Ines Anioli: "Wenn Corona letztes Jahr passiert wäre, hätte ich mich komplett verloren"

Ines Anioli wird von ihren Fans für ihren derben Humor gefeiert. Im GALA-Interview zeigt die Komikerin auch ihre ernste Seite und verrät, warum sie so dankbar ist, dass die Coronapandemie nicht im letzten Jahr ausgebrochen ist.

Ines Anioli

Als kleines Mädchen wollte Ines Anioli Friseurin werden, heute ist die gebürtige Duisburgerin durch den Podcast "Besser als Sex" (Anm. d. Red.: Der Podcast wurde im August 2019 eingestellt) deutschlandweit bekannt und füllt als erfolgreiche Komikerin mit ihrer "Cumedy"-Tour große Hallen. Und im November startet bereits ihr zweites Programm: "Goddess".

Doch von Starallüren ist trotz ihres Erfolges keine Spur. Im Gegenteil: Schon nach wenigen Minuten (Anm. d. Red: Das Interview wurde am 14. Mai telefonisch geführt) hat man das Gefühl, mit einer Freundin zu telefonieren: Ines Anioli schafft es, ihr Gegenüber in nur wenigen Sekunden zum Lachen zu bringen. Oder zum Grübeln. Im Interview mit GALA verrät die Komikerin, wieso sie vor einigen Jahren beim Radio rausgeflogen ist, was Jared Leto mit ihrer Kündigung zu tun hat und wie sich die Coronapandemie bisher auf ihre berufliche Existenz ausgewirkt hat.

Ines Anioli ist froh, Single zu sein

GALA: Frau Anioli, in einer der letzten Folgen Ihres Podcasts "Besser als Sex" haben Sie über Ihre Erfahrung mit toxischen Beziehungen gesprochen. Aktuell sind Sie Single, richtig?
Ines Anioli: Ja!

Und fühlen Sie sich in der aktuellen Krise manchmal einsam oder sind Sie froh, alleine zu sein?
Ich bin ehrlich gesagt sehr dankbar, dass Corona in diesem Jahr stattfindet und nicht im letzten. 2019 steckte ich in einer toxischen Beziehung, es wurden Grenzen überschritten und ich habe sehr gelitten.

Wenn Corona letztes Jahr passiert wäre und ich diese Quarantäne-Zeit mit meinem Ex-Partner verbracht hätte, hätte ich mich komplett verloren und weiter von ihm abhängig gemacht. Darüber denke ich im Moment sehr viel nach.

Mir blutet immer wieder das Herz, wenn ich an die vielen Frauen denke, die zum Beispiel Opfer häuslicher Gewalt sind und im Moment mehr denn je unter ihrem Partner leiden. Ich weiß, wie hilflos man sich fühlt. Also ja, ich bin mehr als froh, aktuell Single zu sein!

Sie mussten Ihre Tour auf August/September verschieben. Glauben Sie, dass Sie die Termine spielen können?
Ja, seit ein paar Tagen glaube ich wieder daran. Davor waren sich alle aus meinem Freundeskreis sicher, dass dieses Jahr niemand mehr auf der Bühne stehen wird. Aber seit den Lockerungen in den letzten Wochen habe ich das Gefühl, dass es wirklich klappen könnte. Ich bin aber auch ein Mensch, der viel Hoffnung in sich trägt – obwohl ich versuche, immer realistisch zu bleiben. Ich mag es nicht, große Enttäuschungen zu erleben.

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"Ich bin hollywoodmäßig ausgeflippt"

Können Sie sich noch an den Moment erinnern, in dem Sie erfahren haben, dass Ihre Tour verschoben werden muss?
Ja, am Anfang war das ein komplettes Drama für mich. (lacht) Ich bin hollywoodmäßig ausgeflippt, habe nur geheult und alles schwarzgesehen. Ich dachte wirklich, dass jetzt alles vorbei ist und ich nie wieder auf der Bühne stehen kann. Schließlich bin ich für mein Publikum selber verantwortlich, ich erreiche meine Fans ausschließlich über Instagram und bin nicht an irgendwelche Ticketstellen, Medien etc. gebunden.

