Daniel Brühl: "Einfach das Gefühl, zu Hause zu sein"

Daniel Brühl ist Kosmopolit – und sehnt sich doch nach einem Nest. Jetzt erwartet seine Freundin das erste Kind. Mit GALA sprach der Hollywood-Star über das künftige Familienleben zwischen Berlin, Barcelona und L. A.

Was für ein Jahr! Wieder mit vielen Big Names vor der Kamera gestanden, von Robert Downey Jr. über Bradley Cooper bis Emma Watson. Das Drama "The Zookeeper's Wife" mit Jessica Chastain ist gerade erst abgedreht. Dann die Aktivitäten als Geschäftsmann: Daniel Brühl, 38, hat eine eigene Produktionsfirma gegründet. In Berlin eröffnet er zudem seine zweite Tapas-Bar, betreibt ab 5. Oktober parallel auch noch einen Online-Shop (barraval.de). Die Krönung allerdings: In wenigen Wochen wird er zum ersten Mal Papa. Und das ganze Leben ändert sich.

GALA traf den Sohn eines deutschen TV-Regisseurs und einer spanischen Lehrerin am Rande des Filmfestivals in Venedig. Zu einem Gespräch über Vaterfreuden und Familientraditionen, über die Traumfabrik Hollywood – und Werte, die wirklich zählen.

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©RTL / Gala

Venedig ist für viele Menschen ein magischer Ort. Was genau fasziniert Sie hier?

Venedig erschlägt mich einfach immer wieder mit seiner Schönheit. Egal welches Wetter wir gerade haben: Diese Stadt kann nichts entzaubern. Was man hier an Kunst und Kultur aufsaugen kann – da habe noch lange nicht alles gesehen.

Seit Ihrem Erfolg mit dem Rennfahrerdrama "Rush" drehen Sie nonstop. Man hat das Gefühl, in den letzten beiden Jahren ist mehr passiert als in den 20 davor.

Stimmt, es ist viel passiert – allerdings habe ich immer viel gearbeitet. Für mich ist es ein totaler Luxus, überhaupt Angebote zu bekommen. Und wenn man sich dann auch noch Projekte aussuchen kann: umso besser! Aber jetzt kommt eine andere Phase in meinem Leben. ( lächelt)

Weil Sie Vater werden?

Ja, meine familiäre Situation ändert sich damit total. Wir bekommen ein Kind, und ich will das alles unbedingt miterleben. Denn trotz der tollen Erfahrungen als Schauspieler habe ich natürlich gemerkt, dass bestimmte Sachen in meinem Leben zu kurz kommen. Unabhängig übrigens von Nachwuchs und Familie. Ich meine auch meine Freunde und meine Heimatstadt Berlin, einfach das Gefühl, zu Hause zu sein. Natürlich höre ich jetzt nicht auf zu arbeiten, ich bin ja ein rastloser Typ. Ich werde es nur von nun an besser dosieren. So oft passiert es ja nicht im Leben, dass man ein Kind bekommt. Es gibt Leute – und das habe ich gerade in den USA erlebt und war echt schockiert –, für die die Geburt eines Kindes wie ein Eintrag im Terminkalender ist. Frauen, die auf den Tag genau geplant per Kaiserschnitt ihr Baby bekommen, damit sie die Woche danach wieder arbeiten können. Das soll jeder so machen, wie er will. Aber für uns ist das nichts.

Wird Berlin jetzt Ihr Lebensmittelpunkt?

Ja, obwohl ich natürlich in Barcelona nach wie vor eine Wohnung habe. Wir wollen uns erst mal angucken, was unsere neue Situation für Veränderungen mit sich bringt. Und wir haben die Idee, Ende nächsten Jahres noch mal für ein Jahr wegzugehen. Es gibt nur wenige Orte auf der Welt, die wir uns da vorstellen können. Aber wir reisen beide einfach gerne, und daher würde ich nicht ausschließen, dass wir auch mal länger in Barcelona sind.

Daniel Brühl mit seiner hochschwangeren Freundin Felicitas Rombold in Venedig. Bei der Jaeger-LeCoultre-Gala genossen sie noch mal ihre Zeit zu zweit

Käme auch Los Angeles infrage?

