Caroline Peters: "Wir leben in einer sehr oberflächlichen Ära"

"Mord mit Aussicht"-Star Caroline Peters über ihren missglückten Beauty-Eingriff und den Druck, stets faltenfrei auszusehen

Caroline Peters

Mit Einschaltquoten von bis zu sieben Millionen Zuschauern ist "Mord mit Aussicht" momentan die erfolgreichste deutsche TV-Serie. Die Zuschauer lieben die schräg-skurrilen Kriminalgeschichten aus dem fiktiven Eifeldorf Hengasch, in das Großstadtkommissarin Sophie Haas versetzt wurde. Trotzdem steht bislang noch nicht fest, ob und wann die Kultreihe um Hauptdarstellerin und Publikumsliebling Caroline Peters fortgesetzt wird. Das Team beschloss, eine Kreativpause einzulegen, um "anschließend stärker zurückzukommen", wie die ARD verlauten ließ. Zuvor hatte es Kritik von Darstellerseite über die Produktionsbedingungen gegeben. Im GALA-Interview spricht Caroline Peters über die Zukunft der Serie – und über den immer stärker werdenden Beauty-Druck im Schauspiel-Business.

Was genau hat es mit der Kreativpause von "Mord mit Aussicht" auf sich?

Es gibt Fragen, wie zum Beispiel die beste Form wäre, dieses Format auch in Zukunft erfolgreich weiterzuführen. Wie soll es mit der Geschichte weitergehen, ohne dass wir uns irgendwann nur noch selbst zitieren? Fest steht ja, dass Hengasch nicht noch weiter expandieren kann. Sonst wird das Dorf irgendwann zur Großstadt.

Es reicht also nicht, einfach nur das Erfolgsrezept weiter durchzuziehen?

Eine Weiterentwicklung muss sein. Ein Konzept über Jahre durchzunudeln, bis es ausgelutscht ist? Dafür sind wir zu anspruchsvoll. Und unsere Zuschauer auch. Mal sehen, wie gut der Spielfilm ankommt. Das wäre aus meiner Sicht auch eine Option: wenn wir immer wieder einen 90-Minüter produzieren. Oder wir ermitteln mal in Berlin oder Köln. Oder machen ein bisschen Bildungsurlaub bei "Homeland". (lacht)

Fans müssen sich also keine Sorgen machen, dass es gar nicht mehr weitergeht?

Wir lieben unsere Rollen! Und die Quoten stimmen ja auch. Trotzdem müssen wir uns an den Standards orientieren, die inzwischen von Serien erwartet werden. Wir haben heute ein intelligentes Publikum, das durch HBO, Netflix & Co. verwöhnt ist.

Muss man eigentlich eitel sein, um als Schauspielerin zu arbeiten?

Ich glaube, dass in mir eine Menge Eitelkeit steckt. Wenn ich uneitel wäre, hätte ich mich nicht für diesen Beruf entschieden.

Wie lange hat es gedauert, bis Sie sich selbst mochten?

Als Teenager empfand ich mich selbst als einzige Katastrophe. Wobei ich in dem Alter auch wirklich grauenhaft aussah. Da lag ich mit meiner Selbstwahrnehmung schon goldrichtig. (lacht) Erst ab Anfang 20, mit Beginn meiner Schauspielausbildung, wurde es besser. Ich bemerkte, dass ich auf andere Menschen mit meinem Spiel eine Wirkung erzielen und etwas darstellen kann. Dann kam erneut eine Phase, von Mitte bis Ende 20, in der ich mich wieder ganz schlimm fand. Und seitdem geht’s eigentlich.

Was empfinden Sie, wenn Sie morgens in den Spiegel schauen?

Sagen wir es mal so: Es ist eine oft sehr kritische und abwertende Prozedur.

Sie gehen also immer noch sehr streng mit sich selbst ins Gericht?

Auf jeden Fall! Oft nehmen wir uns selbst ja ganz anders wahr, als es unsere Mitmenschen tun. Wenn die mir sagen, dass alles so wie immer ist, dann denke ich still bei mir: Quatsch, heute wirkt meine linke Gesichtshälfte doch wie gelähmt. Und das rechte Augenlid hat doch gestern noch nicht so weit unten gehangen! Im Spiegel empfinde ich mein Gesicht manchmal nur als eine groteske Maske. Aber wenn ich dann ein neues Foto von mir sehe, bin ich zum Glück meist sehr positiv überrascht.

Blutegel, Bienengift + Co.