Und wie wäre es, in einem Autokino aufzutreten?
Am Anfang habe ich immer gesagt: "Ich mache alles, Hauptsache ich kann wieder auf der Bühne stehen." Mittlerweile glaube ich allerdings, dass das vor allem für Comedy-Programme schwierig ist.

Eine Show ohne Lacher? Ohne die Gesichter der Menschen? Ein Publikum aus Windschutzscheiben? Das stelle ich mir extrem schwer vor.

Fühlen Sie sich als Künstlerin von der Politik ausreichend unterstützt?
Wir leben in Deutschland trotz allem in einer sehr luxuriösen Situation, hier wird jeder unterstützt. Ich war selber schon mal in dieser Situation, als ich damals beim Radio rausgeflogen bin. 

Ines Anioli: Was Jared Leto mit ihrer Kündigung zu tun hat

Sie sind beim Radio rausgeflogen?
Ja, ich habe On-Air "Jared Leto, do you wanna lick my clito?" gesagt. (lacht) Das war beim GQ-Award in Berlin und ich war total aufgeregt, weil das meine erste offizielle Einladung war. Und ich dachte, dass mich mein Radiosender für meinen etwas derberen und offenen Humor feiert und ich sowas einfach sagen kann. Aber war leider nicht so. Und Jared Leto hat es auch nicht mitbekommen. Mist. (lacht)

Vielleicht treffen Sie ihn ja irgendwann nochmal …
Das wäre schön! Dann machen wir ein Selfie mit meiner Abmahnung.

Ines Anioli und ihr Hund Henry.

Haben oder hatten Sie deswegen mit Existenzängsten zu kämpfen?
Was das Wirtschaftliche betrifft: Ja, auf jeden Fall! Allein die Technik meiner Tour kostet schon ein kleines Vermögen und da sind natürlich Kosten entstanden – egal, ob Termine gespielt werden oder nicht. Aber zum Glück habe ich neben meiner Tour noch meinen Instagram-Kanal und mein Label "smalltitsclub", deswegen war es für mich persönlich nicht ganz so dramatisch. Viel schlimmer war für mich einfach die Tatsache, dass ich nicht auf der Bühne stehen und das präsentieren kann, wofür ich so lange so hart gearbeitet habe.

Wie viel Humor verträgt die Krise?

Andere Künstlerinnen und Künstler sind seit Ausbruch des Virus deutlich aktiver auf Instagram als vorher, manchmal hat man als Zuschauer das Gefühl, dass sie unter einem gewissen Bestätigungsentzug leiden. Können Sie das nachvollziehen?
Ich will mich von diesem Gefühl überhaupt nicht frei machen, aber ich habe mich auch sehr viel mit Narzissmus beschäftigt und auch in meinem Umfeld gibt es Menschen, die sehr narzisstisch sind. Deswegen finde ich dieses Bestätigt-Werden-Wollen durch Instagram-Follower auf Kosten anderer etwas schwierig. Für mich ist das Feedback meiner Freunde viel essentieller. Trotzdem ist es natürlich schön, auf der Bühne zu stehen und Applaus zu bekommen. Allerdings nicht um jeden Preis. Vielleicht ist das aber auch eher ein Männerding, weil die ganzen Groupies aktuell nicht aufs Hotelzimmer kommen können. (lacht)

"Ich habe den "small tits club" gegründet, weil ich stolz auf meine Mäusefäustchen bin und sie nicht verstecken möchte", so Ines Anioli über ihr Label "smalltitsclub".

Würden Sie die Coronapandemie mit in Ihr Programm aufnehmen oder gehört die Krise nicht auf die Bühne?
Ich glaube, das muss ich spontan entscheiden, je nachdem wie der Stand im September ist. Vielleicht ist das Thema aber auch dann schon so durchgekaut, dass niemand mehr 15 Minuten lang schlechte Corona-Gags hören will. (lacht)

Wie viel Humor verträgt die Krise?
Humor hilft mir eigentlich immer, wenn es mir schlecht geht. Das ist wie eine Art Heilungsprozess für mich. Aber über eine Pandemie Witze zu machen, finde ich schwierig. Obwohl ich glaube, dass es sich die bekannten Comedy-Gesichter nicht nehmen lassen, die Krise in ihr Programm aufzunehmen.

Verwendete Quellen: eigenes Interview

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