Ich war ja gerade drei Monate dort, das reicht mir erst mal als Dosis! (lacht) Ich hatte ein ganz schönes Heimweh nach Europa. Wenn man merkt, dass es eine Stadt der oftmals zerplatzten Träume ist, nimmt einen das schon mit. Zum Beispiel wenn mich Uber-Fahrer oder Kellner fragen, ob ich nicht einen Tip habe, wie sie an einen guten Agenten kommen. Immer geht es um Profit, um Wachstum, um mehr. Im Restaurant bekommt man schon zur Hauptspeise die Rechnung mit den Worten: "Whenever you’re ready!" Was, wenn ich noch einen Espresso trinken will? Oder zwei? Wenn ich hier in Venedig bin und eine Stadt sehe, die seit tausend Jahren auf Holzpfählen im Wasser steht, gibt mir das schon ein gutes Gefühl. In Los Angeles ist alles immer ein bisschen Pappmaschee.

Sie sind nicht nur als Filmfan nach Venedig gekommen, sondern auch als Freund von Jaeger-LeCoultre – das Uhren-Label hat hier zu einer Gala geladen. Offenbar lieben Sie generell Werte und Traditionen.

Es ist ein schöner Gedanke, dass eine Schweizer Uhr in ein paar hundert Jahren immer noch so läuft wie heute. Ja, ich mag die Idee von Tradition und Wertigkeit, etwas von Generation zu Generation weiterzugeben. Ich habe eine Uhr von meinem Vater bekommen und hoffe, dass meine noch von meinen Enkeln und Urenkeln getragen wird.

Mit 38 Jahren beginnen Sie jetzt, Ihre persönlichen Holzpfähle in den Boden zu schlagen: Das erste Kind ist unterwegs, Sie haben eine Firma gegründet …

Es ist wirklich ein aufregendes Jahr, weil so viele grundlegende Veränderungen passiert sind. Allen voran natürlich das Private. Ich habe mich lange auf ein Kind gefreut, und jetzt passiert das tatsächlich! Aber auch in beruflicher Hinsicht war schon lange die Lust da, meinen Einfluss zu erweitern. Wenn man das so lange macht, fast 20 Jahre schon, ist man ganz schön genervt von der Tatsache, dass man als Schauspieler manchmal limitiert ist. Man kann ja immer nur warten, bis gute Drehbücher kommen. Produzieren reizt mich mehr als Regie führen. Ich habe nun einen ganz tollen Partner gefunden, mit dem ich auf einer Wellenlänge bin. Das finde ich großartig. Bald werden wir erste Projekte verkünden können.

Bleibt da überhaupt noch Zeit für Ihr Restaurant in Berlin?

Wir werden sogar noch eine zweite Tapas-Bar eröffnen, am Prenzlauer Berg. Selber Look, anderer Name. Nach "Bar Raval" wird der neue Laden "Bar Gràcia" heißen – das ist in Barcelona das Viertel, in dem ich wohne.

Beamen wir uns mal 20 Jahre weiter: Wo sehen Sie sich da?

Wahrscheinlich in Spanien. Ich mag dort einfach das Miteinander und die Art, wie ältere Menschen noch am Leben teilnehmen. Das ist eine Ecke Europas, die ich besonders liebe, von Barcelona bis Südfrankreich. Ich habe so schöne Erinnerungen aus meiner Kindheit und Jugend – deshalb könnte ich mir ja durchaus vorstellen, mit meiner Familie dorthin zu ziehen.

Gibt es denn auch schon Pläne für eine neue "Dosis" Film?

Ja, ein sehr spannendes Projekt: "Entebbe", ein Film über eine Flugzeugentführung in den Siebzigern. Vincent Cassel und Rosamunde Pike sind dabei, Regie führt José Padilha, der auch die Serie "Narcos" gemacht hat. "Entebbe" ist ein heftiger, intensiver Stoff. Es muss aber eine Bedingung stimmen – dass wir das als Familie machen können und alle mitkommen.

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