Emilia Schüle: Reifeprüfung bestanden

Ein Jahr nach ihrem bemerkenswerten "Tatort"-Auftritt als "Wegwerfmädchen": Aus Emilia Schüle ist ein Star geworden – und eine starke Frau. "Gala" stellt sie vor

Emilia Schüle im Gala-Fotoshooting

Wegwerfmädchen. Wie das klingt! Doch für Emilia Schüle wurde ausgerechnet die krasse "Tatort"-Rolle einer jungen Zwangsprostituierten, die verletzt und missbraucht auf eine Müllkippe geworfen wird, zum Ticket in die erste Reihe deutscher Nachwuchsstars. Ein knappes Jahr später ist ihr Leben als Schauspielerin durchgetaktet: Ein Dreh jagt den nächsten, die 20-Jährige hat für große Rollen unterschrieben, kurz vorm Gespräch mit "Gala" kommt sie vom Intensiv-Tanztraining.

Was sie gelernt hat? Dass große Rollen auch große Verantwortung mit sich bringen, gegenüber sich, gegenüber dem Publikum, gegenüber dem Team. Auch das "Gala"-Shooting am Vortag wird für die ehemalige Kinderschauspielerin ("Freche Mädchen") zur Bewährungsprobe: Sie ist unsicher, ob die Inszenierung nicht zu gewagt ist. Sie denkt dabei an ihre weißrussischen Eltern, mit denen sie und die ältere Schwester als Kleinkinder aus Blagoweschtschensk nach Berlin kamen. Doch dann ist alles gut, sie gefällt sich auf den Fotos. "Ich schwächele schon! Was essen wir?", sagt sie vor dem Interview, lässt sich in den Sessel im Hamburger Restaurant „Marley’s“ fallen – und bestellt Gemüse aus dem Wok. Würde sie heute Abend noch ins Nachtleben starten wollen, würde sie – ungeschminkt und im Kapuzenpulli – nach dem Ausweis gefragt werden. Im Vergleich mit der Emilia Schüle aus dem Shooting ist sie kaum wiederzuerkennen.

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©Gala

Die Fotos sind sehr glamourös – und sehr sexy. Gefallen Sie sich?

Ich bin hin und weg! Aber die Art der Inszenierung war neu und ungewohnt, ich muss da noch reinwachsen. Ich frage mich, ob die Bilder auch meinen Eltern gefallen …

Weitere Motive vom exklusiven Fotoshooting mit Emilia Schüle sehen Sie in der aktuellen "Gala"-Ausgabe.

Und, was glauben Sie?

Ich denke schon. Ich kam bisher noch gar nicht dazu, ihnen in Ruhe vom Shooting zu berichten. Es ist gerade so viel Wirbel in meinem Leben, manchmal komme ich nicht hinterher mit dem Erzählen!

Wie genau erleben Sie diesen Wirbel?

Das Tempo in meinem Leben hat angezogen. Auch wenn ich nicht drehe, ist mein Terminkalender voll. Die Premiere von "In einem wilden Land" steht bevor, ich habe Interviews, Fotoshootings, Castings für neue Projekte … Es wird nie langweilig. Und momentan stehe ich für einen neuen Kinofilm in der Hauptrolle vor der Kamera: "Lenalove" von Florian Gaag.

Haben Ihre Eltern Angst um Sie? Dass Sie sich verausgaben oder falsche Entscheidungen treffen?

Natürlich haben Sie noch ein Auge darauf, was ich mache – und sind besorgt. Für sie ist vieles noch neu, wie dieses Shooting mit "Gala". Aber ich denke, wir wachsen gemeinsam daran. Und sie wissen, dass mein Beruf jeden Tag Überraschungen parat hält.

In dem Western "In einem wilden Land" spielen Sie Ihre erste Hauptrolle in einer Megaproduktion.

Ich hatte ja schon einige Hauptrollen, vor allem in Jugendkinofilmen, aber eine Hauptrolle bei so einer Riesen-Event-Produktion? Mir war klar, dass mir etwas Aufregendes bevorstand: Drehen in Südafrika, mit großen deutschen Schauspielern und Reitunterricht und Action und allem ... Zum Glück kam die Zusage kurz vor Drehbeginn. Ich hatte also gar keine Zeit, Angst zu haben!

Konnten Sie es denn dann genießen?

Ja, sicher, es war schön, aber auch sehr anstrengend! Ich bin in fast jeder Szene, vieles war sehr aufwendig. Ich hatte ja keine Ahnung, wie anspruchsvoll Actionszenen sind - selbst das Reiten. Nadja Uhl und ich hatten zusammen Unterricht in Berlin und in Südafrika. Im Film sieht das einfach aus, aber der Muskelkater danach war übel!

Im Film werden Sie von Indianern entführt. Mochten Sie davor eigentlich Wildwest-Filme?

Ich kannte vorher kaum welche. Nicht mal Winnetou war mir ein richtiger Begriff! Kein Witz. Ich bin da durch meine russischen Eltern etwas anders geprägt. Aber als ich ihnen erzählte, dass ich mit Gojko Mitić drehen werde, sind sie total ausgeflippt – er war in der DDR ein sehr bekannter Indianer-Darsteller, wurde auch "Winnetou des Ostens" genannt. Selbst in Russland war er wohl größer als Sylvester Stallone! Und nachdem ich Tarantinos "Django Unchained" gesehen hatte, bekam ich richtig Bock auf einen Abenteuerfilm.

