Christoph Maria Herbst im Interview: "Ich habe schon jede Menge Dreck gefressen"

Der TV-Liebling schlüpfte für "Highway to Hellas" wieder in seine Paraderolle. Im Interview verriet er, was seine Figur mit "Stromberg" zu tun hat und warum er froh ist, die Karriereleiter nicht im Eiltempo hochgeklettert zu sein

Heute (26. November) startet die Komödie "Highway to Hellas" in den deutschen Kinos. In der Hauptrolle: Christoph Maria Herbst, 49. Der TV-Star ("Stromberg") mimt darin den Bankangestellten Jörg Geissner, der auf die griechische Insel Paladiki geschickt wird. Die Reise ins vermeintliche Urlaubsparadies entpuppt sich für den spießigen Bürokraten (anfangs) zunächst zum Höllentrip.

Ihre Filmfigur wirkt zu Anfang ja "ein wenig" steif – wie würden Sie Ihren Charakter beschreiben?

Jörg Geissner ist spaßbefreit und versessen darauf, alles richtig zu machen. Er geht immer sofort ans Telefon und weiß auch immer ganz genau, wer ihn anruft – außer die Chefin ruft ihn ja auch keiner an. Er hat in seinem Leben außer seiner Arbeit ja auch nichts, keine Freunde, nichts. Der tut einem ja total leid. Der gute Jörg Geissner ist eine sehr arme Seele. Sein einziger Lebenssinn besteht darin, seine Pflicht zu erfüllen. Das ist eigentlich auch wieder so ein deutsches Klischee, aber wie bei jedem Klischee ist auch da etwas dran. Das ist für die Zuschauer und auch mich selbst ganz toll zu sehen, wie der Jörg ins Trudeln gerät und sich wie so eine Zwiebel ganz langsam immer mehr aufblättert.

Kennen Sie diesen Druck, den die Gesellschaft ausübt, persönlich auch?

Ich kenne den glücklicherweise nur aus vergangenen Jahrzehnten – jetzt nicht mehr. Als ich noch nicht so gut im Job stand, da bin ich sogar zusammengezuckt, wenn meine Agentin überhaupt mal anrief.

Als Schauspieler ist es Ihnen aber nicht fremd, auch mal Durststrecken zu haben, oder?

Das stimmt! Dieses Gefühl habe ich schon seeeehr ausgekostet und erlebt. Da habe ich auch in meiner Schauspieler-Laufbahn – und ich habe jetzt 25-jähriges Berufs-Jubiläum – schon jede Menge Dreck gefressen. Doch das ist genau der Dreck, der dann auch reinigend wirkt und der mich in den Momenten, in denen mich der Wellenkamm nach oben spülte, auch wieder mit der nötigen Demut wieder versorgt hat.

So konnten Sie ganz langsam berühmt werden…

Genau. Und da bin ich immer froh, dass ich nicht von null auf hundert durch so eine Castingshow oder durch irgendeinen Pophans hochkatapultiert wurde, um da oben kurz mal Luft zu schnuppern, um festzustellen, dass man da oben gar keine Luft bekommt, weil die Luft so dünn ist, und dann wieder eine Bauchlandung zu machen. Deshalb bin ich für diese lange und ganz langsame Karriere-Entwicklung sehr dankbar.

In "Highway to Hellas" sind Sie wieder in Ihrer Rolle des spießigen Bürokraten zu sehen – und erinnern damit natürlich stark an Stromberg.

Ja, da liegt der Vergleich natürlich auch nahe. Auf Stromberg werde ich immer angesprochen, klar. Das nervt mich nicht. Aber er und meine Figur aus "Highway to Hellas" haben, außer dass sie für ein Dienstleistungsgewerbe arbeiten, nichts gemeinsam.

Trotzdem sind beide zunächst keine Sympathieträger…

Das stimmt. Aber: Stromberg hasst jeder bis zum Schluss. Der ist einfach so ein Krüppel des Systems. Den Jörg Geissner habe ich versucht so zu spielen, dass man ihn gern haben könnte. Das würde ich mir jedenfalls wünschen, dass das Publikum ihn gern hat.

Im Film bekommen Sie unverhofft einen Freund, mit dem Sie Pferde stehlen können – mit wem können Sie das denn persönlich?

Da gibt es sogar einige Menschen, mit denen ich das kann und mit denen ich schon durch dick und dünn gegangen bin. Mit denen habe ich schon Pferde gestohlen und muss mir das nicht erst vornehmen. Gott sei Dank gibt es die!

Knüpft man als öffentliche Person schwerer Freundschaften?

Definitiv! Es wird mit zunehmendem Bekanntheitsgrad immer schwieriger, solche Freunde überhaupt zu finden. Da guckt man dann schon ganz genau hin. Wer ist an Christoph interessiert? Wer ist an Christoph Maria Herbst interessiert? Wer ist an dem Darsteller von Bernd Stromberg interessiert?

Gab es so schwarze Schafe in ihrem Leben?

Ich habe da glaube ich einen ganz guten Sensor. Mir kann man da so schnell nichts vormachen.

Ich lebe jetzt aber auch nicht zurückgezogen oder hasse Menschen und gehe auch nicht davon aus, dass alle mir etwas Schlechtes wollen, aber ich bin niemand, der mit der Tür ins Haus fällt. Ich verteile meine Handynummer auch nicht wahllos.

Haben Sie eine Traumrolle?

Ich habe mir inzwischen abgewöhnt, irgendeine Rolle unbedingt spielen zu wollen, weil bisher die Aufgaben, die mir das Leben gestellt hat, immer viel toller waren, als ich sie mir selbst je ausgemalt hätte.

Themen

Erfahren Sie mehr:

Star-News der Woche