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Dieter Schroth + Harald Glööckler Jetzt redet Herr Schroth!

Dieter Schroth und Harald Glööckler mit Billy King
Dieter Schroth und Harald Glööckler mit Billy King
© Picture Alliance
Trotz seines Erfolgs wird Harald Glööckler von manchen immer noch nicht ernst genommen. Den "Prince of Fashion" lässt das kalt. Seinen Partner Dieter Schroth nicht. Denn für ihn wurde der Mann an seiner Seite zum Lebensretter

Gegensätzlicher können zwei Menschen kaum sein.

Harald Glööckler, 47, war schon in seinem schwäbischen Heimatort der Paradiesvogel, er wollte später als Modeschöpfer Frauen zu Prinzessinnen machen, lebte offen schwul. Dieter Schroth dagegen ging viele Umwege. Der heute 63-Jährige spielte Fußball, ein paar Jahre sogar in der Regionalliga, er heiratete, bekam mit seiner Frau zwei Kinder, brach aus der Ehe aus, zweifelte an sich - und traf Glööckler. 1987 werden die beiden privat und geschäftlich ein Paar; die gelernten Kaufmänner eröffnen einen Jeansladen in Stuttgart. Die Durststrecke, die dann folgt, ist lang. Doch als sich Glööckler das zweite Ö zulegt, sein Label "Pompöös" gründet und starke Frauen den "Prince of Fashion" entdecken, startet eine Ausnahmekarriere. Seine krönchenbestickten Kleider bietet er inzwischen vor allem via Teleshopping an, derzeit in Deutschland und England. Außerdem designt er Schmuck und Tapeten, Tier- und Mobilfunkzubehör: Alles glittert und glitzert. Verkauft werden die Produkte in 80 Ländern über Lizenznehmer. Fast täglich melden sich neue potenzielle Geschäftspartner, die sich mit der Marke Glööckler schmücken wollen. Glööckler, der Kreative, und Schroth, das Organisationstalent: Mittlerweile sind sie Multimillionäre, und seit einigen Wochen auch noch Dokusoap-Stars ("Glööckler - Glanz und Gloria", dienstags um 20.15 Uhr auf Vox). "Gala" besuchte die beiden in ihrem Berliner Domizil.

Harald Glööckler und Dieter Schroth 1999 bei einer ihrer ersten "Pompöös Haute Couture Show" in Stuttgart. Damals ging es langsa
Harald Glööckler und Dieter Schroth 1999 bei einer ihrer ersten "Pompöös Haute Couture Show" in Stuttgart. Damals ging es langsam aufwärts, auch weil VIPs wie Italiens Filmdiva Gina Lollobrigida auf die Kreationen des deutschen Modeschöpfers aufmerksam geworden waren.
© Picture Alliance

Seit Sommer 1987 sind Sie ein Paar - haben Sie Ihr Silberjubiläum schon gefeiert?

Harald Glööckler : Nein, das machen wir wie die Queen: Die feiert ihren Geburtstag auch dann, wenn es ihr passt.

Es gab noch nicht mal ein Candle-Light-Dinner in einem schönen Restaurant?

Glööckler: Das Problem bei Herrn Schroth ist: Er will am liebsten zu Hause sitzen und fernsehen, Sport vor allem, und ich am besten neben ihm. Wenn ich sage: Wir fahren nach Paris, in ein tolles Hotel - da rollt er mit den Augen. Deshalb schlage ich so was gar nicht mehr vor. Dieter Schroth: Warum soll ich aus dem Haus? Ich erlebe hier bei uns so viel.
Glööckler: Ich find’s bei uns auch schön. Aber alles, was ich sehe - da seh ich überall meine Arbeit. Und deshalb will ich gelegentlich mal einen Break.

Herr Schroth, Sie haben Herrn Glööckler oft 24 Stunden am Tag um sich. Brauchen Sie auch mal eine Auszeit?

