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Ines Anioli "Wenn ich mir vorstelle, dass mich ein Mann intim berührt, spannt sich jede Faser meines Körpers an"

Ines Anioli
Ines Anioli
© Lina Tesch
Ines Anioli schafft es, Menschen zum Lachen und gleichzeitig zum Grübeln zu bringen. Die Komikerin bricht Tabus. Im GALA-Interview spricht sie schonungslos ehrlich über die Zeit, in der sie sich selbst verloren hat. Ein Gespräch, das unter die Haut geht.
Auf der Bühne ist Ines Anioli laut und lustig, ihr derber, ehrlicher Humor ist ansteckend. Am Telefon ist die Wahlberlinerin leiser und nachdenklicher, aber genauso ehrlich wie in ihren Shows.

Ines Anioli: "Ich habe mich ziemlich schnell manipulieren lassen"

Ines Anioli spricht Tabu-Themen an, die eigentlich keine Tabu-Themen sein sollten. In ihrem früheren Podcast "Besser als Sex" (Anm. d. Red.: Der Podcast wurde im August 2019 eingestellt) sprachen sie und ihre Freundin Leila Lowfire schonungslos ehrlich über Männer, Dates und Bettgeschichten, in ihrem neuem "Spotify Original"-Podcast "Me-Time" (ab sofort jeden zweiten Samstag exklusiv auf Spotify) spricht Ines Anioli über das, was sie seit über einem Jahr begleitet: ihre toxische Beziehung. "Wenn ich mit meiner Geschichte sensibilisieren oder sogar helfen kann, habe ich schon gewonnen. Ich wünsche niemandem das, was ich in der Vergangenheit erlebt habe", sagt Anioli im Interview mit GALA und verrät, wie sie gespürt hat, dass sie in einer toxischen Beziehung steckt.
GALA: Sie sind Profi im Podcasten, Ihr letzter Podcast "Besser als Sex", den Sie zusammen mit Leila Lowfire gehostet haben, war super erfolgreich. Warum haben Sie sich entschieden, von nun an Ihren eigenen Podcast "Me-Time" zu machen?
Ines Anioli: Ich liebe die Podcast-Welt einfach und wollte schon immer genau in diese Richtung gehen. Mit "Besser als Sex" wollte ich nie aufhören, ich konnte nur nicht mehr über das Thema, das mich so sehr belastet, sprechen. Und jetzt habe ich mir ein Thema gesucht, das mich extrem beschäftigt.
Toxische Beziehungen.
Genau. Ich habe das Thema schon in "Besser als Sex" angesprochen und unglaublich viel Feedback von Betroffenen bekommen. Und weil ich weiß, wie alleine man sich in so einer Situation fühlt, ist es mir ein Bedürfnis, Menschen zu helfen, denen das gleiche passiert ist. Ich weiß, wie es ist, wenn sich Sekunden auf einmal wie Tage anfühlen und man aus dieser Opferrolle nicht mehr rauskommt.

"Ich habe Rotz und Wasser geheult"

Was hat Ihnen geholfen?
Körperliche Arbeit. Ich habe in meinen Therapiesitzungen viel geredet und mir wurde Hunderte Male gesagt, dass ich besser auf mich und meinen Körper aufpassen muss und nicht jedem direkt vertrauen darf. Aber dann passiert mir sowas wieder. Nach einer Stunde therapeutischem Boxen ging es mir zum Beispiel richtig schlecht, ich habe Rotz und Wasser geheult und mich zudem noch an der Hand verletzt. Ich würde es nicht wieder machen, aber es hat mir rückblickend extrem geholfen.
Inwiefern?
Ich musste vier Wochen lang eine Schiene tragen. Aber das war nur halb so wild, der seelische Schmerz war viel viel schlimmer. Und in diesem Moment habe ich gemerkt, dass ich nicht nur ein seelisches, sondern auch ein körperliches Trauma habe.
Wie haben Sie gemerkt, dass Sie in einer toxischen Beziehung stecken?
Mittlerweile weiß ich, dass ich das von Anfang an gespürt habe, allerdings habe ich die Signale meines Körpers ignoriert.

"Ich habe mir einreden lassen, dass ich an allem schuld bin"

Woran lag das?
Ich habe mich von meinem Ex-Freund ziemlich schnell manipulieren lassen. Und ihm leider jede Entschuldigung sofort geglaubt. Erst heute weiß ich, wie wahnsinnig das alles war! Aber wenn man selber drinsteckt, ist man nicht mehr objektiv. Ich habe mich komplett verloren und mit niemandem mehr gesprochen, das war wahrscheinlich mein größter Fehler. 
Sie haben alles in sich hineingefressen …
Ja, und mir einreden lassen, dass ich an allem schuld bin und deswegen bestraft werden muss. Ich habe mich irgendwann einfach nicht mehr getraut, meinen Mund aufzumachen. Das ist dieser beschissene Teufelskreis!
Trotzdem haben Sie sich getrennt.
Und ich weiß bis heute nicht, woher ich die Kraft genommen habe, dieses Kapitel für immer zu schließen. Vor der Trennung bin ich mit meinem "Cumedy"-Programm auf Tour gegangen. Dadurch ist ein großer Traum von mir in Erfüllung gegangen. Meine Therapeutin vermutet, dass das positive Feedback meiner Zuschauer mein Selbstbewusstsein gestärkt und mir geholfen hat. Erst dadurch habe ich gemerkt, dass nicht alles falsch ist, was ich mache.
Hätten Sie sich damals vorstellen können, Ihre Erlebnisse mit der Öffentlichkeit zu teilen?
Ich hätte nie gedacht, dass ich irgendwann öffentlich darüber sprechen kann. Jetzt tue ich es, weil ich einen Podcast wegen dem, was mir passiert ist, beenden musste und das Thema seitdem ein großes Kapitel meines Lebens ist. Und wenn ich mit meiner Geschichte sensibilisieren oder sogar helfen kann, habe ich schon gewonnen. Ich wünsche niemandem das, was ich in der Vergangenheit erlebt habe.

Ines Anioli: Bereit für eine neue Beziehung?

Haben Sie nach der Trennung nochmal mit ihrem Ex-Freund gesprochen?
Eigentlich finde ich ein klärendes Gespräch immer wichtig – in Freundschaften sowie in Beziehungen. Natürlich funktioniert das nicht, wenn die Wunden noch ganz frisch sind, aber wenn sich die Situation etwas entspannt hat, kann eine Aussprache wahre Wunder wirken - normalerweise. Bei meinem Ex-Freund und mir hat das leider nicht geklappt. 
Daten Sie mittlerweile wieder?
Nein, dafür bin ich noch nicht bereit. Trotzdem bin ich von Menschen wahnsinnig fasziniert, vor allem von tollen Frauen. Ich bin nicht auf einmal lesbisch oder bisexuell geworden, ich habe einfach immer noch keine Lust, mit einer Person körperlich zu werden. Wenn ich mir nur vorstelle, dass mich ein Mann intim berührt, spannt sich jede Faser meines Körpers an.
Verwendete Quellen:eigenes Interview
Gala

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