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Beach Life "Das Meer gibt mir alles"

Janni Hönscheid
Janni Hönscheid
© facebook.com/HonscheidJanni
Mit acht Jahren stand Janni Hönscheid das allererste Mal auf dem Surfboard. Heute ist sie cooles Surfergirl und grazile Nixe zugleich – in den Wellen tankt sie Glück. Wie das auch an Land gelingen kann, erzählt sie GALA

Das Meer rauscht und schäumt, eine Brise weht durchs geöffnete Fenster ins Haus. Zoom auf eine junge Frau mit blonden Locken: Sie wird vom Wind geweckt, und ihr erster Blick geht gleich auf die Wellen. Raus aus dem Bett! Wenig später schnappt sie sich ihr Surfbrett, ein paar Meter über den feinen Sand, schon stürzt sie sich in die Fluten …

Was wie der Beginn eines Filmskripts klingt, ist ein normaler Morgen im Leben von Janni Hönscheid, Deutschlands bester Surferin. Seit Jahren belegt die heute 24-jährige Sylterin vordere Plätze bei großen Wettbewerben – was ihr aber gar nicht so wichtig ist, wie sie uns erzählen wird. Gemeinsam mit ihrer Familie lebt sie seit Kindertagen auf der spanischen Urlaubsinsel Fuerteventura in dem Haus direkt am Meer. Hier findet sie Ruhe, den Ausgleich zu ihrem aufregenden Leben: Als Surferin und Sport-Model reist sie das ganze Jahr über zu den schönsten Stränden dieser Erde.

Janni, der Surfsport gilt immer noch als Männerdomäne. Wie siehst du da deine Rolle?

Gerade auf Fuerteventura war es bis vor ein paar Jahren wirklich nicht geläufig, dass Frauen surfen, und als blondes Mädchen wurde man erst recht belächelt. Aber es etabliert sich mehr und mehr. Für mich stand es nie im Fokus, bei Wettkämpfen mitzufahren – das Surfen gehört für mich einfach zur Tagesroutine und vor allem zu einem Charakter. Ein Problem für viele Surferinnen ist es, dass bei Wettkämpfen ein radikaler, maskuliner Surfstil positiv bewertet wird. Frauen surfen aber eher feminin, aus der Hüfte heraus. Viele Frauen trauen sich daher wahrscheinlich gar nicht, an Wettkämpfen teilzunehmen.

Du hast dich getraut. Allerdings scheinen dir Wettkämpfe gar nicht so wichtig zu sein.

Das stimmt, denn ich sehe mich eher als Free-Surferin. Obwohl ich momentan auf der deutschen Rangliste ganz oben stehe, strebe ich es nicht an, in die Weltspitze zu kommen. Mein Fokus liegt darauf, um die Welt zu reisen und so viele verschiedene Wellen wie möglich zu surfen. Ich messe mich lieber mit der Natur statt mit Menschen.

Und dann gibt es auch noch die vielen Shootings …

Genau. Nach den ersten großen Erfolgen wurde ich für Fotoshootings auf die Mentawai-Inseln in Indonesien eingeladen. Ich habe mich dann für das Reisen und gegen die nächsten Wettkämpfe entschieden. Das bereichert mich mehr, als jedes Jahr denselben Contest mitzufahren.

Du stammst aus einer Surferfamilie, dein Vater ist mehrfacher Weltmeister. Hattest du überhaupt eine Wahl?

Wahrscheinlich nicht. (lacht) Als Kind war ich jeden Tag mit meiner Familie am Strand. Natürlich haben mir meine Eltern alle Optionen offengelassen, aber als ich mit acht Jahren das erste Mal auf einem Surfboard stand, war es um mich geschehen. Die Begeisterung ist bis heute geblieben. In meinem Leben gibt es immer und überall eine Verbindung zum Wasser oder zum Surfen. Auch in unserem Haus stehen überall Surfboards.

Das Meer ist für dich also nicht nur ein Mittel zum Zweck?

Das Meer gibt mir alles! Wenn ich viel um die Ohren habe oder nach großen Antworten suche, muss ich nur raus aufs Wasser. Da bekomme ich Inspiration und Antrieb. Immer wieder aufs Neue, denn jede Welle ist anders. Eine ständige Herausforderung! Das Meer und die Wellen zu verstehen ist für mich so wie neue Sprachen zu lernen.

Du reitest nicht nur auf der Welle, sondern tauchst auch als Meerjungfrau hinein …

Ja, und das hat eine Vorgeschichte. Als kleines Mädchen war mein größtes Vorbild ein Surfer hier auf der Insel. Er gab mir den Spitznamen „Sirenita“, was übersetzt „die kleine Meerjungfrau“ heißt. Leider kam er bei einem Surfunfall ums Leben. Als Erinnerung an ihn habe ich mir eine Meerjungfrau tätowieren lassen. Mein Sponsor kannte die Geschichte und überraschte mich deshalb bei einem Shooting auf Mauritius mit einer Meerjungfrauenflosse. Das erste Shooting als Meerjungfrau hatte ich gleich mit Delfinen. Ich durfte die Flosse behalten. Inzwischen bekomme ich immer wieder Aufträge, als Meerjungfrau zu schwimmen.

Gehört dieser Tauchgang mit den Delfinen zu deinen Highlights im Wasser?

Natürlich war es etwas Besonderes, aber ich bin jetzt schon öfter mit Delfinen geschwommen. Wenn ich ein absolutes Highlight nennen sollte: Das war eine Nacht in Indonesien. Am Himmel stand der Vollmond, wir sind mit den Boards raus aufs Meer gepaddelt. In der nächtlichen Stille bei Vollmond die Natur zu genießen – das war eine einzigartige Erfahrung.

Du hast schon die schönsten Strände dieser Erde gesehen. Gibt es noch ein Traumziel?

Venedig! Ich wollte immer nach Venedig, das ist mein Traum. Voriges Jahr zu Silvester war es fast so weit, hat aber leider doch nicht geklappt. Irgendwann schaffe ich es!

Du hast stets diese positive Sicht aufs Leben – woher nimmst du das?

Ganz einfach: Das Meer gibt sie mir. Leider hat ja nicht jeder das Meer vor der Tür, aber für eine positive Einstellung muss man nicht zwingend von Wasser umgeben sein. Manchmal reicht ein kleiner Spaziergang in der Mittagspause. Wichtig ist nur, dass Körper und Seele im Einklang sind. Es macht alles viel unkomplizierter, wenn wir bewusst den Moment leben. Dieses Credo hat mir mein Kindheits-Idol mitgegeben. „Pura vida!“, das pure Leben. Unsere wahre Power ist das Jetzt. Ich denke, es ist nicht richtig, wenn man immer alles plant. Der Moment ist unser wahres Glück. Wenn man das erst mal verstanden hat, ist man reich.

Gibst du das so auch als Motivationstrainerin weiter?

Ja. Ich werde von großen Unternehmen für Vorträge in Sachen Motivation gebucht, weil Surfen mehr ist als Sport. Vom Meer kann man unheimlich viel lernen, vieles spiegelt sich im tagtäglichen Leben wider. Zum Beispiel können sich Manager gut mit dem Bild anfreunden, dass die Wellen des Lebens auf sie zukommen und sie diese dann nehmen müssen.

Welchen Tipp gibst du ihnen, damit sie so ein Tough Cookie werden wie du?

Wenn man wirklich versucht, in allem das Positive zu sehen, kann man selbst die größte Welle meistern.

Christina Libuda Gala

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