Von der Müllhalde nach Wildwest: In der ungewohnt harten Hannoveraner "Tatort"-Folge "Wegwerfmädchen" (und dem zweiten Teil "Das goldene Band") spielte Emilia Schüle ein junges weißrussisches Mädchen, dass zur Prostitution gezwungen wird. 10,6 Millionen schauten zu. Schüle wurde über Nacht zum Star. Schnell traute man ihr Größeres zu: In der Abenteuerromanze "In einem wilden Land" (Sat.1, 12. 11., 20.15 Uhr) spielt sie die junge deutsche Weberin Mila, die nach dem großen Weberaufstand 1844 und dem Tod ihres Verlobten nach Amerika übersiedelt - und dort von Komantschen entführt wird. Neben ihr spielen Benno Fürmann und Nadja Uhl.

Sie drehen zurzeit extrem viel. Wie kommen Sie zur Ruhe?

Ich kann nicht gut abschalten. Aber wenn, fahre ich zum Beispiel aufs Land, raus aus Berlin. Ich lese und male gerne, aber für Letzteres brauche ich einen freien Kopf, und den hatte ich leider schon lange nicht mehr. Ich dachte immer, nach der Schule hätte ich viel mehr Zeit neben dem Drehen, damals habe ich ja parallel gedreht und gelernt. Ist aber nicht so.

Sexsymbol, wäre das eigentlich ein Kompliment für Sie?

Tatort

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Tatort Dresden
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(lacht) Nee, darüber habe ich auch noch nie nachgedacht. Wirklich! Diese Bezeichnung steht nicht auf meiner Wunschliste.

Sie wurden mal als die junge deutsche Angelina Jolie bezeichnet ...

Das ist doch eine tolle Frau! Auch wenn ihre aktuellen Filme nicht so mein Fall sind. Aber "Girl, Interrupted" oder "Gia" spielte sie sehr intensiv. Angelina Jolie ist unglaublich faszinierend. Ich habe mich über den Vergleich gefreut.

Seit Ihrer "Tatort"-Rolle sind Sie heiß begehrt. Kriegen Sie viel mehr Partyeinladungen als früher?

Schon. Aber es muss auch nicht jede Filmparty sein. Ich mag es simpel. Ich habe jetzt zwei Kätzchen, liebe es zu kochen und einfach mal für mich zu sein. Ich habe einen totalen Drang, mein aufregendes Leben aus dem Job auszugleichen.

Was ist sonst seit dem "Tatort" passiert?

Mein Leben ist sehr viel interessanter geworden, und ein paar wirklich tolle Regisseure haben angerufen. Ich habe damit irgendwie eine größere Bühne betreten, nach dem Motto: Hallo, hier bin ich! Den "Tatort" haben so unglaublich viele Leute gesehen. Neulich bei Ikea wurde ich erst wieder von einer Mutter angesprochen: "Bist du nicht das Mädchen aus dem 'Tatort'?"

Haben Sie Angst, dass Sie das Berühmtsein zum Negativen verändert?

Oh Gott, ich hoffe, das wird mir nicht passieren! Aber ich habe Menschen um mich herum, die mir sagen würden, falls ich mich negativ verändere. Bisher bleibe ich im Alltag meist unerkannt, außer hin und wieder im Supermarkt, da begrüßt mich ein junges Mädchen aus der Gegend immer mit "Hallo Aschenputtel!"– das war ich mal fürs ZDF.

Ihr Freund Jannis Niewöhner spielt auch in "In einem wilden Land" mit. Er wird nach ein paar Minuten erschossen,während Sie die Riesenrolle haben ...

Ja, aber keine Sorge: Er ist auch erfolgreich! Wir drehen gerade beide viel. Dem anderen den Erfolg neiden ist bei uns kein Thema.

Gala

Inhaltsverzeichnis

Gala: Inhaltsverzeichnis

Sie haben sich sehr jung kennengelernt ...

... mit 16 ...

... und sind beide Jungschauspieler. Ist Eifersucht in Ihrem Job nicht eine Berufskrankheit?

Wir vertrauen uns. Ich habe mit Jannis einfach einen guten Typen getroffen, also weiß ich, dass alles so richtig ist. Klar ist man mal eifersüchtig, und gerade in der Filmbranche trifft man viele interessante Leute. Aber er ist mein Rückhalt, und ich freue mich für ihn, wenn er Erfolg hat.

Sie sind auch sehr eng mit Ihrer Familie. Haben Sie von dort diese Beziehungsfähigkeit, die vielen im Rampenlicht leider fehlt oder abhanden kommt?

Auf jeden Fall. Ich glaube, durch meine Eltern bin ich sehr empathisch. Aber sie haben mir auch vermittelt, dass alles möglich ist. Wärme. Wenn man sich streitet, hilft es, dass man sich umarmt. Das habe ich aber von meiner älteren Schwester. So sehr man auch zankt, man muss einfach stoppen und sich in den Arm nehmen. Dabei habe ich auch gelernt, dass man für Dinge und Beziehungen kämpfen muss, auch wenn es mal schwierig ist. Und nicht einfach wegrennen – man muss sich damit konfrontieren.

Sind Sie gern auf dem roten Teppich?

Es ist merkwürdig, dass sich Leute dafür interessieren, was ich sage oder anziehe. Wirklich, total abstrakt. Ich finde es komisch, mich hinzustellen und in ein Mikrofon zu sprechen. Ich würde am liebsten durch den Hintereingang auf die Veranstaltung gehen. Aber es gehört eben dazu. Am Set hat man einen Tunnelblick. Die größte Aufgabe besteht darin, den Rummel drumherum nicht wahrzunehmen und einfach zu spielen. Wenn man von Journalisten umringt ist und plötzlich im Mittelpunkt steht, ist das natürlich anders und nichts, was man regelmäßig tut.

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