Brad Pitt: "Geld hat man nie genug"

Hollywood-Star Brad Pitt über Reichtum und Verantwortung, Kunst und Kommerz - und über seinen knallharten neuen Film "Killing Them Softly"

Ob er nun mit Angelina Jolie auf humanitärer Mission oder als Super-Papa mit den sechs Kindern unterwegs ist

- wir kennen Brad Pitt, 48, als Mister Nice Guy. Und dieses Image spiegelt sich in den meisten seiner Rollen wider. Doch er kann auch anders: In dem Krimi "Killing Them Softly", der jetzt im Kino läuft, zeigt der Schauspieler und Produzent seine düstere Seite. Pitt spielt einen coolen Killer mit zynischer Weltanschauung. Kritiker bemänglen, die Sozialkritik des Films sei etwas hölzern - Brad Pitt selbst formuliert seine Meinung zu gesellschaftlich relevanten Themen auf jeden Fall sehr elegant ...

Sie spielen einen kaltblütigen Killer - eine Rolle, die so gar nicht zu Ihrem Image passen will.

Ach, ich weiß nicht. (lacht) In solchen Kategorien denke ich eigentlich überhaupt nicht. Bei einer Rolle interessiert mich vor allem, ob sie das Potenzial bietet, neue Erfahrungen zu machen.

Sarah Lombardi

Mit diesem Streich hatte Pietro nicht gerechnet

Sarah Lombardi
Sarah Lombardi ist für einen spontanen Spaß zu haben
©Gala

Sie haben einige richtig brutale Szenen. Wie stehen Sie selbst zum Thema Gewalt?

Wir leben nun einmal in einer Welt voller Gewalt. Ich muss dazu ja nur meine eigenen Kinder betrachten, wenn sie miteinander raufen, was sie gern und oft tun. Und in der Welt der Gangster, in der "Killing Them Softly" spielt, gehört Gewalt einfach dazu, da sind Morde ganz alltäglich. Ich hätte größere Probleme damit, einen Rassisten zu spielen als einen Killer.

Filmszene aus "Killing Them softly" mit Brad Pitt als Killer "Jackie Cogan".

"Killing Them Softly" ist ein Genre-Krimi mit außergewöhnlich viel Sozialkritik - wie wichtig war Ihnen diese politische Komponente?

Der Film behauptet, dass Politiker in den USA sich nicht um die echten Probleme kümmern, sondern lediglich um die öffentliche Wahrnehmung dieser Probleme und ihre vermeintlichen Lösungen - ein kontraproduktiver Weg. Ich persönlich habe zwar ein anderes Bild von meinem Land, aber trotzdem möchte ich diese kritischen Töne keinesfalls kleinreden.

"Amerika ist kein Land, sondern ein Business", sagen Sie als Killer Jackie im Film. Sehen Sie das privat ähnlich?

Jackie verurteilt dieses System keineswegs, er sagt nur: "So läuft der Laden eben, nach diesen Regeln muss man spielen." Amerika hat viele Facetten, und für mich ist es ein großartiges Land. Es gibt Ideale wie Innovation, Integrität, Gerechtigkeit und Fairness - aber diese Ideale müssen verteidigt werden.

Haben Demokratie und Kapitalismus hier versagt?

Ich bin Kapitalist und kenne kein besseres System, aber es muss besser geschützt werden: Ungezügelter Kapitalismus kann Amok laufen. Wir dürfen nicht vergessen, dass das System leicht korrumpierbar ist. Wir benötigen also auf alle Fälle strengere Regularien. Allerdings bin ich kein Ökonom und will hier nicht den Experten geben.

Welche gesellschaftliche Verantwortung haben Künstler?

Wenn man die Möglichkeit bekommt, sich zu aktuellen Themen zu äußern, dann macht man das. Kunst sagt etwas darüber aus, wer wir sind und wo wir heute stehen. Ein Film kann zwar nicht alle wichtigen Themen erschöpfend behandeln, aber doch so einige.

Spiel mit den Kameras: Brad Pitt und "Killing Them Softly"-Regisseur Andrew Dominik Ende Mai bei der Präsentation in Cannes.

