Elisabeth von Thurn und Taxis: Mutter ist oft ziemlich peinlich

Auch wenn Elisabeth Prinzessin von Thurn und Taxis viel von ihrer berühmten Mutter Gloria gelernt hat, so geht sie doch ihren ganz eigenen Weg. Und der führte sie aus dem beschaulichen Bayern in die Metropolen London und New York

Elisabeth von Thurn und Taxis, Gloria von Thurn und Taxis

Adel verpflichtet.

Zu einer gewissen Noblesse, stundenlangen Treibjagden in Barbour-Jacken und ausufernden Familientreffen. Für Elisabeth von Thurn und Taxis, 29 Jahre junge Prinzessin, ist diese Welt nicht genug - wahre Erfüllung findet sie im Schreiben, in ihrem Leben in London und New York. Schon als Teenager tauschte sie das heimatliche Prinzessinnen- Reich auf Schloss Emmeram gegen ein Internatszimmer in England. Jetzt darf sie für ihre neue Chefin Anna Wintour Kolumnen in der amerikanischen "Vogue" schreiben. "Gala" hat Elisabeth in Berlin getroffen, wo sie ihr Buch "Tagebuch einer Prinzessin" (Marion von Schröder, 253 S., 14,99 Euro) vorstellte, in dem sie unterhaltsam aus ihrem Leben als Mitglied einer der wichtigsten Adelsdynastien Deutschlands plaudert. In jedem Kapitel mit dabei: Mutter Gloria, ehemalige Punk-Prinzessin, die heute die Geschicke der Familie - und die ihrer Tochter - sanft in die richtige Richtung lenkt.

Ihre Mutter spielt eine zentrale Rolle in Ihrem Buch. Was bewundern Sie an ihr?

Ihre Bodenständigkeit, gepaart mit einer total authentischen Exzentrik und Ausgeflipptheit. Das habe ich wohl von ihr geerbt.

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©Gala

Gibt’s auch Momente, in denen ihre offensive Art peinlich für Sie war?

Klar, die ganze Zeit! Einmal - das ist natürlich schon länger her - hat sie uns im Clownskostüm von der Schule abgeholt. Das war extrem peinlich.

Ein andermal hat Ihre Mutter in New York einen guten Bekannten gedrängt, Sie und Ihre beiden Geschwister Leonardo DiCaprio vorzustellen. Prompt standen Sie alle vor seinem Hotelzimmer und haben geklopft.

O Gott, ja. Das war wahnsinnig unangenehm, wir drei Kinder wollten am liebsten weglaufen. Leonardo kam aus seinem Zimmer heraus, hat uns begrüßt und ist dann sofort abgehauen. Wie man das eben in so einer Situation macht.

Bei jedem Ihrer Familienfeste, schreiben Sie, gibt es einen handfesten Streit. Worüber zanken Sie?

Über ganz Banales: Meine Mutter und meine Tante Maya (von Schönburg, Anm. d. Red.) bekommen sich wegen des Essens in die Haare oder streiten darüber, wann wir gemeinsam singen. Ein paar Stunden später ist aber alles wieder vergessen - der, der am lautesten war, hat sich entschuldigt, und es wird weitergefeiert.

Mit der Familie immer in bester Gesellschaft: Zu ihren Geschwistern Fürst Albert (r.) und Prinzessin Maria Theresia (2.v.r.) hat Elisabeth ein herzliches Verhältnis.

Eine explosive Familie. Ihre Mutter wird - unter anderem wegen ihres Temperaments - "TNT" genannt.

Ja, wie der Sprengstoff. Genau so heißt meine neue Kolumne für die US-"Vogue", die im September zum ersten Mal erschienen ist. Ich arbeite dort als "Style Editor at Large", schreibe aber weiter freiberuflich für andere Zeitschriften.

Wie hat es sich angefühlt, die legendäre Redaktion erstmals zu betreten?

Großartig. Es ist ja eine eigene kleine Welt für sich, man spürt den Mythos in jedem Raum. Natürlich geht es absolut hierarchisch zu. Anna Wintour ist unantastbar.

Als Redakteurin können Sie sich sicher problemlos die schönsten Stücke aus der berühmten Kleiderkammer ausleihen, oder?

Für die New Yorker Fashion Week habe ich das gerade genutzt und bei der Michael- Kors-Show eines seiner Kleider getragen. Bei besonderen Events frage ich auch gern mal selbst an, wenn ich einen Designer toll finde. Ich liebe Balenciaga, Miu Miu, Thakoon und immer wieder Prada. Und bei den Schauen in New York habe ich jetzt Alexander Wang für mich entdeckt.

Leben Sie in New York - wie in London - zur Miete?

Nein, ich wohne im Apartment meiner Mutter im Flatiron-District. Das ist sehr angenehm, denn sie ist wenig dort, und ich habe die Wohnung meist für mich allein.

Die 16 Monate alte Elisabeth 1983 mit Schwester Maria Theresia auf dem Schoß ihres Vaters Joachim im heimischen Schloss Emmeram. Gloria hält stolz Albert.

In welche Clubs gehen Sie nach dem Job?

Immer wieder gern in den "Boom Boom Room". Und das "Le Bain" gleich nebenan. Und zum Dinner am liebsten ins "Indochine" oder den "Standard Grill".

Sie haben Ihren Vater früh verloren. Wer hat danach die Vaterrolle übernommen?

