VG-Wort Pixel

Cara Delevingne "Ich habe viele Ängste"

Cara Delevingne
© Reuters
Viele verbinden mit dem Namen Cara Delevingne ein selbstbewusstes, schrilles Energiebündel, das am liebsten überall aneckt. Im GALA-Interview zeigt das Top-Model seine verletzliche und nachdenkliche Seite

Eine Frau mit Zielen: "Ich will irgendwann den Oscar gewinnen", sagt Top-ModelCara Delevingne zu GALA beim Interview im Berliner "Soho House". Der Grundstein dafür ist schon mal gelegt. Allein in diesem Jahr ist die 22-Jährige, die gerade ihre britische Agentur verließ und fortan nur noch Aufträge großer Marken annehmen möchte, in fünf Kinofilmen zu sehen. Einer davon ist die Teenagerkomödie "Margos Spuren" (Start: 30. 7.) nach John Green, in der sie die weibliche Hauptrolle spielt – und das absolut überzeugend.

Wollen Sie das Modeln aufgeben?

Nein, keine Sorge! Mein großer Traum war zwar von Anfang an, Schauspielerin zu werden, und deshalb habe ich das Modeln anfangs auch nur als Zwischenlösung empfunden. Aber jetzt macht es mir so viel Spaß, dass ich so bald nicht aufhören werde.

Wie ehrgeizig sind Sie?

Ich bin eine unglaublich ambitionierte Frau, und das in jeder Beziehung. Aber manchmal ärgere ich mich auch darüber, dass ich mir immer wieder bestimmte Ziele im Leben setze. Denn wenn ich die erreicht habe, will ich noch mehr. Ich bin nie zufrieden!

Was sind für Sie die Schattenseiten des Ruhms?

Generell ist es völlig okay für mich, wenn mich Fans um ein Selfie-Foto bitten. Aber es gibt nun mal Momente, in denen ich darauf überhaupt keine Lust habe. Und das verstehen einige Menschen leider einfach nicht.

Zum Beispiel?

Wenn ich in einem Restaurant beim Essen bin, wenn ich mich auf der Damentoilette frisch mache oder, am schlimmsten: wenn ich gerade verschwitzt im Gym trainiere.

Sie transportieren das Image des extrem selbstbewussten It-Girls. Haben Sie manchmal auch Ängste?

Aber natürlich! Sehr viele sogar: Ich habe Angst davor, später einmal einsam zu sein; dass ich in meinem Beruf versagen oder mein Typ irgendwann nicht mehr gefragt sein könnte. Ich bin generell ein ängstlicher und schnell zu verunsichernder Mensch. Ich habe meine Schwächen aber früher konsequent verborgen.

Warum?

Cara Delevingne: "Ich habe viele Ängste"
© Splashnews.com

Das liegt sicher daran, dass ich sehr britisch erzogen wurde. Mein Vater hat mir immer wieder eingetrichtert, dass ich gegenüber anderen Menschen auf gar keinen Fall meine wahren Gefühle und meine verletzliche Seite offenbaren darf. Das hat bei mir tiefe Spuren hinterlassen.

In welcher Form?

Wenn es mir früher so mies ging, dass mir zum Heulen zumute war – weil ich zum Beispiel Liebeskummer hatte oder mich von Leuten total ausgenutzt fühlte –, habe ich die Tränen unterdrückt, bis ich alleine war. Gleichzeitig habe ich es damals umso mehr gehasst, wenn ich endlich in meinem Zimmer saß. Dann krochen nämlich alle Ängste, Unsicherheiten und Sorgen in geballter Form in mir hoch.

Wie geht es Ihnen heute?

Mit den Jahren konnte ich die emotionalen Fesseln, die mir mein Vater angelegt hat, abstreifen. Sooft es geht, nehme ich mir jetzt Zeit nur für mich. Ich praktiziere Yoga, horche in mich hinein und komme inzwischen besser damit zurecht, alleine zu sein und meinen Emotionen freien Lauf zu lassen.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Ihren Eltern ganz generell?

Es war sicher nicht immer einfach mit uns – aber heute kann ich sagen, dass wir gegenseitigen Respekt voreinander haben.

Nehmen Sie Ratschläge von ihnen an?

Nicht wirklich. Tipps von Eltern oder Freunden sind zwar gut gemeint. Viel wichtiger finde ich es aber, meinen Instinkten zu vertrauen. Hätte ich auf den Rat meiner Eltern gehört, dann wäre ich heute wohl weder Model noch Schauspielerin.

Tatsächlich?

Sie meinten damals zu mir, dass die Branche viel zu gefährlich für einen Teenager sei, und rieten mir vom Modeln ab. Sie müssen wissen, dass meine Eltern beide mit 16 Jahren die Schule geschmissen und auch ihr Ding durchgezogen haben. Deshalb konnten sie nun wirklich nicht ernsthaft von mir erwarten, dass ich in dieser Frage auf sie höre.

Wie ist Ihre Meinung zur Homo-Ehe?

Es ist total wichtig und gut, dass Schwule und Lesben die gleichen Rechte haben wie alle anderen auch. Ich habe ja selbst eine Freundin und freue mich über jeden weiteren Schritt zur Gleichberechtigung. Aber warum gleich heiraten wie die Heteros? Für meinen Geschmack ist das ein bisschen zu viel Konformismus.

Also keine Traumhochzeit für Sie?

Ich glaube nicht, dass ich heiraten werde, zumindest nicht in den nächsten zehn Jahren. Dafür bin ich ein zu großer Freigeist.

Alexander Nebe Gala

Mehr zum Thema


Gala entdecken