Carla Bruni In Liebe und Chaos

Carla Bruni
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Ihr Mann, der Ex-Präsident, organisiert Bier. Sie selbst singt vor allem nachts. Carla Bruni gibt ungewöhnliche Einblicke in ihr Familienleben

Ein warmer Frühlingstag in Paris.Carla Bruni, 45, strahlt mit der Sonne um die Wette, als sie im feinen "Saint James"-Hotel im 16. Arrondissement zum Interview empfängt. Ungeschminkt, in Jeans und Pullover. Es soll in unserem Gespräch nur um ihr neues Album "Little French Songs" gehen, so lautet die Anweisung. Doch die Ehefrau des ehemaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, 58, lässt sich ungern Vorschriften machen. Mit "Gala" redet sie, ohne mit der Wimper zu zucken, höchst privat.

Warum haben Sie Ihre CD Ihrem elfjährigen Sohn gewidmet?

Ach, wissen Sie, Aurélien hört bloß Hardrock. Folk oder französische Chansons sind nicht seine Welt. Jeder Versuch, ihn an diese Musik heranzuführen, ist bisher gescheitert. Ich dachte, mit einer Widmung könnte ich ihn vielleicht überlisten und für meine Lieder begeistern.

Hat der Trick funktioniert?

Schwer zu sagen. Er findet es seltsam, dass seine Mutter Songs schreibt. Mit meinem Job kann er nicht so viel anfangen. Ich bin für ihn einfach nur seine Mama.

Ihrer kleinen Tochter Giulia singen Sie doch bestimmt etwas vor, oder?

Alte Kinderlieder. Von denen kriegt sie gar nicht genug, sie hört mir stundenlang zu. Eines ihrer liebsten Schlaflieder ist übrigens "Une Chanson Douce" von Henri Salvador. Dieses Stück habe ich ja für eine Benefiz-CD aufgenommen, um die "Every Mother Counts"-Stiftung meiner früheren Modelkollegin Christy Turlington zu unterstützen. Wie sie sich weltweit für die Gesundheit von Schwangeren einsetzt, ist äußerst beeindruckend.

Wünschen Sie sich eigentlich noch ein Baby?

Nein. Für weiteren Nachwuchs fühle ich mich jetzt wirklich zu alt.

Der Bruni-Sarkozy-Clan ist eh schon recht groß. Wie kommen Sie miteinander aus?

Wir sind das Paradebeispiel dafür, dass eine Patchwork-Familie tatsächlich funktioniert. Der Enkel meines Mannes wurde ungefähr ein Jahr vor Giulia geboren, nun können die beiden ganz prima miteinander spielen.

Und wie macht sich der ehemalige französische Präsident als Vater?

Gut. Allerdings geht es ihm wie den meisten Männern: Mit Babys weiß er nicht so viel anzufangen. Trotzdem hat er unserer Tochter ab und zu die Flasche gegeben.

Drückt er sich etwa vor den häuslichen Pflichten?

Von wegen. Er organisiert daheim fast alles. Aus gutem Grund: Wenn ich mich um jede Kleinigkeit kümmern müsste, hätten wir wahrscheinlich bald nichts mehr zu essen im Haus, geschweige denn Bier. Vermutlich würden wir im Chaos versinken. (lacht)

Wie kommt das?

Ehrlich gesagt neige ich dazu, die Dinge schleifen zu lassen. Ich bin eher der relaxte Typ, weder besonders ambitioniert noch superordentlich. Dafür aber sehr humorvoll! Es macht mir wahnsinnigen Spaß, andere zum Lachen zu bringen. Mein Mann ist da völlig anders, er ist eine richtige Führungspersönlichkeit. Sie sehen, wir ergänzen uns perfekt.

Ich habe Sie bisher immer für einen starken Charakter gehalten.

Zu Recht. Bloß muss ich in einer Beziehung nicht unbedingt den Ton angeben. Im Gegenteil: Eine Schulter zum Anlehnen finde ich total schön.

Wo ist Ihr alter Freiheitsdrang geblieben?

Ich fühle mich auch in meiner Ehe frei. Und vor allem sehr glücklich.

Es heißt, Sie sollen den Élysée-Palast als goldenen Käfig empfunden haben.

Das stimmt nicht. Meine Zeit als First Lady war eine sehr interessante Erfahrung. Erstens durfte ich einige außergewöhnliche Menschen kennenlernen, zweitens bin ich der Liebe meines Lebens begegnet.

Aber wie hoch war der Preis? Sie mussten sich doch ziemlich einschränken, oder?

Ich verrate Ihnen etwas: Ich habe mich keine Sekunde lang in erster Linie als First Lady definiert. Selbstverständlich stand ich meinem Mann bei öffentlichen Terminen zur Seite, ich tat meine Pflicht - Ehrensache! Schließlich gehört es zu einer Partnerschaft, sich gegenseitig zu unterstützen. Doch jenseits des Rampenlichts war ich einfach ich selbst. Ich kümmerte mich um meine Familie, und nachts, wenn die Kinder im Bett lagen, widmete ich mich meiner Musik. Ich habe meine Identität nie komplett aufgeben müssen.

Dagmar Leischow


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