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Beth Ditto Starke Frau mit zarter Seele


Beth Ditto im "Gala"-Interview: "Man muss sich dem Schmerz stellen, damit die Wunden heilen"

Was für ein Kontrast zu den Bühnenauftritten der Punk-Prinzessin!

Wenn Beth Ditto nicht singt, sondern spricht, ist ihre Stimme ein bisschen heiser und leicht brüchig. Inhaltlich tastet sie sich vorsichtig an ihre Antworten heran, offenbar bemüht, aufrichtig Auskunft zu geben. Am Ende eines Satzes wird sie oft ganz leise. Es ist ein stilles Gespräch, dem Thema angemessen: Die Frontfrau der Band "Gossip" berichtet in ihrer gerade erschienenen Autobiografie "Heavy Cross" von Verwahrlosung, Gewalt und Missbrauch während ihrer Kindheit in Arkansas, von Depressionen und Autoaggression in späteren Jahren - und davon, wie ihre Seele überlebte.

War es schwer, Ihre Lebensgeschichte aufzuschreiben - oder eher eine Erleichterung?

Der stressigste Teil war, dass meine Familie all das lesen wird, sich darüber vielleicht aufregen wird und dann sicher auch verletzt ist. Aber es hatte für mich nichts Schockierendes mehr. Man muss sich dem Schmerz stellen, damit die Wunden heilen.

Woher haben Sie die Kraft genommen, es nach der schweren Kindheit aus diesem Leben herauszuschaffen?

Vermutlich lag es an meiner Schwester. Sie hat mir in den dunkelsten Stunden gesagt: "Beth, wenn du von Woche zu Woche nicht weiterkommst, dann denk einfach von einem Tag zum anderen. Wenn du von Stunde zu Stunde nicht mehr kannst, dann mach von Minute zu Minute weiter. Und wenn das nicht funktioniert, dann konzentriere dich auf die Sekunden. Aber mach weiter!"

Vermutlich haben auch Ihre frühen Erfahrungen dazu bei getragen, dass Sie heute so kreativ und so erfolgreich sind. Wären Sie trotzdem gerne anders aufgewachsen?

Das ist eine sehr schwere Frage … Es sind einfach die ersten Kapitel meines Lebens. Vielleicht kann man wirklich sagen, dass sie mich darauf vorbereitet haben, was ich jetzt erlebe. Ich bleibe auf dem Teppich und weiß, dass ich mich auf den Erfolg nicht verlassen kann. Und wenn es mit der Musik mal nicht mehr so läuft: Ich weiß, dass ich überlebe.

Sehr offen beschreiben Sie, wie es ist, dick zu sein, und wie Sie gelernt haben, sich zu akzeptieren. Glauben Sie an den neuen Trend, der auch fülligere Künstlerinnen wie Adele und Christina Aguilera feiert?

Ja. Es scheint wieder ein bisschen so wie früher zu werden, als es noch keine Retuschemöglichkeiten gab. Da kam es darauf an, ob du gut singst oder schauspielerst, und nicht auf ein makelloses Aussehen.

Sie sind mit Supermodel Kate Moss befreundet. Sprechen Sie miteinander über Ihr Äußeres?

Nein, wir haben andere Themen. Aber ich sehe auch bei Kate, welchem Druck sie ausgesetzt ist. Auch sie ist nicht immer hundertprozentig mit ihrem Aussehen zufrieden.

Nächstes Frühjahr wollen Sie Ihre Freundin heiraten. Was macht Kristen zu dem Menschen, mit dem Sie den Rest Ihres Lebens verbringen wollen?

Unsere langjährige Freundschaft. Das Gefühl, ihr absolut vertrauen zu können. Bei ihr Ruhe zu finden. Mit ihr streiten zu können. Es ist ein Gefühl von Fülle.

Sie schreiben, dass Sie auch heute noch immer wieder in Depressionen verfallen. Sind Sie trotzdem glücklich?

Ja. Ich bin einfach kein pessimistischer Mensch. Ich weiß, dass ich immer wieder neue Ideen haben werde oder zumindest offen dafür bin. Manche meiner Pläne werden nach hinten losgehen, aber ich habe immer einen Plan B. Bettina Klee

gala.de

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