Der Athen-Krimi: Interview mit Francis Fulton-Smith

Im "Athen-Krimi" spielte Francis Fulton-Smith nicht nur die Hauptrolle, er war auch erstmalig als Produzent tätig. Wie er sich dabei gefühlt hat, erzählte er im Interview mit Gala

Francis Fulton-Smith und Waldemar Kobus

Ein Halb-Engländer wird zum Halb-Griechen. In "Der Athen-Krimi – Trojanische Pferde" geht es für Max Richter, gespielt von Francis Fulton-Smith, heute Abend um 20.15 Uhr bei der ARD zur Athener Mordkommission. Dort trifft er auf seinen neuen Partner Petros Makropoulos – das Verhältnis ist schwierig. In der Realität versteht sich Bambi-Preisträger Francis mit seinem Schauspielkollegen Waldemar Kobus dafür umso besser. Wie sich die beiden schon vor etlichen Jahren kennenlernten und wie es sich für Francis Fulton-Smith anfühlte, erstmals auch als Produzent für einen Film tätig zu sein, erzählte uns der 49-Jährige im Interview.

Der "Athen-Krimi" trägt den Untertitel "Trojanische Pferde". Was hat es damit auf sich?

"Trojanische Pferde" war eigentlich der Arbeitstitel. Der Haupttitel kam nun über die Programmplanung hinzu, einfach aus dem Grund, damit man die Krimis zuordnen kann. Der Krimi, der in Athen spielt, heißt zum Beispiel "Der Athen-Krimi". In einer anderen Stadt, heißt er dann "Der XYZ-Krimi". Daraus erschließt sich eine Reihen-Dachmarke. Wo sich jedoch das trojanische Pferd in dem Film befindet, oder wer es möglicherweise ist, sage ich noch nicht. Wäre ja schade, wenn ich das im Vorfeld schon verrate.

Wie waren die Dreharbeiten in Athen?

Die habe ich als sehr spannend erlebt. Wir hatten außer den Hods (Heads of Department) ein rein griechisches Team in allen Bereichen, was ich als großartig empfunden habe. Die Arbeitssprache am Set war Englisch. Alle waren sehr professionell und konzentriert, wir hatten 21 Drehtage und haben in dieser Zeit das gesamte Pensum umsetzen können. Ich denke, wir haben eine ganz gute Mischung zwischen der Postromantik der Akropolis und der Subkultur, der dunklen Seite hinbekommen.

Die Dreharbeiten von "Der Athen-Krimi"

Wie würden Sie ihre Rolle selbst beschreiben? Warum ist Max Richter ein guter Ermittler?

Max Richter ist ein Mensch auf der Suche nach sich selbst. Er reist aus Deutschland, wo er beim LKA gearbeitet hat, wegen eines Falls nach Griechenland. Er ist Halbgrieche, seine Mutter ist Griechin, sein Vater Deutscher. Er ist aber in Deutschland aufgewachsen und seine griechische Ader schlummert praktisch bis zu dem Tag in ihm drin, an dem er nach Athen kommt. Die Reise, sprich die Selbstfindungsphase, beginnt mit dem ersten Film und ist in einer horizontalen Erzählweise geplant. Er und sein Kollege Petros Makropoulos werden sich einander annähern, begegnen, mal heftig, mal humorvoll.

Wie sind Sie und ihr Kollege Waldemar Kobus denn in der Realität miteinander ausgekommen?

Das ist eine lustige Geschichte, denn Waldemar Kobus und ich waren zusammen auf der Otto-Falckenberg-Schule in München, also Schul-Kumpels. Wir haben uns danach ein bisschen aus den Augen verloren, weil wir ja auch unterschiedliche Werdegänge hatten. Als dann jetzt die Frage auftauchte, wer die Rolle des Petros spielen könnte, haben wir natürlich die Republik rauf und runter gecastet. Das waren alles in allem ganz wunderbare Kollegen, aber es hat nie so richtig gepasst. Dann war ich auf der Abschiedsfeier von einer Lehrerin der Schauspielschule und plötzlich stand Waldemar Kobus vor mir. Ich bin sofort auf ihn zu und habe ihn gefragt, was er im Juni macht. Er hatte noch nichts vor und so habe ich sofort alle aus dem Team angerufen und gefragt, was sie von Waldemar als Petros halten. Die waren alle begeistert. Und so sind wir uns nach fast 20 Jahren wieder begegnet und hatten sofort ein besonderes Vertrauensverhältnis zueinander. Das war toll und hat auch dem Film sehr geholfen.

Sie selbst sind Halb-Engländer. Konnten Sie sich denn gut in die Situation einfinden, im Film einen Halb-Grieche zu spielen?

