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Ines Lutz Über die neue "Bergdoktor"-Staffel: "Das ist ein sehr brisantes Thema"

Ines Lutz
Ines Lutz
© Getty Images
Ines Lutz verrät im Gespräch mit GALA, wie sie sich auf die aktuelle Staffel "Der Bergdoktor" vorbereitet hat, welchen Rat sie von Hannelore Elsner bekam und wieso sie ihr erstes Staatsexamen gemacht hat, obwohl sie nie Juristin werden wollte.

Ines Lutz, 37, hat einen bemerkenswerten Lebenslauf: Internationales Abitur in Oxford, Rechtswissenschaften-Studium in München, Schauspielstudium an der Folkwang-Hochschule in Essen und Ausbildung an der beliebten Deutschen Journalistenschule in München.

Ines Lutz über "Der Bergdoktor"

Doch es war immer ihr Traum, Schauspielerin zu werden. "Ich habe das erste Staatsexamen gemacht, weil ich große Angst vor dem Schauspielberuf hatte", erzählt Ines Lutz im Gespräch mit GALA.  "Ich wollte alle – inklusive mir – beruhigen, obwohl ich nicht wirklich vorhatte, als Juristin zu arbeiten." Die zweite Hälfte ihrer Ausbildung an der Schauspielschule bezeichnet sie heute als "grausame Zeit". "Wenn Seelen geöffnet werden, gibt es kein geschultes Personal, dass die jungen Menschen wieder auffangen kann", kritisiert die Schauspielerin. Bereuen tut sie die Zeit trotzdem nicht, immerhin steht sie heute seit über acht Jahren für "Der Bergdoktor" vor der Kamera. Wieso ihr die aktuelle 14. Staffel besonders wichtig ist, verrät sie im GALA-Interview.

Seit acht Jahren spielen Sie die Rolle der Anne Meierling bei "Der Bergdoktor". Gab es Entwicklungen, mit denen Sie sich schwergetan haben?
Ich spiele nun schon seit vielen Jahren Liebesgeschichten und in dieser Zeit ist es mir immer wichtiger geworden, dass die Geschichten eine gewisse Tiefe haben und es nicht nur darum geht, ob der Prinz seine Prinzessin bekommt. Und das ist uns in der aktuellen Staffel sehr gut gelungen.

In der aktuellen Staffel geht es um ein gesellschaftlich ziemlich wichtiges Thema …
Genau, Anne steht vor einem großen Problem: Sie kann nicht Mutter werden. Und das stellt ihre Liebe zu Martin auf eine ganz andere Probe. Das ist ein sehr brisantes Thema. Die Jahre einer Frau zwischen Ende 20 und Anfang 40 verdichten sich immer mehr und in dieser Zeit müssen Frauen alles hinkriegen: Ihre Karriere sowie ihre Familienplanung. Es ist immer noch so, dass in unserer Gesellschaft viel über die Gebärfähigkeit und das Muttersein an sich geurteilt wird. Ich glaube, dass sich Frauen, die sich freiwillig dagegen entscheiden, ein Kind zu bekommen, immer noch ständig rechtfertigen müssen oder von anderen mitleidig betrachtet werden. Da scheint es auch heute noch keine Freiheit zu geben. Manchmal glaube ich, dass eine Frau gar nicht unabhängig davon beurteilt wird, ob sie Mutter ist oder nicht.

Die Geschichte von Anne und Martin Gruber ist geprägt von vielen Höhen und Tiefen. Würden Sie Anne eher einen anderen Typ Mann wünschen?
Ich wünsche mir für Anne, dass sie sich wegen ihrer Diagnose nicht von Martin abhängig macht oder sich deswegen schwächer fühlt.

Was ist Ihnen in dieser Staffel besonders wichtig?
Ich hoffe sehr, dass sich Frauen, die sich in einer ähnlichen Situation wie Anne befinden, von unserer Erzählweise ernst genommen fühlen. Das ist mein wichtigstes Anliegen.

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Wieso?
In einem gewissen Lebensalter fragen sich Frauen ständig gegenseitig, ob sie Kinder haben oder noch haben wollen. Das sind sehr indiskrete Fragen. Vor allem Frauen, die keine Kinder wollen oder bekommen können, wird durch solche Fragen oft zu nahegetreten. Ich versuche, andere Frauen nach solchen Dingen nicht zu fragen. Es erfordert Vertrauen, über diese Themen zu sprechen.

Wie haben Sie sich auf die aktuelle Staffel vorbereitet?
Ich habe in den letzten Jahren mit vielen Frauen und vor allem mit älteren Frauen gesprochen – ich unterhalte mich grundsätzlich gerne mit alten Menschen. Deswegen habe ich mittlerweile einen recht großen Erfahrungsschatz, aus dem ich immer wieder schöpfen kann. Nicht als Schauspielerin, sondern als Mensch. Wir müssen den Alten viel mehr zuhören, das merke ich immer wieder. Es ist ziemlich dumm, auf die Meinung von hochbetagten Menschen zu verzichten.

Ines Lutz: Was Hannerlore Elsner ihr geraten hat

Welcher Rat ist Ihnen im Gedächtnis geblieben?
Als ich noch recht jung war, hat Hannelore Elsner mir gesagt: "Ines merke dir, sei niemals neidisch auf andere – sonst wirst du in diesem Beruf nicht glücklich". Und ich glaube, das ist ein ziemlich guter Tipp, nicht nur für die Schauspielerei, sondern für das ganze Leben.

