Andrea Sawatzki: "Ich möchte für alles offen sein"

Schauspielerin Andrea Sawatzki macht bei der Tanzshow "Let's Dance" mit. Gala fragte nach, warum

Andrea Sawatzki kommt ein wenig

später, heißt es an der Berliner Stage Factory. Nein, nicht weil sie noch mit ihrem neuen Tanzpartner im Übungsraum schwitzt - ihr Boxer musste zum Tierarzt. Irgendwas mit Schrauben in der Schulter. Dafür bringt sie aber Mozzarellabrötchen vom Bäcker mit, natürlich auch für ihren neuen Sportsfreund Stefano. Der wollte zwar gerade Sushi essen gehen, besinnt sich jetzt aber eines Besseren. Andrea Sawatzkis Lächeln ist eben nur schwer zu widerstehen. Zugegeben, man ist versucht, den Appetit der Schauspielerin auf die RTL-Show "Let's Dance" einer Geschmacksverirrung zuzuschreiben. Andrea Sawatzki zwischen Liliana Matthäus und Bernd Herzsprung, rhythmisch die Hüften zur Samba schwingend? Die Sawatzki, die acht Jahre lang im Frankfurter "Tatort" ermittelte, mit Grimme- und Comedypreisen ausgezeichnet wurde? Die eine jener ätherischen Schönheiten mit empfindsamer Seele ist? Genau die! Im Gala-Interview verrät sie, wie sie zu ihrer Entscheidung kam.

Seit 13 Jahren sind Christian Berkel und Andrea Sawatzki ein Paar. Ob als Schauspieler oder wie hier bei der Bambi-Verleihung: Die beiden machen immer eine gute Figur. Mit ihren zwei gemeinsamen Söhnen leben sie in Berlin.

Andrea Sawatzki tanzt im Privat-TV - sind Sie der Rainer Langhans von "Let's Dance"?

Der war gerade im "Dschungelcamp", oder? Für mich war es einfach reizvoll, 100 Stunden Tanzunterricht zu kriegen und jemanden zu haben, der mich zwingt, diese Stunden auch wirklich zu machen. Das wollte ich schon immer lernen. Und da ich in meinem nächsten Kinofilm eine Frau spiele, die tanzen kann, ließ sich das bestens verquicken.

Das war auch eher auf die Zusammensetzung der Tanztruppe gemünzt. Sie stechen da doch etwas heraus.

Sie meinen, weil ich nicht das RTL-Zielpublikum bin?

Ich meine, weil solche Shows eher Sammelbecken für ehemalige Sportler, abgebrannte Schauspieler und Möchtegernstars sind. Sie dagegen haben gerade einen Grimme-Preis für die Serie "Klimawechsel" bekommen, drehen derzeit eine international produzierte Historienserie mit Oliver Hirschbiegel ... Wussten Sie, auf was Sie sich da einlassen?

Gesehen habe ich die Show noch nie, genauso wenig wie "Dschungelcamp" und "DSDS". Ich spiele wahnsinnig gern in guten Filmen mit und bin vor allem Schauspielerin, aber: Ich möchte mir auch eine gewisse Narrenfreiheit bewahren. Und wenn ich Lust habe, tanzen zu lernen, dann mache ich das auch.

Was meinen denn Ihre Männer dazu?

Christian hält sich da eher raus. Zuerst kam schon ein kleines "Hä?". Sagen wir: Er war ein wenig verwirrt. Jetzt findet er's ganz spannend. Und unsere Söhne hören mit 8 und 11 Jahren natürlich ganz andere Musik, als dass sie die Schlagerversionen aus der Show reizen könnten. Die hören eher Black Music, Soul. Morgens, wenn ich sie zur Schule fahre und das Radio läuft, kennen die immer alle Rapper. An guten Tagen hören sie auch die Stones - und ganz manchmal sogar mit mir Massive Attack.

Aber wenn es darum geht, Mami bei "Let's Dance" weiterzubringen, sind doch auch die Anrufe der Kleinen gefragt.

Nein, die müssen ins Bett und schlafen. Ich baue auf Stefanos sizilianische Großfamilie, da ruft schon halb Mannheim an. Außerdem ist meine Produktion in Warschau alarmiert, die rufen alle an, das sind schon mal 20 Leute. Die kommen ja aus aller Herren Länder und finden das toll. In England, Frankreich, der Tschechei ist die Show wahnsinnig beliebt, wie ja hier eigentlich auch.

Wen werden wir denn da tanzen sehen: die Privatperson oder die Schauspielerin Sawatzki?

Ach, das kann ich immer so schlecht trennen. Im Vorfeld werde ich wohl eher privat sein, und wenn ich tanze, werde ich mir schon irgendwas ausdenken. Ja, wahrscheinlich muss man sich bei so etwas irgendeine Geschichte ausdenken.

Am 23. März werden Andrea Sawatzki und Stefano Terrazzino das erste Mal bei "Let's Dance" auf RTL zu sehen sein. Zur Eröffnung steht der langsame Walzer auf dem Programm. Gemeinsam üben sie bis zu neun Stunden täglich.

Klingt nach einer Schutzmaßnahme. Das Publikum richtet sich ja vor allem nach Popularitäts-Kriterien. Haben Sie keine Angst, sich einem solchen Voting auszusetzen?

Ich habe da noch gar nicht so drüber nachgedacht. Es gibt da doch auch noch eine Jury, die konstruktiv kritisiert, nicht wahr? Ich hab das ehrlicherweise noch nie gesehen. Ich weiß nur so ungefähr, wie das abläuft.

Und dann sagen Sie einfach: Klingt nett, da mach ich mit!

Ja. Ich habe einfach wahnsinnige Angst, ins Einerlei zu fallen, mich festzulegen. Ich möchte immer für alles offen sein. Wenn mich die Leute fragen, warum ich - obwohl ich ja schon 48 Jahre alt bin - noch so fröhlich wirke, dann liegt das auch an meinem Geheimrezept, immer neugierig auf alles bleiben und nicht im Vorfeld zu sagen: "Das würde mich zu sehr durcheinanderbringen" oder "Das ist jetzt unter meiner Würde!" Bevor man sich ein Urteil bildet, muss man bei manchen Sachen dabei gewesen sein, nur dann kann ich mitreden.

Sie saßen im Oktober 2010 bei der RTL-Chartshow überraschenderweise auf dem Sofa. Meinem Eindruck nach fühlten Sie sich da zwischen DJ Ötzi und Kai Pflaume aber nicht ganz so wohl.

Ich kannte mich bei dem Thema nicht so gut aus, wie ich dachte.

Und das war Ihnen keine Lehre?

Man muss auch manchmal Sachen machen, um zu wissen, dass es das nicht war. Ich bin ein Mensch, der erst mal alles ausprobieren muss. Und wenn mir jemand etwas verbieten möchte, dann mach ich's erst recht. Bei "Let's Dance" war's ja auch eher so, dass einige mir abraten wollten. Da dachte ich: Wieso eigentlich nicht? Danach kann ich wenigstens tanzen. Und mit Stefano habe ich so einen Spaß - das hat sich jetzt schon gelohnt.

Sarah Lau

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