Schroth: Es ist schon auch eine Erholung, wenn er mal weg ist. Und es ist ja auch wichtig für so eine lange Beziehung: Man muss loslassen können, ohne dass da Hintergedanken aufkommen. Allerdings vermisse ich ihn auch ganz schnell.
Glööckler: Man muss es so sagen: Wenn ich mal mit meiner Freundin Rita ein paar Tage nach Dubai fliege - ausspannen, shoppen, chic essen gehen -, hat er mich früher gleich angerufen, um mir zu sagen: "Ich vermiss dich so!" Da war ich noch nicht mal am Flughafen. Aber das hab ich ihm abgewöhnt. Sonst kriegt man doch ein schlechtes Gewissen, den anderen allein zu lassen!

Wie sieht Ihr Freundeskreis aus, wen gibt es noch außer Rita, die Sie seit Ihrer Stuttgarter Zeit kennen?

Glööckler: Menschen, auf die man sich wirklich verlassen kann, gibt es wenige. Außer Rita ist das bei uns Laura Dragana, meine Energieberaterin und eine Freundin seit Jahrzehnten. Und dann René Koch, der Visagist. Aber da hängen ja immer noch andere Leute dran. Wenn Rita am Wochenende nach Berlin kommt, ist oft ihr Mann dabei, ein Arzt. Er kann sich dann mit Herrn Schroth unterhalten.
Schroth: Also Harald von Frau zu Frau, und ich von Mann zu Mann.

Sie beide sind das beste Beispiel für die These: Gegensätze ziehen sich an. Gibt es Punkte, wo der eine den anderen trotzdem gern verändern würde?

Schroth: Nie würde ich das versuchen! Ich war zehn Jahre verheiratet, und man hat immer wieder versucht, mich zu verändern. Ich habe Kompromisse ohne Ende geschlossen. So was kann nicht gut gehen. Glööckler: Manchmal fragt er mich: Willst du das jetzt wirklich anziehen? Dann sag ich: Wieso, ich habe es doch schon an!

Herr Schroth, schauen Sie Herrn Glööckler gern an?

Schroth: Sogar sehr gern. Ich hab ihn auch vor 25 Jahren schon gern angesehen.
Glööckler: Ich habe mich auch vor 25 Jahren schon nicht gern angesehen.
Schroth: Künstler sind oft mit sich im Zwiespalt. Harald hat sich daher sehr verwandelt. Ich selbst bin nur älter geworden.
Glööckler: Aber du hast dich entpuppt!

Harald Glööckler und Dieter Schroth lassen sich von einem Termin zum nächsten chauffieren. Auf VOX kann man in der Sendung "Glöö
Harald Glööckler und Dieter Schroth lassen sich von einem Termin zum nächsten chauffieren. Auf VOX kann man in der Sendung "Glööckler - Glanz und Gloria" ihr Leben mitverfolgen.
© VOX

Wie erinnern Sie sich an Ihren Kennenlern-Moment?

Schroth: Das war in einer Disco in Mannheim, dem "Connexion", wo es einmal im Monat ein Gay-Happening gab. Für mich war es die schwere Zeit des Loslösens vom alten Leben. Vorher war ich nie in einer Disco gewesen - jetzt hab ich die ganze Nacht durchgetanzt. In dieser irrealen Welt mit Musik, Lichteffekten und Nebel waren all meine Sorgen weg. Aber wenn ich um sechs Uhr morgens rauskam, waren doppelt so viele da. Einmal tanzte plötzlich Harald neben mir. Es waren sicher zwei, dreitausend Männer in der Disco, aber er ist mir gleich aufgefallen. Wir kamen ins Gespräch, er gab mir seine Telefonnummer. Einige Wochen später habe ich ihn angerufen, ich fand den Zettel in einer Jeans. Es war Sonntag. Er hat mich zu Kaffee und Kuchen eingeladen.

Wenn Sie erst nach Wochen angerufen haben, hat er wohl doch nicht den ganz großen Eindruck gemacht ..?