Die skurrilsten Beauty-Geheimnisse der Stars

Was hinter dem "Hollywood EGF Facial" von Georgia Louise steckt, klingt erst einmal wie ein Scherz. Verwendet wird dabei nämlich ein Serum, das ein Enzym beinhaltet, das aus Zellen der Vorhaut beschnittener Säuglinge aus Korea gewonnen wird. Diese lange Erklärung sparen sich viele Hollywood-Schönheiten, die darauf schwören. Sie kürzen es mit "Penis-Facial" ab. Kate Beckinsale als auch Sandra Bullock und Cate Blanchett polstern damit ihren Teint auf. 
"Schnecken-Facial" für ein jüngeres Hautbild? Für ihre Morning-Show des britischen Radiosenders "Heart" testet Emma Bunton eine eher ungewöhnliche Beauty-Anwendung. Ihr Co-Moderator Jamie Theaston legt dem "Spice Girl" Schnecken aufs Gesicht. Ein Beauty-Trend aus Asien, bei dem der Schneckenschleim für ein straffes und ebenmäßiges Hautbild sorgen soll. 
Herzogin Catherines Anti-Aging-Maske hat es in sich. Ihren jugendlichen Teint hat die royale Schönheit vor allem dem Gift von Bienen zu verdanken.
Dieser Beauty-Trick ist wirklich nichts für schwache Nerven! Miranda Kerr unterzieht sich Blutegel-Facials, bei denen man sogar die kleinen Zähnchen spüren könnte. Zumindest gesteht sie, dass dieses Beauty-Treatment ein wenig verückt sei. Uaaaahhh!

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Ist der Schönheitsdruck im Zeitalter hochauflösender Fernsehbilder für Schauspieler größer geworden?

Also ich finde, dass HD eine abscheuliche Erfindung ist, vielleicht mit Ausnahme für Menschen, die maximal 21 Jahre alt sind. Diese Technik zeigt Details, die man in der Realität mit bloßem Auge so nie erkennen würde. Mal ganz ehrlich: Gesichtskrater, tiefe Falten, Poren oder Pickel, alles superscharf; das will doch wirklich niemand ernsthaft sehen …

Vor einiger Zeit haben Sie schon mal einen Beauty-Doc konsultiert. Warum?

Ich hatte damals eine neue Falte in meinem Gesicht entdeckt, die senkrecht auf die Oberlippe zuging. Und die wollte ich gerne loswerden. Im Beratungsgespräch wurde mir dann eine Faltenunterspritzung mit Hyaluronsäure empfohlen. Ich hatte von nichts eine Ahnung und dachte still bei mir, dass das doch alles sehr überzeugend klingt.

Und wie war das Ergebnis?

Dramatisch! Denn leider gehöre ausgerechnet ich zu den Menschen, die auf das Zeug allergisch reagieren. Mit dem Ergebnis, dass meine Oberlippe schlauchbootmäßig anschwoll. Es tat höllisch weh, und ich habe gekühlt wie blöd. Besser wurde es aber trotzdem nicht. Nach drei Tagen wurde mir dann eine Art Gegenmittel in Form eines Enzyms gespritzt – und schwups war wie durch Zauberei die Luft aus dem Schlauchboot wieder raus. Heute lache ich über diese Geschichte. Damals war es aber nicht so witzig. – Doch, es war auch witzig, weil es vollkommen absurd war.

Haben Sie nun für alle Zeiten die Nase von solchen Eingriffen voll?

Das Thema Hyaluronsäure ist für mich natürlich durch. Aber Beauty-Eingriffe, durch die man frischer und besser aussieht, sind doch etwas Wunderbares. Du musst nur jemanden finden, der ein Könner ist und der es natürlich hinbekommt. Ein paar Falten sind ja völlig okay. Schwierig wird es, wenn es anfängt, hier und da zu hängen. Das finde ich nur noch deprimierend! Komplett umgestalten würde ich mein Gesicht aber nicht. Ich bin gegen Eingriffe, mit denen man Gott spielen will. Danach sehen die Betroffenen ohnehin alle gleich aus.

Immer noch reagieren Menschen angesichts von Beauty-Eingriffen mit Sätzen wie: "Warum kann die nicht in Würde alt werden?"

Mal ehrlich: "In Würde alt werden" heißt doch im Grunde nichts anderes als: "Zieh dich zurück!" Sollen alle älter werdenden Schauspielerinnen von der Bildfläche verschwinden? So wie früher Greta Garbo? Und wenn ältere Schauspielerinnen dann doch mal den Mut zu Falten beweisen, dann heißt es: "Oh Gott, wie alt ist die denn geworden!"

Hat der Druck, egal ob nun für Schauspieler oder Normalos, in den vergangenen Jahrzehnten zugenommen?

Ich finde schon, dass wir eine sehr oberflächliche, aber auch unglaublich ehrgeizige Ära durchleben. Wir sind heute alle sehr streng mit uns, auch weil uns permanent eingeredet wird, dass wir uns stetig optimieren müssen. Früher war das entspannter.

Inwiefern?

Schauen Sie sich doch mal ältere Filme an, in denen zum Beispiel Romy Schneider Ende dreißig ist. Da wabbelt's ganz schön an ihrem Körper. Heute würde das doch niemals mehr als heiß und sinnlich durchgehen, sondern die Leute würden sagen: "Die hat sich aber ganz schön gehen lassen!" Früher war es cool, wenn man die körperlichen Spätfolgen von Alkoholexzessen sah. Heute sehen wir dagegen die Folgen von ganz anderen Exzessen. Und zwar in Form von Muskeln, kräftigem und wallendem Haar, Faltenfreiheit oder Wahnsinns-Fingernägeln.

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