Devid Striesow: "Ich glaube nicht an Gott!"

In der Kinoversion des Mega-Bestsellers "Ich bin dann mal weg" ist Devid Striesow als Hape Kerkeling zu sehen. Beim GALA-Interview spricht der Schauspieler über Sinnsuchen, kleine Fluchten – und die Schattenseiten der Religion

Zum Interview in Berlin hat er seinen Begleiter Buddy mitgebracht, eine englische Bulldogge. Buddy schnauft kurz, legt sich auf den Boden und hält erst mal ein Nickerchen. Sein Herrchen, "Tatort"-Kommissar , 42, kommt gerade vom Hanteltraining. Energiegeladen erzählt er im GALA-Interview von der vielleicht wichtigsten Rolle seiner Karriere. Die gelungene Verfilmung von Bestseller "Ich bin dann mal weg" könnte dem Schauspieler jetzt zum Durchbruch als Kinostar verhelfen.

Waren Sie heiß darauf, Hape Kerkeling zu spielen?

Am Anfang ja. Als ich vor ein paar Jahren das Buch las, dachte ich mir sofort, dass dieser Stoff geradezu nach einer Verfilmung schreit, und ich wollte die Rolle unbedingt. Doch dann wurde ich zum ersten Casting eingeladen – und stellte bei den Vorbereitungen der Szenen fest, dass ich das nicht schaffe. Ich wollte die Rolle nicht mehr, weil ich einfach nicht ans Original herankam. Erst als ich ein Jahr später – zwischenzeitlich ruhte das Projekt wieder – erneut zum Casting eingeladen wurde, dachte ich mir still, dass ich schön doof wäre, wenn ich die Rolle weiter ablehne …

Wie oft haben Sie sich mit Hape für Vorbereitungsgespräche getroffen?

Sie werden lachen: nicht ein einziges Mal. Er schrieb zu der Zeit nämlich gerade an seinem neuen Buch. Wir haben uns aber im Herbst bei einer Preisverleihung getroffen und miteinander geplaudert. Da hatte Hape den Film bereits gesehen – und war zum Glück sehr mit dem Ergebnis zufrieden. Wahrscheinlich war es genau richtig, dass ich ihn nur aus der Distanz studiert habe.

Mussten Sie für die Rolle viel zunehmen?

Ich hatte mir zehn Kilo mehr Gewicht angefuttert. Wir haben den Film im Sommer 2014 abgedreht. Im April wurden dann aber noch zusätzliche Drehtage angesetzt. Nachdem ich also mein Normalgewicht endlich wieder erreicht hatte, mussten erneut zehn Kilo rauf. Das war ganz schön heftig! Jetzt habe ich von Gewichtsschwankungen erst mal die Nase voll. (lacht)

Am 24. Dezember läuft die von Nico Hofmann (UFA Fiction) produzierte, mit Spannung erwartete Kinoversion von "Ich bin dann mal weg" an (Verleih: Warner Bros.). Neben Devid Striesow sind unter anderem Martina Gedeck und Katharina Thalbach zu sehen.

Fühlen Sie sich durch den Dreh inspiriert, eine ähnliche Reise anzutreten?

Ich würde ganz gerne mal länger Urlaub machen. Das wäre schon mal ein Anfang. Ein Trip nach Tibet reizt mich seit Jahren. Da ich konfessionslos bin, muss es der Jakobsweg aber nicht unbedingt sein …

Grundsätzlich steckt die Sehnsucht nach der großen Freiheit aber auch in Ihnen?

Auf jeden Fall! Es gibt so viele Orte, die ich noch sehen möchte. Ich war zum Beispiel noch niemals in New York. Ich war noch nicht einmal in den USA. Wochenlange Reisen sind toll und reizen mich sehr. Aber ich habe hier in Deutschland ja nun mal ein paar Verpflichtungen. Beruflich und privat. Eine private liegt hier zum Beispiel neben mir und wedelt mit dem Schwanz …

Können Sie auch mal gar nichts tun?

Viele Jahre konnte ich es nicht. In letzter Zeit habe ich es aber gelernt.

Wie lernt man so was?

Ich wohne seit einiger Zeit in der Uckermark. Ganz ländlich und fernab vom Moloch Berlin. In einem alten Haus, das direkt an einem See liegt. Da muss ich mich zu gar nichts zwingen, sondern fahre automatisch runter. Ich gehe spazieren, beobachte die Natur, bekomme den Kopf frei. Traumhaft!

Haben Sie feste Ziele im Leben?

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In meinen Augen sollte es für uns alle ein Ziel sein, möglichst viele Momente im Hier und Jetzt so lebenswert wie möglich zu gestalten. Wenn wir es schaffen, eine Vielzahl von intensiven Momenten zu erleben, dann haben wir schon eine ganze Menge erreicht.

Können Sie die Frage "Wer oder was bin ich?" für sich beantworten?

Ich bin heute zumindest gefestigt in der Erkenntnis, dass ich nicht gefestigt bin. (lacht) Im Leben ist permanent alles im Fluss. Und auch ich verändere mich immer wieder mit den Jahren. Als junger Mensch denkt man ja zunächst, dass man ab einem gewissen Alter irgendwann „fertig“ ist. Aber das ist man doch nie so ganz.

Was nervt Sie am Älterwerden?

Als junger Mann war ich viel spontaner und habe nicht so viel reflektiert. Jetzt setzt bei mir leider immer öfter das Kopfkino ein. Ich finde, dass alt werden oft auch eine Art von Festigkeit und Inflexibilität mit sich bringt. Wenn ich das bei mirbemerke, werde ich unruhig und versuche, mich bewusst aus der Gedankenstarre zu befreien.

In "Ich bin dann mal weg" geht es auch um den Glauben. Sind Sie gläubig?

Ich glaube nicht an Gott. Aber ich habe das Gefühl, dass es da eine große, allem übergeordnete Macht gibt. Eine Energie oder eine Präsenz, die ewig ist; die uns bestimmt und lenkt. Ich kann dem aber keinen Namen geben. Ich kann es nur empfinden.

Ist Religion denn für Sie ein Thema?

Durchaus. Ich würde sehr gerne viel mehr über Religionen wissen. Aber leider bin ich nie so richtig mit den Glaubensformen vertraut gemacht worden, was auch mit meiner ostdeutschen Biografie zu tun hat. Auf jeden Fall gibt es religiöse Rituale, die ich mag: Das Weihnachtsfest ist sehr schön, und auch die heilige katholische Messe ist faszinierend. Für mich die Urform von großem Theater.

Gibt es eine Religion, die Ihnen grundsätzlich sympathisch ist?

Ich finde, dass der Buddhismus eine sehr menschenfreundliche Glaubensform ist und dass es dort weniger Zwänge gibt.

Was genau meinen Sie?

Die katholische Kirche oder der Islam wirken auf mich im Vergleich viel restriktiver und aggressiver. Ich finde es schlimm, wie sehr die Negativität in vielen Religionen dominiert. Ich mag es gar nicht, wenn der Glaube der Menschen dazu missbraucht wird, um sie zu manipulieren. Und ich finde es beängstigend, wenn die Massen mit nur einer Meinung loslaufen und die dann anderen Menschen aufdrücken möchten.

Was sollte die Aufgabe von Religion sein?

Sie sollte dafür sorgen, dass die Menschen sich gut fühlen. Sie sollte Kraft schenken und Geborgenheit bieten. Tatsächlich aber tragen manche Religionen auch heute noch dazu bei, dass Menschen sich schlecht, falsch und schuldvoll fühlen. Und das ist ziemlich traurig.

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