Britta Heidemann: Spitze Klinge, scharfer Verstand

Olympiasiegerin Britta Heidemann über Vorbilder, Forderungen - und die Fechtkünste von Johnny Depp

Britta Heidemann

Britta Heidemann ist eine der bekanntesten Sportlerinnen Deutschlands - und eine der engagiertesten. In Peking 2008 wurde die Degenfechterin Olympiasiegerin, in London holte sie 2012 die Silbermedaille. Mit "Gala" sprach die 30-Jährige darüber, warum sich Deutschland erfolgreiche Sportler leisten sollte. Und was Johnny Depp von ihr lernen kann.

Frau Heidemann, sind Sie auch privat angriffslustig?

Ich bin so, wie man es auch fürs Fechten braucht - sehr konsequent, wenn es drauf ankommt. Ich sage meine Meinung, lege aber auch viel Wert auf Harmonie. Schlechte Stimmung mag ich überhaupt nicht.

Sie haben bei Olympia im vergangenen Jahr wegen einer langen Wartezeit auf die Richterentscheidung viel Nerven lassen müssen. Wie haben Sie sich davon erholt?

Nach London habe ich mich mal nur um mich gekümmert. Ich habe meinen Kopf ausgeruht, das ist gerade im Fechtsport unheimlich wichtig. Ich war bei der Maniküre, Pediküre, beim Friseur, habe einen großen Einkaufsbummel gemacht - so ein Verwöhnprogramm an allen Enden. Alles, was Frau mag, habe ich nacheinander genossen. Das habe ich mir schon während der trainingsintensiven Zeit vor den Olympischen Spielen für die Zeit danach vorgenommen.

Zittern und Triumphieren bei Olympia in London: "Ich war noch im Flow, habe mir gesagt, wenn es eine Chance gibt, nutze sie", sagt Britta Heidemann über die Wartezeit während ihres Halbfinalkampfs gegen die Koreanerin Shin A-Lam.

Ärgern Sie sich über unrealistische Fechtszenen in Filmen wie "Fluch der Karibik"?

Nein, ich verbinde das nicht mit Sportfechten. Wenn Johnny Depp den Säbel zieht, dann ist es eindeutig mehr Schauspiel als Fechten. Ich gebe auch Kurse für Manager. Die Teilnehmer parieren ähnlich wie Johnny Depp oder Orlando Bloom, weil das spektakulär aussieht. Aber fürs Parieren bekommt man ja keinen Treffer in unserem Sport.

Würden Sie lieber Johnny Depp oder Orlando Bloom Unterricht geben?

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Wäre sicher spannend mit beiden, Superstars haben ja immer viel zu erzählen. (lacht)

Zurzeit wird diskutiert, in welchem Verhältnis Lohn und Leistung bei deutschen Athleten stehen. Was ist Ihre Meinung?

Weltklasseleistung ist eigentlich nur noch mit professionellem Training zu erreichen. Die Athleten investieren genauso viel Zeit in ihr Training wie jemand, der ganz normal arbeiten geht. Dafür braucht es eine finanzielle Absicherung. Ich finde, die Ehre, in der Nationalmannschaft für sein Land anzutreten, fällt ja nicht weg, wenn man dafür bezahlt wird, siehe Fußballer oder Basketballprofis. Und wenn die duale Karriere besser planbar ist, bleiben uns mehr junge, talentierte Sportler erhalten.

(Das bedeutet: Durch gezielte Beratung und Förderung der Deutschen Sporthilfe wird die berufliche Situation der Athleten nach der Sportkarriere abgesichert, Anm. d. Red.)

Spaß unter Sportlerinnen: Britta Heidemann (l.) traf bei den Olympischen Spielen in London Schwimmlegende Franziska van Almsick (M.) und Fürstin Charlène von Monaco, die früher auch Schwimmerin war.

Was hat Deutschland davon?

Immer wieder belegen Erhebungen, dass Sportler als Vorbilder gesehen werden. Und eine gute Spitze hebt das Grundniveau. Wir haben zu viele Kinder, die - auch durch das neue Modell der Ganztagsschule - weniger in die Sportvereine gehen, zu wenig Bewegung haben und übergewichtig sind. Mit sportlichen Vorbildern kann man dagegensteuern. Der Sportverein macht Spaß, Kinder lernen, sich dort in einem sozialen Gefüge zurechtzufinden. Man hat gleichzeitig Konkurrenz, lernt also demokratische Grundregeln und Disziplin sowie Durchhaltevermögen.

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Seit 1999 werden Sie von der Deutschen Sporthilfe gefördert. Was hat das für Ihre Karriere bedeutet?

Die Sporthilfe ist für mich sehr wichtig gewesen, weil sie eine Institution ist, die gesamtorganisatorisch hinter meiner Karriere stand. Sie hat mich kontinuierlich gefördert. Und das ist etwas, was ein junger Athlet - wie jeder im Leben - braucht. Sie ist ein Rückhalt, an dem man sich entlanghangeln kann. Ich hatte das Glück, dazu von meinem Verein Bayer Leverkusen gut gefördert zu werden und tolle Sponsoren zu finden. Leider ist das nicht die Regel.

Sie sind gerade voll im Training. Wo gehen Sie als Nächstes auf die Bahn?

Bei einem Grand-Prix-Turnier in China, sozusagen auf heimischem Boden. (Heidemann spricht fließend Chinesisch, Anm. d. Red.) Und im August stehen die Weltmeisterschaften in Ungarn an. Da möchte ich natürlich auch gut abschneiden.

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