Cate Blanchett: Am Rande des Wahnsinns

Cate Blanchett brilliert im Kino als depressive Upper-Class-Lady. Im "Gala"-Interview verrät sie ihr Rezept gegen den Blues


Sie kann sich im Pariser Nobelhotel "Le Bristol" kaum retten vor Journalisten. Einige haben sogar Geschenke aus ihrer Heimat mitgebracht – Wein aus Österreich, Wasabi aus Japan. So begeistert sind sie von der Leistung der 44-jährigen Australierin in "Blue Jasmine". Blanchett spielt eine New Yorker Millionärsgattin, die nach ihrem sozialen Abstieg in eine tiefe Psychokrise gerät. Das macht sie so überzeugend, dass sie schon als Oscar-Favoritin gehandelt wird.

Für "Blue Jasmine" haben Sie zum ersten Mal mit Woody Allen zusammengearbeitet. Das wurde aber auch Zeit, oder?

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Das können Sie wohl sagen! Für ihn würde ich fast alles machen. Es war mir daher auch vollkommen egal, ob ich seine erste Wahl war oder er schon fünf Kolleginnen vor mir gefragt hatte. Hauptsache Woody!

Am Set von "Blue Jasmine": Cate Blanchett, Regisseur Woody Allen und Alec Baldwin.

War die Zusammenarbeit denn genau so, wie Sie es sich vorgestellt hatten?

Woody ist zum Glück wunderbar pragmatisch, das machte die Sache leicht. Ich vermute, dass er das seiner Vergangenheit als Stand-up-Comedian verdankt. Entweder eine Szene funktioniert – oder sie funktioniert nicht.

Das sagt er einem dann auch. Das Schicksal der erkrankten Jasmine ist für den Zuschauer kaum zu ertragen …

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Natürlich nicht. Wer schon mal Menschen erlebt hat, die gerade einen Nervenzusammenbruch hinter sich haben oder an sonstigen psychischen Störungen leiden, weiß, wie fürchterlich das ist. Denn der Wahnsinn ist ja nichts, dem man sich gerne hingibt. Ich muss oft an einen meiner engsten Freunde denken, dessen Bruder an Demenz leidet, obwohl er noch sehr jung ist. Zu erleben, wie er sich immer wieder mit aller Macht an die klaren Momente klammert, ist das, worunter die Familie am meisten leidet.

Wie haben Sie sich auf diese schwierige Rolle vorbereitet?

YouTube bietet auch in diesem Fall einen erstaunlichen Fundus an Quellen. Ich habe noch nie das Antidepressivum Xanax genommen. Dank des Internets bin ich jetzt bestens informiert: Es gibt Videos, in denen Menschen über ihre Erfahrungen damit gesprochen haben. Und manche haben sich sogar nach der Einnahme gefilmt, um zu zeigen, wie man dann drauf ist.

Blanchett in einer Szene des Dramoletts.

Wie schnell stößt man an seine eigenen Grenzen, wenn man sich so intensiv mit Psychosen beschäftigen muss?

Gala: Inhaltsverzeichnis

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Ich habe da ein ganz gutes Gegenmittel: meine drei Söhne! Die waren während des Drehs mit in San Francisco, und ihnen ist es herzlich egal, was Mama tagsüber macht. Sie wollen ihr Abendbrot und Hilfe bei den Hausaufgaben, ganz egal ob ich gerade noch mit "Lady Macbeth" oder dem "Hobbit" beschäftigt bin. Wobei ich gestehen muss, dass mich "Blue Jasmine" zumindest in meinen Träumen verfolgt hat.

In Form von Albträumen?

(lacht) Nein, aber darin zeigt sich wieder Woodys Genie: Bei ihm lernt man, selbst die absurdesten Personen zu lieben.

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