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Charlie Sheen "Manchmal raste ich noch aus"

Charlie Sheen
Charlie Sheen
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Hollywoods einstiger Bad Boy Charlie Sheen meldet sich geläutert zurück. "Gala" erzählte er, warum er sich geändert hat - und was ihn heute wütend machen kann

Doch wieder ein Ausraster? Eine wilde Nacht? Als Charlie Sheen mit Manager, Presseberater und Assistent in der Suite des "Sofitel Hotel" in Beverly Hills erscheint, fällt sofort der Verband an seiner rechten Hand auf. Der Schauspieler winkt schmunzelnd ab: "Ein Sportunfall. Aber das glaubt mir ja eh keiner." Die exzessiven Zeiten scheinen also vorbei, der 48-Jährige wirkt tatsächlich geläutert, geradezu frisch. Ganz ohne Allüren geht es aber nicht: Noch vor der ersten Interviewfrage steckt er sich eine Zigarette an, obwohl überall im Hotel Rauchverbot herrscht.

Sie haben schon länger keinen richtigen Skandal mehr produziert. Ist Ihr Leben etwa langweilig geworden?

Nicht unbedingt langweilig, aber ziemlich arbeitsreich. Meine Leute stöhnen schon, weil sie mich so selten zu Gesicht bekommen. Wir drehen zwei Folgen "Anger Management" pro Woche, das ist extrem viel im Vergleich zu anderen Serien.

Eigentlich wollten Sie nach dem skandalträchtigen Rausschmiss bei „Two And A Half Men“ keine TV-Serie mehr drehen. Wie kam es zu dem Sinneswandel?

Ich wurde nicht rausgeschmissen, ich wurde ersetzt! Das ist ein großer Unterschied. Nach dieser schäbigen Nummer hab ich gedacht, dass mich alle mal am Ar*** lecken können. Aber nach dem Flop mit meiner One-Man-Show und ein paar anderen Ausfällen kam ich zu dem Entschluss, dass ich meine TV-Karriere so nicht enden lassen kann. Da entstand die Idee zu "Anger Management".

Seitenwechsel: Um sich besser in den Griff zu bekommen, machte Charlie Sheen vor einiger Zeit eine Therapie, unter anderem zur Stressbewältigung. In seiner Serie "Anger Management" (Foto) mimt er mittlerweile selbst einen Anti-Aggressions-Therapeuten. Staffel eins und zwei sind jetzt auf der Videoplattform Watchever zu sehen (www.watchever.de).
Seitenwechsel: Um sich besser in den Griff zu bekommen, machte Charlie Sheen vor einiger Zeit eine Therapie, unter anderem zur Stressbewältigung. In seiner Serie "Anger Management" (Foto) mimt er mittlerweile selbst einen Anti-Aggressions-Therapeuten. Staffel eins und zwei sind jetzt auf der Videoplattform Watchever zu sehen (www.watchever.de).
© PR

Manch einer hatte schon Ihren totalen Absturz prophezeit. Wie haben Sie doch noch die Kurve bekommen?

Ich hatte Leute in meinem engen Umfeld, die mich irgendwann zur Vernunft brachten. Nach meinem Ende bei "Two And A Half Men" war ich eben frustriert und wusste nicht, wie es weitergehen soll. Hinzu kam privater Ärger. Zu viel Alkohol, Drogen, Stress. Dieser Lebenswandel ist auf Dauer aber nicht gut.

Sie trinken jetzt gar nicht mehr?

Ich versuche, den Alkohol soweit es geht zu vermeiden. Wie gesagt: Das Zeug tut mir einfach nicht gut.

Bereuen Sie irgendetwas?

Ich bereue vieles! Wichtig ist aber eher, was ich aus diesen Dingen gelernt habe. Ich weiß, dass ich im Grunde meines Herzens ein guter Mensch bin und keinem schaden will.

Mit Ihren Ex-Ehefrauen sind Sie wieder im Reinen?

Ich habe – auch im Sinne der Kinder – Frieden mit meinen Ex-Frauen geschlossen. Denise (mit Denise Richards war er von 2002 bis 2005 verheiratet; Anm. d. Red.) hat sogar einen Gastauftritt in "Anger Management". Und mein Vater spielt ebenfalls in der Serie – er ist auch da mein Dad. Das wird langsam zum Familienbetrieb.

Sie verdienten bei "Two And A Half Men"zuletzt über eine Million Dollar pro Episode. Haben Sie überhaupt noch eine Beziehung zu Geld?

Ich lebe nicht in Saus und Braus, aber ich nehme es gerne, wenn man es mir anbietet. Und dann tue ich Dinge damit, die anderen Menschen nützen.

Zum Beispiel haben Sie Lindsay Lohan finanziell aus der Patsche geholfen ...

Ich sehe es als meine Pflicht an, anderen zu helfen, wenn sie Hilfe benötigen.

Wie steht es heute um Ihre persönliche Wutkontrolle?

Besser als früher, ich war schließlich in Therapie. Das war eine gute Vorbereitung für die Rolle. Aber so ganz kriegt man das nie raus. Manchmal raste ich noch aus, es gibt solche Momente. Neulich habe ich mein iPad quer durchs Zimmer geschmissen, weil das Teil nicht funktioniert hat, wie ich es wollte. Zu meinem Erstaunen ist es in der Wand stecken geblieben. Diese Teile fliegen wie Ufos. (lacht)

Sie haben angekündigt, dass "Anger Management" Ihre letzte Sitcom sein wird. Was kommt danach?

Erst drehen wir jetzt mal 100 Folgen, vielleicht ja dann noch 50. Aber auf jeden Fall ist nach "Anger Management" Schluss mit meiner TV-Karriere. Ich möchte unbedingt noch mal einen wirklich guten Film drehen, damit ich auch in dieser Hinsicht mit mir selbst Frieden schließen kann. Man hat mich ja damals als Wunderkind bezeichnet, nach Filmen wie "Wall Street" und "Platoon". Dann landete ich beim Fernsehen. Viele meinen, ich hätte mein wahres Talent vergeudet.

Fast hätte die Welt von Ihrem Talent überhaupt nichts mitbekommen: Es heißt, Sie seien bei der Geburt fast gestorben ...

Ich wurde fast tot geboren. Die Nabelschnur hatte sich um meinen Hals gewickelt, ich war blau wie ein Schlumpf und atmete nicht. Ein Arzt namens Irwin Shaybon fing plötzlich an, mir Schläge zu versetzen. Mein Vater wollte ihn stoppen – aber dann riss ich die Augen auf, schnappte nach Luft und begann zu brüllen. Zu Ehren des Arztes trage ich heute den Zweitnamen Irwin.

Andreas Renner

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