Conchita Wurst: Traum vom Diven-Quartett

Conchita Wurst verriet GALA im Interview, mit wem sie am liebsten mal zusammen in einem echten Diven-Quartett auftreten würde und welches ihre persönlichen Highlights 2014 waren

Seit ihrem triumphalen Sieg mit "Rise Like A Phoenix" beim "Eurovision Song Contest" gehört die 26-jährige österreichische Dragqueen Conchita Wurst zur Garde der international bekannten Sängerinnen. Zudem reist sie als Botschafterin der Toleranz und Menschenrechte um die Welt. Zurzeit ist Conchitas Stimme in dem Animationsfilm "Die Pinguine aus Madagascar" zu hören.

Was war in Ihrer Sprechrolle in "Die Pinguine aus Madagascar" für Sie die größte Herausforderung?

Nackte Urlaubsgrüße

Geht Heidi mit diesem Foto zu weit?

Heidi Klum
Heidi Klum ist ein Medienprofi und weiß wie sie im Gespräch bleibt.
©Gala

Dass ich beim synchronisieren knallhart mit meinen Sprachfehlern konfrontiert wurde, von denen ich bislang gar nicht wusste, dass ich sie habe … Immer wieder hörte ich durch den Kopfhörer von der Regie Kommentare à la: "Okay Conchita, das war jetzt zu viel Nase!" oder "Das war jetzt zu viel Spucke…" Aber da musste ich durch.

Gab es Szenen, die mehrmals wiederholt werden mussten?

Klar, manchmal habe ich mich ausgerechnet bei ganz banalen Wörtern schwer getan, deren Aussprache mir im normalen Leben so gar keine Probleme bereitet. Aber kaum leuchtete der Aufnahmeknopf, klappte es erst beim dritten oder vierten Anlauf. Bei vielen Szenen durfte ich mich allerdings auch "First Take Wonder" nennen.

Haben Sie durch die Sprechrolle Lust bekommen, sich in Zukunft auch mal als Schauspielerin auszuprobieren?

Sehr große Lust sogar. Das Problem ist, dass ich momentan nur eine bärtige Frau spielen könnte. Und für die sind die Rollen nun mal sehr dünn gesäht. (lacht)

Könnten Sie sich denn vorstellen, Ihren Bart abzurasieren, wenn es für die Schauspielkarriere nötig wäre?

Nicht als Conchita Wurst! Denn Fakt ist: Frau Wurst hat einen Bart. Und wenn der Bart irgendwann nicht mehr ist, dann gibt es diese Kunstfigur auch nicht mehr. Ich weiß aber auch nicht, ob ich in 20 Jahren immer noch Lust habe, in High Heels herumzulaufen. Wer kennt schon den Plan seines Lebens?

Mal abgesehen vom Triumph beim Eurovision Song Contest in Kopenhagen: Was war Ihr persönliches Highlight von 2014?

Da gab es viel zu viele um sich für ein Highlight zu entscheiden. Aber wenn ich jetzt so darüber nachdenke, fällt mir ein besonderer Moment ein: Es war ungefähr zwei Wochen nach meinem Sieg mit "Rise Like A Phoenix" und ich saß gerade im Auto, als mich mein Vater anrief: Der erzählte mir, dass er und meine Mutter gerade wahnsinnig glücklich sind. Meine Eltern haben ja ein kleines Hotel und das sei jetzt über Wochen ausgebucht. Ich habe mich so für die beiden gefreut und das erste Mal ganz bewusst aufgenommen und reflektiert, was mein Sieg eigentlich bedeutet.

Vorher konnten Sie das nicht?

In den ersten Tagen herrschte einfach eine unglaubliche Hektik. Ich musste so viele Entscheidungen treffen und es ist wahnsinnig viel auf mich eingeprasselt. Erst nach einer gewissen Zeit war ich in der Lage, die vielen Eindrücke, Erlebnisse und Emotionen ganz bewusst zu genießen.

Conchita Wurst holte bei Finale des "Eurovision Song Contest" im Mai in Kopenhagen den Sieg, das war eines ihrer Highlights 2014.

Bislang gab es nur zwei Singles von Conchita Wurst. Wann erscheint endlich das erste Album?

Bislang war einfach keine Zeit da, um es in Ruhe aufnehmen zu können. Natürlich hätte ich mich für ein paar Wochen im Studio einsperren können. Aber das wollte ich nicht.

Warum?

Ich wollte unbedingt raus! Alles erleben, alles mitnehmen, was sich an unglaublich aufregenden und spannenden Dingen angeboten hat. Das war mir einfach wichtiger. Fürs Frühjahr 2015 habe ich mir aber einen Zeitraum geblockt, in dem ich mein Album einsingen möchte. Das ist zumindest der Plan. Ich weiß nämlich schon jetzt genau, dass ich die erste bin, die alles über den Haufen wirft, wenn in dieser Zeit etwas anderes Großartiges dazwischenkommen sollte. (lacht)

Mit welchen weiblichen Popstars würden Sie gerne ein Duett aufnehmen?

