuchte, den Erwartungen anderer Leute gerecht zu werden. Und ich lebte ständig im Rampenlicht. Danach musste ich schon ein bisschen Selbstfindung betreiben und herausfinden, ob ich den Job überhaupt weitermachen will.

Nach "Harry Potter" gingen Sie erst mal auf die Uni. Sind Sie geflohen?

Ich würde es nicht als Flucht bezeichnen. Mir war einfach klar, dass ich noch so viel lernen musste. Zeit zum Arbeiten würde ich mein ganzes Leben haben. Ich wollte wissen, wie es ist, unabhängig zu sein, fern von zu Hause in einem anderen Land zu leben. Deshalb habe ich zwölf Monate Pause gemacht und mich auf mein Studium konzentriert. Das hat mein Leben so viel reicher gemacht! Ich kann mir auch gut vorstellen, jetzt noch ein Postgraduiertenstudium zu absolvieren. Würde das jetzt nicht mit Ihrer Karriere kollidieren?

Ich kriege das schon hin. Als ich damals meine Auszeit nehmen wollte, rieten mir viele Leute in Hollywood ab. So etwas ist im Showbusiness unerhört, aber für meine innere Entwicklung war das unglaublich wichtig. Ich genieße es jetzt auch wieder, Hauptrollen zu spielen. Darauf habe ich richtig Appetit bekommen.

Emma Watson hat 2014 ihren Uni-Abschluss in englischer Literatur an der Brown-Universität gemacht

Sie haben auch noch eine andere Rolle gefunden – als Vorkämpferin für Frauenrechte. Sie sprachen sogar vor der UN Vollversammlung. Und Sie haben einen feministischen Buchklub eröffnet …

Das ist keine Rolle, das bin ich. Als Schauspielerin kannst du dich hinter jemand anderem verstecken. Und auch bei Premieren habe ich nur posiert. Aber dieses Engagement ist etwas ganz anderes. In meiner Rede habe ich Gedanken formuliert, die ich seit vielen Jahren mit mir herumgetragen und sogar in meinem Tagebuch festgehalten hatte. Deshalb war ich so supernervös.

Wie haben Sie reagiert, als Sie nach Ihrer bewegenden Rede für Gleichberechtigung massiv von Männern bedroht wurden?

Du kannst es da nicht jedem recht machen – mit dem, was du sagst, wie du es sagst und was du nicht sagst. Ich war darauf eingestellt, es hat mich aber schon getroffen.

Schreiben Sie noch Tagebuch?

Oh ja. Es ist für mich wie eine Sicherheitszone, wo ich mit mir selbst klar werde und auch schon mal Blödsinn von mir gebe.

Vertrauen Sie ihm auch Liebeskummer an? Vor einem Jahr sollen Sie nach der Trennung von Matt Jenney für eine Woche ein Schweigegelöbnis abgelegt haben.

Ach, diese Geschichte. Ich habe leider nicht die geringste Fähigkeit zu kontrollieren, was die Zeitungen über mich schreiben.

Also stimmt das nicht?

Das Ganze war nicht so heftig, dass ich deshalb so ein Gelöbnis abgelegt hätte. Aber ich gebe zu: Das war für eine schöne Schlagzeile gut. Die Wahrheit ist: Ich lasse mich zur zertifizierten Meditationslehrerin ausbilden. Und deshalb ging ich in Klausur und sprach eine Woche lang nicht.

Seit wann sind Sie so spirituell gestimmt?

Das geht schon eine Weile so. Ich fing an, mich für Buddhismus zu interessieren. Irgendwann habe ich erkannt, dass man ihn mit Leben füllen muss, damit er funktioniert. Also begann ich mit Yoga, was mir enorm hilft, mich zu entspannen.

Fashion-Looks

Der Style von Emma Watson

Emma Watson kommt zur Premiere des Filmes "The Circle" in einem modernen weißen Kleid. Raffinierte Details ist der schulterfreie Ausschnitt und der hohe Beinschlitz. Dazu kombiniert die Schauspielerin ein natürliches Make-up, hochgesteckte Haare, dunklen Nagellack, minimalistischen Schmuck sowie schwarze Sandaletten.
Zur Premiere von "The Circle" bezaubert Emma Watson im weißen, schulterfreien Abendkleid. Für die Aftershow-Party hat sie sich dann aber doch noch mal umgezogen. Im schwarzen, schulterfreien Jumpsuit lässt es sich auch sicher unbeschwerter feiern.
Emma Watson wird für ihre Fans im New Yorker Beale Theater zur Vorleserin und macht ihnen auch mit ihrem Look eine Freude. 
Das gelbe Abendkleid erinnert nämlich sehr an das ikonische, gelbe Ballkleid, das Belle bei ihrem Tanz mit dem Biest trägt. Zum Verlieben schön! 

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Gibt es eigentlich etwas, was Ihnen zu Ihrem Wohlbefinden fehlt?

Ich möchte noch mehr in mir ruhen. Aber noch werde ich unzufrieden, wenn ich nicht ständig alles Mögliche auf die Beine stelle.

Sie wünschen sich ja eine eigene Familie. Spätestens dann ist es mit der Ruhe wohl vorbei …

Ich weiß. Aber noch ist es nicht so weit. Alles zu seiner Zeit.

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