Meine Mutter. Sie hat beide Rollen auf einmal ausgefüllt. Mit meiner Schwester und mir war sie strenger, wir durften weniger als mein jüngerer Bruder. Und das Thema Heiraten war schon früh sehr wichtig. Wahrscheinlich weil sie immer das Gefühl hatte, sie muss ganz alleine auf zwei Mädchen aufpassen und sie gut unterbringen.

Muss es für Ihre Mutter ein Adliger sein?

Nicht nur ein Adliger, sondern möglichst jemand aus dem Hochadel. Schon seit wir klein sind, wurden wir deshalb etlichen 20 Jahre älteren Cousins siebten Grades vorgeführt, die große Schlösser besitzen. Mittlerweile hat meine Mutter ein bisschen besser verstanden, dass es im Leben nicht so leicht für uns läuft. Sie wünscht sich immer noch eine solche Verbindung, tritt bei diesem Thema aber mehr zurück.

Bei der Arbeit: "Vogue"-Redakteurin Elisabeth von Thurn und Taxis (r.) bei der New York Fashion Week im September.

Und was denken Sie?

Es ist auf jeden Fall leichter, mit jemandem zusammen zu sein, der eine ähnliche Geschichte und Erziehung erlebt hat, die Welt aus dem gleichen Blickwinkel sieht. Vor allem wenn es um das Thema Ehe geht. Ich gehöre nicht zu den Frauen, die denken, dass nach der Hochzeit alles ein Zuckerschlecken ist. Ich zweifle am Konzept der Zweisamkeit, obwohl ich sie mir natürlich wünsche. Dass ich dabei einen Adligen an meiner Seite habe, ist für mich zweitrangig.

Ist die Ehe Ihrer Eltern Vorbild für Sie?

Sicher. Das Problem ist, dass mein Vater starb, als ich erst acht Jahre alt war, und ich ihre Beziehung nicht konkret miterlebt habe. Klar habe ich mir als kleines Mädchen gewünscht, einen Mann wie meinen Vater zur heiraten. Aber wenn man älter wird, aufgeklärter über die Situation nachdenkt und bei Geschichten anders zuhört, verändert sich das doch sehr. Im Grunde erlebten meine Eltern eine sehr romantische Liebe. Auch weil meine Mutter so jung war, als sie geheiratet haben. Ich finde es toll, was sie hatten - aber ich habe eine andere Vorstellung von der Ehe.

In London, Ihrer zweiten Heimat, leben viele deutsche Adlige. Erkennen Sie einen anderen Adligen sofort?

Klar. Es gibt diesen typischen Adelsstil - rote Hose, Blazer, bunte Socken - den man auf Meilen ausmachen kann. Leute, die sich so anziehen, gehören aber nicht unbedingt zu meinem Freundeskreis. ( lacht)

Eigentlich müssten Sie nicht unbedingt arbeiten. Wie wichtig ist es für Sie, dennoch einen Job zu haben?

Wahnsinnig wichtig. Ich habe mich immer nach dieser Normalität, dem Rhythmus und dieser Art von Berufung gesehnt, die eine Arbeitsstelle mit sich bringt. Gerade dass es für mich schwieriger ist, weil ich als Prinzessin gegen Vorbehalte kämpfen muss, fordert mich heraus. Ich würde es als leer und unbefriedigend empfinden, wenn ich all das, was ich erlebe, nicht aufschreiben und veröffentlichen könnte. Nur so bekommt das Ganze für mich einen tieferen Sinn. Den Grundstein zu dieser Lebenseinstellung hat meine Mutter gelegt. Uns Kindern wurde, trotz des riesigen Schlosses, ein Grundsatz ganz besonders vermittelt: Bescheidenheit. Von meinen Klassenkameraden hatte ich immer am wenigsten Taschengeld, auch sonst wurden wir nicht verwöhnt. Dafür bin ich sehr dankbar, denn das hat in mir das Bedürfnis geweckt, selbst etwas zu leisten.

Elisabeth von Thurn und Taxis mit ihrer Mutter Gloria und ihrer Schwester Maria Theresia bei den Schlossfestspielen in Regensburg. Von ihrer Mutter, sagt die Prinzessin, habe sie "Bodenständigkeit und Exzentrik geerbt". Ihr Buch stellte sie Ende September in Berlin vor.

Könnten Sie sich vorstellen, nur noch für das Familienunternehmen Thurn & Taxis zu arbeiten?

Auf keinen Fall. Gott sei Dank ist das die Aufgabe meines Bruders. Er wurde in diese Richtung erzogen, während meine Schwester und ich unsere kreative Seite ausleben durften.

Ihr Onkel Alexander von Schönburg arbeitet in der gleichen Branche, jedoch als Klatschkolumnist. Ist er ein Vorbild für Sie?

Er ist ein extrem guter Schreiber, dafür bewundere ich ihn. Ich möchte jedoch nicht machen müssen, was er macht. Es wäre einfach nicht mein Weg. Aber er hat ja auch eine Familie und drei Kinder.

Wünschen Sie sich Familie?

Auf jeden Fall. Meine Mutter hat uns schon früh beigebracht, dass ein Mann und Kinder etwas ist, nach dem man sich im Leben umschauen sollte. Gerade als Frau.

Sie waren zu dritt. Wie viele Kinder dürfen es für Sie sein?

Das würde ich total dem lieben Gott überlassen. Aber drei ist eine super Zahl. Martina Ochs

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