Brad Pitt und Angelina Jolie mit ihren Kindern beim Weihnachtsshopping in New York.

Steht Hollywood nicht eher für Kommerz als für Kunst?

Diesen alten Kampf zwischen Kunst und Kommerz wird es immer geben. Da wird es nie eine Einigung geben, aber das ist auch gar nicht entscheidend, weil sich beide gegenseitig benötigen: Kunst und Kom merz bilden letztendlich eine Symbiose.

Sie gehören zu den Top-Verdienern von Hollywood, sind zudem als Produzent an den Einnahmen Ihrer Filme beteiligt. Wie wichtig ist Geld für Sie?

Geld hat man nie genug - allerdings verschwinden die Probleme damit ja nicht, sondern es ergeben sich neue. Geld eröffnet natürlich Möglichkeiten und gibt dir Freiheiten. Du kannst reisen und neue Länder kennenlernen. Das würde ich jedem wünschen und gönnen, denn dann wäre die Welt besser.

Was haben Sie beim Reisen gelernt?

Je mehr ich reise, desto deutlicher wird mir diese Ungerechtigkeit, dass dein Geburtsort dein Schicksal bestimmt. Ich hatte das Glück, an einem Ort aufzu wachsen, der mir die besten Chancen bot. Erst dadurch kam ich in die Lage, den Jackpot zu gewinnen. Für mich bedeutet das eine Verpflichtung, etwas von diesem Reichtum abzugeben.

Der Jackpot, das heißt in Ihrem Fall, dass Sie in Hollywood Karriere gemacht haben. Der Ort hat den Ruf, dass die Menschen dort sich nur um sich selbst kümmern, das es keine Loyalität gibt ...

Klar, es stimmt schon, dass es dort oft ziemlich oberflächlich zugeht und sich alles ums Geld dreht. Zugleich habe ich in Hollywood die interessantesten Menschen getroffen: intellektuelle, wissbegierige und nachdenkliche Leute, mit denen man sehr gern seine Zeit verbringt.

Sie sind ein Schwergewicht in Hollywood. Wie viel Einfluss machen Sie bei Dreharbeiten geltend?

Angelina Jolie und Brad Pitt

Das ist ihr Familienalbum

3. Oktober 2019  Da geht's zur Premiere! Angelina Jolie hat ihre Kids Maddox und Zahara mit nach Tokio genommen.
3. Oktober 2019  Die drei feiern dort die Japan-Premiere von "Maleficent 2"
30. September 2019  Bei der "Maleficient"-Premiere erscheint Angelina Jolie mit fünf ihrer Kids und posiert mit Pax, Shiloh, Vivienne, Zahar und Knox auf dem roten Teppich. Einer fehlt allerdings: Der 18-jährige Maddox ist erst vor Kurzem fürs Studium nach Südkorea gezogen und kann am Familienausflug nicht teilnehmen. 
2. September 2019  Da hat aber jemand gute Laune! Angelina Jolie ist mit ihren Kids Pax, Zahara und Shiloh zum Lunch in Beverly Hills unterwegs, und die Stimmung ist ausgelassen.

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Filmen ist ein Mannschaftssport. Aber letztendlich ist der Regisseur der Macher, und deswegen begebe ich mich gern in seine Hände.

Im kommenden Jahr werden wir Sie in dem Thriller "The Counselor" von Regisseur Ridley Scott sehen. Was hat Sie an diesem Projekt gereizt?

Ich hatte zwar nur ein paar Drehtage, aber ich wollte unbedingt dabei sein, weil ich ein absoluter Fan des Schriftstellers Cormac McCarthy bin, der das Drehbuch geschrieben hat. Ich habe alles von ihm gelesen - das meiste davon mehrfach. Außerdem habe ich mich auf ein Wiedersehen mit Ridley Scott gefreut, der mir damals mit "Thelma & Louise" den Durchbruch ermöglichte. Last but not least bin ich ein Fan von Michael Fassbender, der den Counselor spielt. Dieter Osswald

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