Ja, ich denke schon. Auf jeden Fall hat es mir geholfen. Mein Vater ist Engländer, meine Mutter ist Deutsche, also ich weiß, wie es ist, so ein bisschen zwischen den Stühlen zu sitzen und zwischen den Gesellschaften hin- und her zu wandern. Da schlagen zwei Seelen in meiner Brust, im positiven Sinne. Die griechische Mentalität ist auch ein bisschen ähnlich der bayerischen. Ich bin ja in Bayern aufgewachsen. Beide sind sehr kluge, witzige, aber auch aufbrausende und emotionale Volksgruppen. Man kann heftig mit Händen und Füßen diskutieren, aber am Ende liegen sich alle in den Armen und tanzen Sirtaki. Im Film spielen wir natürlich mit diesen Vorurteilen, bohren Klischees auf, bieten in gewisser Weise Völkerverständingung mit einem Augenzwinkern an. Am Ende sind es aber immer Menschen, die im selben Boot sitzen und das ist doch eine ganz gute Botschaft.

Sie waren bei diesem Film erstmalig auch als Produzent tätig. Wie war die Erfahrung für Sie?

Sehr spannend. Ich war zum ersten Mal im Vorfeld auch an der Planung, Vorbereitung und Durchführung beteiligt. Das hat mir großen Spaß gemacht, Verantwortung zu übernehmen und Teil einer Vision zu einem so frühen Zeitpunkt zu sein. Als Schauspieler kommt man in der Regel sehr spät an Bord.

Inwiefern hat sich der Umstand, dass Sie Produzent waren, vielleicht auch auf die Schauspielerei ausgewirkt?

Es ist natürlich schon so, dass man als Produzent viel mehr Verantwortung hat. Da muss man sich schon sehr genau überlegen, wie man das Team zusammenstellt, was man für eine Geschichte erzählt, die Drehorte, Kostüme usw. Mit verantwortlich dafür zu sein, wie dieses Zahnrad ineinandergreift und man auch sieht, wie der Film wirklich umgesetzt wird, macht mich natürlich ein Stück weit stolz und macht auch Lust auf mehr. Direkt am Set habe ich aber versucht, mich ein bisschen zurückzuhalten. Deswegen hatte ich auch meinen Geschäftspartner mit dabei, der dann die kritischen Punkte angesprochen hat. Während der Arbeit am Set stimmt er sich zwar mit mir ab, hält aber auch vieles von mir fern, wenn ich spiele und mich konzentrieren muss. Natürlich ist aber keine Entscheidung ohne mein Mitwissen getroffen worden.

Der Athen-Krimi

Bedeutet Ihnen der Film mehr, weil Sie eben nicht nur die Hauptrolle gespielt haben, sondern auch Produzent waren?

Absolut! Das kann man schon fast mit einem Baby vergleichen. Man ist einfach von der Anfangsidee bis zur Realisation beschäftigt, man fiebert mit und das Projekt liegt einem wahnsinnig am Herzen. Wie ein Kind, das am 28. Januar zur Welt kommt und dann im Juni evtl. eine Fortsetzung erfährt.

Gibt es denn eine Fortsetzung?

Das steht noch nicht fest. Es gibt natürlich vorsichtige interne Planungen, aber die Degeto hat das letzte Entscheidungsrecht und das wird sicherlich von der Quote abhängen und wie die Resonanz beim Zuschauer ist.

Wären Sie auch mal daran interessiert, Regie zu führen?

Das ist eine interessante Frage, die ich mir selber bisher noch gar nicht gestellt habe. Mein Kerngeschäft wird einfach immer die Schauspielerei sein. Als Produzent habe ich gerade Blut geleckt und sehe darin auch eine relevante Zukunft. Aber das wird sich erst noch zeigen. Deswegen glaube ich, momentan nicht. Ich will es nicht ausschließen, aber ich denke, ich bleibe jetzt erstmal bei meinen Leisten.

2015 war ihr großes Jahr: Sie wurden mit dem Bambi ausgezeichnet. Sind Sie jetzt ruhiger, weil Sie ihn schon mal bekommen haben oder kribbelt es in Ihnen, ihn vielleicht nochmal zu erhalten?

Oh, das ist eine sehr kluge Frage… Hm… Also, zunächst bin ich der Meinung, ein Künstler muß nicht nur höflich sein, sondern auch provozieren dürfen! Insofern ist es sicher richtig, daß ich durch Franz-Josef Strauß und Hermann Göring im übertragenen Sinn kreativ wachgeküsst worden bin. Mit dem Bambi ausgezeichnet zu werden, ist eine großartige Ehrung, auch die anderen Preise sind natürlich sehr schön und ich gebe zu ein Stück weit bin ich sehr stolz darauf. Der Bambi ist der wunderschönste und wichtigste Medienpreis in Deutschland und natürlich würde ich mich freuen, eines Tages nochmal nominiert zu sein, das wäre schon ein echter Hammer.

Aber unter Druck setzen Sie sich selber jetzt nicht?

Nein, das wäre doch auch vollkommen wahnsinnig, sich da unter Druck zu setzen. Den Preis kann mir niemand mehr nehmen und der hat auch einen Ehrenplatz bei mir zu Hause. Wichtig ist, was daraus entstanden ist und was der Bambi ausgelöst hat. Nämlich, dass man mich auch mal für andere Rollenprofile besetzt.

Themen

Mehr zum Thema

Star-News der Woche