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Antonio Wannek in "Gottlos" "Ich habe selbst Gewalt erlebt"

In "Gottlos" spielt der Schauspieler einen gewalttätigen Mann, der seine Freundin auf Übelste verprügelt. Im Interview mit GALA spricht Antonio Wannek darüber, wie er selbst Gewalt erlebt hat

Er spielt meistens die bösen Typen, die verwegenen, die einerseits ganz schön was auf dem Kerbholz haben, andererseits aber auch die Frauen reihenweise um den Verstand bringen: Antonio Wannek. Der 36-Jährige ist schon seit Jahrzehnten im Geschäft und weiß, worauf es in der Branche ankommt.

Umso grimmiger und brutaler seine Rollen auch sind, umso höflicher ist Antonio aber privat. Einer von der Sorte, der Frauen die Tür aufhält. Gestern Abend erlebte man den gebürtigen Kreuzberger von einer ganz anderen Seite, der grausamen. In "Gottlos", einer dreiteiligen Serie, die montags auf RTLII ausgestrahlt wird, musste man mit ansehen, wie Antonio in der Rolle des Frank seine Freundin aufs Übelste verprügelt. GALA traf Antonio zum Gespräch und fragte mal nach, wie er den Dreh erlebt hat und wie er grundsätzlich zum Thema Gewalt steht.

Wie hast du dich auf die Rolle vorbereitet?

Ich werde oft für diese Rollen der kaputten Typen besetzt. Deswegen habe ich mir von Beginn an überlegt, wie genau ich solch eine Rolle noch mal ganz neu angehen kann. Ich habe mir dafür Hilfe von außen geholt und mich mit einem Coach getroffen. Dadurch, dass es auf einem authentischen Fall beruht, hat man eine größere Verantwortung, an die Sache bedachtsam heranzugehen.

Ich hatte eine schwere Jugend, was für die Herangehensweise an solche Charaktere durchaus hilfreich sein kann. Ich bin in Kreuzberg aufgewachsen und damals war das noch ein echt raues Pflaster. In meinem Umfeld, in der Schule und in der Nachbarschaft habe ich öfter Gewalt miterlebt, auch gegen Frauen und Kinder. Das hat natürlich etwas mit mir gemacht. Heute kann ich aus dieser Erfahrung für meinen Beruf aber auch etwas Positives ziehen, weil ich die Figur besser wiedergeben kann. Aber mein Mitgefühl liegt natürlich bei den Opfern. Ich finde, es sollte in Deutschland viel härtere Gesetze geben, was Gewalttaten angeht.

Wie habt ihr die Gewalt im Film umgesetzt und wie hast du dich dabei gefühlt?

Es ist natürlich extrem schwer, die Hand gegenüber einer Frau zu erheben. Und dann auch noch so zu spielen, dass es realistisch aussieht. Es gibt zum Beispiel eine Szene, in der ich meiner Spielpartnerin in den Magen schlagen musste. Ich habe dafür den klassischen Theaterschlag eingesetzt, den ich schon seit Jahren anwende. Dabei entsteht manchmal auch ein leichter Kontakt.

Irgendwann meinte die Schauspielkollegin zu mir, ich hätte sie tatsächlich getroffen und ihr wehgetan. Ich war ganz perplex, denn erst im Nachhinein wurde mir bewusst, dass ich ihr tatsächlich wehgetan habe. Sie zeigte mir einen roten Fleck auf dem Bauch. Eine Frau hat natürlich alleine aufgrund ihrer Staue nicht so einen harten Widerstand, wie es vielleicht bei männlichen Kollegen der Fall ist. Auch wenn es von mir nicht beabsichtigt war, habe ich mich dafür wirklich geschämt.

Kannst du die Rolle ablegen, wenn du abends nach dem Dreh nach Hause gehst?

Besonders in der Vorbereitungsphase und am ersten Drehtag fällt das schwer. Da bin ich oft in einer solchen Transformationsphase, dass ich versuche, mich von allem Privaten abzukapseln. Ich habe einen vierjährigen Sohn und der spürt das natürlich. Er ist aber noch so jung und weiß gar nicht was los ist, wenn der Papa die ganze Zeit wie ein Tiger mit bösem Blick den Flur rauf und runter läuft. Daher suche ich mir auch gerade eine Art Studioraum, in dem ich mich auf meine nächsten Rollen vorbereiten und auch mal rumschreien kann. Das ist mit einem kleinen Kind zu Hause natürlich schwierig.

Findest du, dass der Titel "Gottlos" tatsächlich auf die Menschen zutrifft, die einen anderen Menschen töten?

Ich fand den Titel von Anfang an sehr zutreffend. Denn ja, ich denke schon, dass ein Mord eine gottlose Tat ist. Gott war in dem Moment nicht anwesend, als der Mensch zu dem Mord getrieben wurde.

Der Untertitel lautet "Warum Menschen töten". Findest du, dass man durch die drei Filme eine Antwort auf die Frage, warum Menschen töten, bekommt?

Ja, von Folge zu Folge wird einem immer mehr bewusst, warum dieser Mensch in diesem Moment getötet hat. In zwei der drei Folgen wird die Motivation sehr deutlich. Ein Mensch, der in die Ecke gedrängt wird und sich nicht anders zu helfen weiß.

Ich denke, dass das Töten den Menschen in den Genen liegt. Menschen mussten schon immer töten, um zu überleben. Leider gibt es Menschen, die diesen Impuls ausleben. Solche Straftäter müssen natürlich sofort zur Rechenschaft gezogen und verurteilt werden.

Du spielst meistens die kaputten Typen. Haben diese Rollen auch etwas mit dir selbst zu tun?

Tatsächlich ist es so, dass die Schauspielerei auch einen therapeutischen Effekt haben kann. Man kann Emotionen rauslassen, die man im wahren Leben verbirgt. Ich spiele gerne böse Rollen mit ihren Ecken und Kanten als immer nur den netten Familienvater oder den Oberarzt. Aber natürlich möchte ich nicht nur auf die kaputten Charaktere festgelegt werden, sondern sehe die Herausforderung des Berufes in der Rollenvielfalt, die er mit sich bringt.

jno Gala

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