ESC 2014

Das war das große Finale

Die Ukraine belegt mit Maria Yaremchuk und dem Song "Tick-Tock" den sechsten Platz

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Ach Gott, da gibt es so viele tolle Frauen. Insofern träume ich manchmal davon, ein Ladys-Quartett zu gründen - gemeinsam mit Cher, Tina Turner und Celine Dion. (lacht)

Setzen Sie sich in Sachen Karriere selbst unter Druck?

Sowohl als auch: Es gibt Phasen, in denen ich vor innerlichem Druck fast platze. Dann wiederum bin ich entspannt und vertraue darauf, dass am Ende alles genau so kommt, wie es kommen soll. Ich halte die Balance zwischen Hysterie und einer "Alles ist und wird gut!"-Mentalität.

Wovor haben Sie Angst?

Vor dem Tag, an dem meine Mutter stirbt. Zu ihr habe ich nämlich eine ganz besonders enge Verbindung. Zu meinem Vater natürlich auch - aber eine Mutter ist und bleibt nun mal eine Mutter. Das ist auch gar nicht degradierend gemeint.

Möchten Sie irgendwann eigene Kinder haben?

Das will ich nicht ausschließen. Ab und zu überkommt mich jetzt schon der Gedanke, wie es wohl wäre, Papa zu sein. Aber bevor es soweit ist und ich dieses Thema konkret angehen würde, muss ich erst mal einen Partner finden, der perfekt passen würde. Denn allein nehme ich so eine große Herausforderung bestimmt nicht an.

Gala: Inhaltsverzeichnis

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Haben Sie manchmal Angst davor, dass sich in ein paar Jahren kaum einer mehr für Conchita Wurst interessieren könnte?

Ich arbeite in einer Branche, in der es für nichts eine Garantie gibt und in der innerhalb kurzer Zeit alles kippen kann. Insofern ist ein Gedanke, der mich vielleicht besorgt. Aber Angst? Nein! Ich werde in meinem Leben immer ein Dach über dem Kopf und immer etwas zu essen haben. Darauf kann ich mich verlassen, weil ich mich einfach kenne. Ich bin ein patenter Mensch und finde immer einen Weg. Außerdem setzt das sich sorgen ja auch neue Energien frei. Ich will mir am Ende des Tages auf keinen Fall vorwerfen lassen, dass ich mich nicht genug angestrengt hätte.

Sie sind immer wieder Anfeindungen und extrem hasserfüllten Drohungen ausgesetzt. Macht Sie das nicht furchtbar wütend?

Nein! Denn es interessiert mich einfach nicht. Ich werde nie verstehen, wie man so viel Zeit und Energie aufbringen kann, um sich mit einem Menschen zu beschäftigen, den man offensichtlich nicht mag. Warum sollte ich nur eine Sekunde meines Lebens dafür verschwenden?

Hat Sie so viel Bösartigkeit denn wirklich nie verletzt?

Natürlich gab es in meiner Anfangszeit als Conchita Wurst auch einige Momente, in denen ich verzweifelt und traurig war. Es war ein Prozess, bis ich soweit war, die Negativität endlich mit absoluter Gleichgültigkeit strafen zu können. Heute lassen mich sogar Morddrohungen völlig kalt. Ich denke dann nur: "Stell Dich hinten an…"

Zum Glück dominieren ohnehin die positiven Erlebnisse. So haben Sie zum Beispiel mit Karl Lagerfeld und Jean-Paul Gaultier zusammen gearbeitet. Stimmt es, dass Sie mit Gaultier befreundet sind?

Von einer echten Freundschaft würde ich noch nicht sprechen, denn dafür wissen wir noch zu wenig voneinander. Allerdings hat es sicher zwischen uns "geklickt": Wir waren uns sofort wahnsinnig sympathisch und mögen uns sehr. Wenn wir uns treffen, dann kommen wir oft stundenlang ins plaudern.

Wieviel Conchita Wurst steckt eigentlich in Tom Neuwirth und umgekehrt?

Seit dem Sieg bei Eurovision Song Contest muss ich da die Grenzen viel klarer ziehen. Früher wäre ich mit meinen Freunden am Wochenende auch mal in Wien als Conchita auf die Piste gegangen. Das würde ich heute unter gar keinen Umständen mehr machen, denn dann wäre ich die meiste Zeit damit beschäftigt, für Selfies zu posieren und hätte kaum Zeit für meine Freunde. Dann lieber nur als Tom Neuwirth ausgehen. Dann erkennt mich so gut wie niemand …

Vermischen sich manchmal Ihre zwei Identitäten?

Ich finde es so spannend, wie viele Menschen sich über diese Frage Gedanken machen. Ich nämlich gar nicht. Perücke und Schminke rauf: Conchita. Perücke runter und Schminke ab: Tom. That’s it! (lacht)

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