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Ingo Zamperoni "Es ist nur Fernsehen, keine Gehirnchirurgie"

Ingo Zamperoni
© Getty Images
Als bislang jüngster "Mr. Tagesthemen" erklärt uns Ingo Zamperoni demnächst die Welt. GALA stellt den smarten Nachrichten-Sprecher vor

An Mut hat es ihm nie gemangelt. 2012 brachte er zum Beispiel halb Fußball-Deutschland gegen sich auf – mindestens! In der Halbzeitpause des Fußball-EM-Spiels gegen Italien moderierte Ingo Zamperoni die "Tagesthemen", damals noch vertretungsweise, und verabschiedete sich doch tatsächlich mit den Worten: "Möge der Bessere gewinnen". Viele Zuschauer waren mehr als erbost. Was erlaubte sich dieser smarte Bengel da? Seine "innere Zerrissenheit" habe ihn, den Halbitaliener, damals so sprechen lassen, kommentierte der Moderator später – als Fußball-Deutschland ihm schon lange vergeben hatte.

Ingo Zamperoni, der attraktive Nachrichtenmann

Denn dieser smarte, ziemlich attraktive Nachrichtenmann ist so ziemlich das Beste, was das öffentlich-rechtliche Fernsehen zu bieten hat: Immer lässig und unbeschwert, dabei aber stets kompetent und seriös. Mit dieser schwer zu widerstehenden Kombination hat sich Zamperoni, der Marathonläufer, voller Energie und Beharrlichkeit an die vorderste Nachrichtenfront gearbeitet: Ab Montag, 24. Oktober, ist er Erster Moderator der "Tagesthemen". Das kommt einem Ritterschlag gleich, schließlich gilt die Moderation der Sendung als eine der begehrtesten Positionen im deutschen TV.

Beim "Wiesbadener Kurier" fing Zamperonis Karierre an

Eine Traumkarriere! Begonnen hat sie mit Snap!, einem HipHop-Projekt, über dessen Platte der gebürtige Wiesbadener Zamperoni mit 18 eine Kritik für den "Wiesbadener Kurier" schrieb. DerSohn einer deutschen Mutter und eines italienischen Vaters studiert Anglistik, Jura und Geschichte in Konstanz, Berlin und Boston. Früh ist klar: Journalist werden, das ist sein Ziel. 1999 macht er ein Praktikum im ARD-Studio in Washington, das damals noch von "heute journal"-Moderator Claus Kleber geleitet wird – nun sind sie Konkurrenten.

Jüngster "Tagesthemen"-Kopf

Nach dem Volontariat beim NDR und einiger Zeit als TV-Reporter dann der besagte Auftritt im "Nachtmagazin". Ab 2012 springt Zamperoni immer mal wieder als Vertretung bei den "Tagesthemen" ein. Anfang 2014 wird er ARD-Korrespondent in Washington, jetzt kehrt er zurück nach Deutschland – und wird mit 42 Jahren bisher jüngster "Tagesthemen"-Kopf. Zamperonis Kommentar zur neuen Position: "Von einem Traumjob zum nächsten".

"Es ist nur Fernsehen, keine Gehirnchirurgie"

Nervosität und Anspannung? Wenn er überhaupt so etwas verspürt, merkt man es ihm nicht an. "Es ist nur Fernsehen, keine Gehirnchirurgie – niemand stirbt", lautet das Credo des Überfliegers, das er von seinem amerikanischen Professor übernommen hat. Dank dieser Einstellung schafft es der 1,95 Meter-Mann, auch Aufregung rund um seine Person gelassen zu nehmen. Denn so seriös seine Aufgabe ist, so groß scheint die Hysterie um ihn, den Newcomer.

Ein "Tagesthemen"-Moderator mit Bart?

Nach dem EM-Skandälchen sorgte er Ende 2013 erneut für Aufsehen. Tagesthema dieses mal, kein Scherz: Sein Bart! Rege diskutiert wurde nun die Frage: Ist ein Vollbart adäquat für einen seriösen Nachrichten-Moderator? Dabei hatte Zamperoni sich einfach nur im Urlaub nicht rasiert! Der Bart kam wieder ab. Was auch seine Kinder freute: Das Zwillingspärchen, 8, und seine Tochter, 5, mochten das kratzige Zeug in Papas Gesicht nämlich damals auch nicht.

Ingo Zaperoni ist dreifacher Papa

Mit den Kids und seiner Frau, einer Amerikanerin, die er beim Studium in Boston kennenlernte, wohnte der Journalist vor dem Umzug nach Washington im Hamburger Stadtteil Eimsbüttel. Zurzeit sucht die Familie noch nach einem neuen Haus, das dann Anfang 2017 bezogen werden soll. So leidenschaftlich Zamperoni seinen Beruf ausübt, so leidenschaftlich ist er Vater. Selbst nach langen nächtlichen Arbeitseinsätzen bringt Papa die Kinder morgens zur Schule und in die Kita – ganz leger und völlig uneitel in Jeans, Pulli und gern auch mal in praktischer Allwetterjacke. Den schicken Anzug trägt er nur im Fernsehen.

Italienisch, Englisch und manchmal Deutsch

Anweisungen wie "schließ’ den Roller an" gibt er dem Nachwuchs dabei immer auf Italienisch, seine Frau spricht mit ihnen Englisch. Sind alle zusammen, wird oft auch die dritte Familiensprache gesprochen: Deutsch. Zurück in Hamburg heißt es nun erst einmal: wieder eingewöhnen im neuen, alten Heimatland. Im Interview mit der "taz" wurde der Heimkehrer kürzlich gefragt, wie es für ihn denn sei, die Zelte in den USA nach recht kurzer Zeit abzureißen und in Deutschland wieder neu aufzubauen? Ingo Zamperoni antwortete: "Das hält jung." Alles ganz entspannt halt. Und den Blick immer nach vorn.

Stefanie Böhm Gala

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