Dagmar Manzel im GALA-Interview: "Das kriege ich gebacken"

Dagmar Manzel kann Kino, Theater, Oper und jetzt auch "Tatort". Hier erzählt sie, wie sie bei dem Arbeitseinsatz ihre Familie koordiniert hat

Dagmar Manzel

Sie ist eine der meistbeschäftigten deutschen Künstlerinnen – und eine der vielseitigsten. Mit dem Theaterstück "Gift" (mit Ulrich Matthes) reist sie seit Jahren durchs Land, in der Operette "Eine Frau, die weiß, was sie will!" überwältigt sie singend das Publikum, mit "Agota?" wagt sie sich an eine zeitgenössische Oper, seit Jahrzehnten ist sie im TV präsent. Zum Interview für den neuen Franken-"Tatort" reist Dagmar Manzel, 57, trotz Erkältung aus Berlin nach Hamburg – das ist doch kein Grund abzusagen!

Sie stehen seit vier Jahrzehnten auf der Bühne und möchten nicht als Grande Dame bezeichnet werden. Was stört sie daran?

Grande Dame hat immer so eine Distanz. Ich bin anders unterwegs. Ich nehme mich selbst nicht so wichtig. In der Arbeit nehme ich mich sehr wichtig, da kann ich auch unerbittlich, fordernd und auch mal nervend sein.

Reese Witherspoon

Beyoncé schickt der Schauspielerin ihre Kollektion

Reese Witherspoon
Reese Witherspoon zeigt sich tanzend in der Kollektion von Beyoncé.
©Gala

Wie würden Sie sich nennen?

Ich bin eine Facharbeiterin für Schauspielkunst. (lacht) Das passt zu mir, das ist mein Markenzeichen. Ich bin auch mal 'ne Diva auf der Bühne oder bei der Oper, mein Gott, was habe ich schon für Diven gespielt! Dann gehe ich nach Hause, und dann ist auch wieder gut.

Meiden Sie deshalb rote Teppiche?

Ja, absolut. Das war mein erster Gedanke mit dem "Tatort", da hast du Interviews und so, um Gottes Willen. Und neulich war ich bei der Goldenen Kamera nominiert. Da habe ich wieder gemerkt, es ist einfach nicht "my cup of tea".

Kommissarin Ringelhahn macht einen sehr gelassenen Eindruck, entspricht das auch Ihrem Charakter?

Ja, Paula Ringelhahn ist sehr bodenständig. Sie kann aber auch sehr leidenschaftlich sein, wenn sie irgendwo eine Ungerechtigkeit spürt, legt sie sich voll ins Zeug. Da finde ich mich auch wieder – ob das jetzt beim "Tatort" oder an der Komischen Oper oder im Alltag ist.

Dagmar Manzel ermittelt in ihrem zweiten "Tatort" als Hauptkommissarin Paula Ringelhahn mit ihren KollegInnen. "Das Recht, sich zu sorgen" (Das Erste, 22. 5., 20.15 Uhr)

Im neuen Franken-"Tatort" geht es um das Recht, sich zu sorgen, mussten sie sich auch um Ihren Sohn und Ihre Tochter Sorgen machen?

Nein, ich habe mir keine Sorgen gemacht. Meine Kinder sind toll. Klar, für sie war es manchmal schwer, weil ich viel abends gearbeitet habe, es gab immer wieder Situationen, ob das ein Kindergeburtstag war oder der erste Weihnachtsfeiertag, und dann zu gehen und zu sagen, Mama muss noch ans Theater und man möchte eigentlich zu Hause bleiben. Aber sie sind beide – vielleicht auch dadurch – sehr selbstständig und wussten immer sehr genau, was sie wollten. Ich blicke sehr stolz auf meine Kinder, wir haben ein tolles Verhältnis, und es kommt so viel zurück.

Als Schauspielerin und Alleinerziehende war das ganz schön schwierig, oder?

Ja, auch in Beziehungen. Wenn du diesen Beruf mit zwei Kindern machst, da muss man knallhart sagen, das geht und das geht nicht. Wenn meine Mami oder meine Kinderfrau nicht konnten, hatte ich immer drei, vier Freunde im Hintergrund, die ich fragen konnte: "Kannst du heute kommen und auf die Kinder aufpassen?" Das musste man sehr vorausschauend planen.

Haben Sie Schwierigkeiten, Nein zu sagen?

Ja, schon, vor allem, wenn mir Projekte angeboten werden, die ich so faszinierend finde, dass ich sie unbedingt machen muss. Zum Beispiel die zeitgenössische Oper "Agota?" an der ich seit zwei Jahren arbeite. Das ist ein Traum von mir, aber ein völlig neues Terrain. So kommen eben immer neue Projekte dazu. Dazu kommen die laufenden Theaterund Opernvorstellungen, und wenn sie dann auch noch glücklicherweise ausverkauft sind, bleiben sie natürlich im Spielplan. Gleichzeitig kommen neue Stücke dazu. Und schließlich spielst du immer mehr Vorstellungen, und irgendwann hast du ein logistisches Problem. (lacht)

Ihre 32-jährige Tochter lebt in Zürich, wie oft sehen Sie sie und Ihre Enkelin?

Einmal im Monat. Das ist für mich ganz wichtig, sich zu sehen, sich in den Arm zu nehmen und nicht nur über Telefon oder Skype miteinander zu sprechen.

Einmal im Monat!

Ja, das kriege ich gebacken. Das ist zwar manchmal Harakiri, aber manchmal auch ganz entspannt. Ich möchte natürlich auch einfach sehen, wie meine Enkeltochter groß wird. Dieses Jahr machen wir zwei Omis mit unserem Enkelkind Urlaub in den Bergen.

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