Können die "Bergdoktor"-Fans damit rechnen, dass Sie den Bergen auch in den nächsten Jahren erhalten bleiben?
Das weiß ich noch nicht, das kommt darauf an, wie sich die Geschichte weiterentwickelt.
Gibt es denn eine Entwicklung, die Sie nicht mehr vertreten könnten?
Ja, wenn Anne sich jetzt aufgrund ihrer Gebährunfähigkeit zu sehr von Martin abhängig machen würde und ihm ständig dankbar dafür ist, dass er bei ihr bleibt, obwohl sie keine Kinder bekommen kann. Das fände ich nicht gut, es schauen einfach zu viele Menschen diese Serie und so ein Rollenbild sollte man nicht vermitteln. Anne darf sich auf keinen Fall klein machen!
Gibt es etwas, was sie von Anne übernommen haben? Oder umgekehrt: Steckt etwas von Anne mittlerweile in Ihnen?
Nein. In den letzten acht Jahren ist so viel in meinem Leben passiert, die Rolle bei "Der Bergdoktor" ist nur ein Mini-Teil von all dem. Ich verbringe innerlich nicht viel Zeit mit der Rolle.
Annes (Ines Lutz, M.) und Martins (Hans Sigl, 2.v.r.) großer Tag. Lisbeth (Monika Baumgartner, 2. v. l.) Lilli (Ronja Forcher, r.) und Hans (Heiko Ruprecht, l.) freuen sich für die beiden. "Der Bergdoktor: Atemlos" am 4. März um 20:15 Uhr im ZDF.
Annes (Ines Lutz, M.) und Martins (Hans Sigl, 2.v.r.) großer Tag. Lisbeth (Monika Baumgartner, 2. v. l.) Lilli (Ronja Forcher, r.) und Hans (Heiko Ruprecht, l.) freuen sich für die beiden. "Der Bergdoktor: Atemlos" am 4. März um 20:15 Uhr im ZDF.
© ZDF/Erika Hauri
Sie haben Rechtswissenschaften in München studiert. Könnten Sie sich vorstellen, irgendwann als Anwältin zu arbeiten?
Auf keinen Fall! Ich habe das erste Staatsexamen gemacht, weil ich große Angst vor dem Schauspielberuf hatte. Ich wollte schon immer Schauspielerin werden, nur war das damals in meiner Familie kein besonders angesehener Beruf. Deswegen habe ich erstmal das Sicherste studiert, was man in Deutschland so machen kann. Ich wollte alle – inklusive mir – beruhigen, obwohl ich nicht wirklich vorhatte, als Juristin zu arbeiten.
Warum?
Weil es sowieso immer mein Traum war, Schauspielerin zu werden, und weil mich das Studium in Eigenschaften von mir bestätigt hat, die ich nicht mag.
Zum Beispiel?
Ich bin manchmal sehr streitlustig. Und das will ich nicht sein.
Ist Ihre Familie mittlerweile von Ihrem Beruf überzeugt?
Ja, mittlerweile ist es in Ordnung, meine Eltern hatten einfach Angst um mich – die Schauspielerei ist eine harte Branche. Aber ich mache den Beruf nun schon seit 20 Jahren und lebe davon, ich brauchte nie finanzielle Unterstützung von meiner Familie.

"Schauspielschulen sind nicht immer gute Orte"

Gab es in den letzten 20 Jahren denn einen Moment, in dem Sie selbst an Ihrer Berufswahl gehadert haben?
Ja, an der Schauspielschule. Die zweite Hälfte der Ausbildung war eine grausame Zeit. Was da passiert ist, ist wahnsinnig unschön. Da habe ich oft an meiner Entscheidung gezweifelt. Aber davor und danach habe ich es immer geliebt.
Grausame Zeit?
Schauspielschulen sind nicht immer gute Orte. Es gibt viele Dozenten, die keine pädagogische Ausbildung haben, und wenn Seelen geöffnet werden, gibt es kein geschultes Personal, dass die jungen Menschen wieder auffangen kann. Das ist nicht Ordnung.
Würden Sie sich heute gegen eine Schauspielschule entscheiden?
Nein, ich finde Schauspielschulen wichtig, dort lernt man sein Handwerk ganz genau. Und das ist einer Branche, in der es so wenig Handfestes gibt, sehr gut. Aber es muss sich etwas an unserem Schauspielschulsystem ändern. Ich würde mich wahrscheinlich wieder dafür entscheiden, weil es mich stärker gemacht hat. Aber wäre ich nicht so ein starker Mensch, wäre ich dort wahrscheinlich kaputt gegangen.
Wie haben Sie das letzte "Pandemie-Jahr" erlebt?
Ich habe gemerkt, wie viel Glück ich habe und bin deswegen sehr solidarisch mit den Kolleginnen und Kollegen, die jetzt an ihrer Existenz knabbern. Aber mir ist auch klargeworden, in was für einer Blase die Kunstwelt lebt. In genau diesen Zeiten sind wir nicht systemrelevant – obwohl wir es eigentlich sein sollten. Deswegen haben sich ja auch viele Kolleginnen und Kollegen ein zweites Standbein oder einen Plan B aufgebaut, den muss man auch haben. In unserem Beruf weiß man nie, was morgen passiert.
Und was ist Ihr Plan B?
Ich bin Journalistin, ich war auf der Deutschen Journalistenschule in München.
Verwendete Quellen: eigenes Interview
Gala

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