Schroth: Ich war einfach zu sehr mit meinen Sachen beschäftigt. Ich hatte natürlich oberflächliche Kontakte, mein Gott, ich war erst Ende dreißig. Aber ihn hatte ich im Gedächtnis behalten.
(Glööckler hat begonnen, Autogrammkarten zu signieren, immer dann, wenn Schroth länger spricht. Bei jeder neuen Unterschrift klackern seine Ringe und Armbänder auf den Tisch. Er bittet um Verständnis: Zurzeit gebe es etwa tausend Anfragen pro Tag.)

Herr Schroth, können Sie drei Dinge nennen, die Sie an Herrn Glööckler besonders anziehend finden?

Schroth: Seine Loyalität mir gegenüber. Seine Ehrlichkeit. Und seine Wärme.

Wie zeigt er seine Loyalität?

Schroth: Das kann man gut an unserer Kennenlern-Zeit sehen. Ich wollte damals nie wieder eine Beziehung eingehen, denn ich war von der Ehe noch sehr beschädigt ...
Glööckler: ... das ist wichtig: Du warst damals schon getrennt. Ich hätte ja keinen verheirateten Mann angegrätscht ...
Schroth: ... jedenfalls bin ich irgendwann bei ihm eingezogen, in sein 40-Quadratmeter-Apartment. Eines Abends kam ich von der Arbeit, ich hatte eine kleine Boutique. Harald hatte gekocht und den Tisch schön dekoriert. Auf meinem Teller lag ein kleiner Briefumschlag mit einer Karte: "Für den liebsten Menschen, den ich jemals kennengelernt habe." Da sind bei mir alle Ängste in sich zusammengebrochen. Natürlich wusste ich, dass nach der gescheiterten Ehe noch viele Probleme auf mich zukommen würden, über viele Jahre, auch finanziell. Aber er hat mir gesagt: Zusammen schaffen wir das! Auch wenn es äußerlich nicht so wirkt - Harald war schon immer der Stärkere.

Und was schätzen Sie an Herrn Schroth, Herr Glööckler?

Glööckler: Erst mal bin ich jetzt abgelenkt nach diesem Rosamunde-Pilcher-Roman ...
Schroth: Aber es ist die Wahrheit. (lächelt)
Glööckler: Gut, ich mag seine Zuverlässigkeit. (überlegt) Seine liebevolle Art - er ist eine Glucke. Und dass er immer zu mir stand in den Zeiten, in denen viel Gegenwind kam.
Schroth: Die ersten 15 Jahre waren nicht einfach. Aber heute ist Harald bekannter als Lagerfeld, das hat eine Umfrage ergeben. So wie er heute ist, so unabhängig, hat er sich selbst erschaffen. Darauf bin ich unheimlich stolz. Das sollte man mal anerkennen!

Als Sie ein Paar wurden, waren die Töchter von Herrn Schroth erst vier und sieben Jahre alt. Wie konnten Sie, Herr Glööckler, sich bei den Kindern einbringen?

Glööckler: Da wollte der Papa ganz clever sein. An einem Sonntag sagt er zu den Kindern: Gehen wir doch ins Schwimmbad! Ich sollte schon vorher dort sein und mein Handtuch ausbreiten. Er wollte dann zu den beiden sagen: Da vorn ist was frei, gehen wir doch mal hin, und dann wollte er überrascht tun - ach, ein Bekannter von mir, hallo! So einfach war es aber nicht. Die Kinder meinten: Wir gehen doch nicht so nah zu einem Fremden!
Schroth: Ich hab sie schließlich überzeugen können. Und dann waren sie am Wochenende oft bei uns. Aber vor den Kindern haben wir uns nie an der Hand gehalten oder so, das war uns wichtig. Heute verbindet sie ein enges Band mit Harald. Auch das ist mir wichtig, denn wir werden ja nicht jünger ...
Glööckler: ... ich schon ...
Schroth: ... und wenn ich mal nicht mehr da bin, wäre es sehr schön, wenn diese Bindung bestehen bleibt. Sabine Kobes

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