Howard + Wayne Carpendale Der Kitsch-Kampf

Wayne carpendale, Howard carpendale
© Picture Alliance
Howard Carpendale und sein Sohn Wayne drehen erstmals gemeinsam einen Film - und spielen Vater und Sohn. Dabei wollen sie eigentlich weg vom Kitsch-Image

Howard und Wayne Carpendale sind in ihrem Element: Aus braun gebrannten Gesichtern lächeln Vater und Sohn geübt in die Kameras, der Wind bläst ihnen durchs Haar, im Hintergrund ist der Yachthafen Finkenwerder im Sonnenlicht zu sehen. Die Carpendales haben zum Pressetermin geladen, es geht um ein gemeinsames Filmprojekt. Noch bis zum 28. April wird der ARD-Film "Lebe dein Leben" in Hamburg gedreht, es ist der erste gemeinsame Streifen der beiden.

In dem Familiendrama spielen Howard und Wayne Vater und Sohn. "Wir haben einige Angebote bekommen, die wir abgelehnt haben. Wayne und ich haben einen Horror vor Peinlichkeiten. Das letzte was wir wollen, ist einen Kitschfilm zu drehen, von dem alle sagen: 'Das haben wir erwartet'," erzählt der 65-jährige Howard mit seinem typischen Akzent.

Doch ob dieser Film ausgerechnet die beste Wahl im Kampf gegen den Kitsch war, bleibt abzuwarten. "Lebe dein Leben" scheint dem Titel nach eben das zu sein, was alle erwarten. Die Geschichte hört sich bekannt an: Der Vater war früher ein erfolgreicher Geschäftsmann und lebt nun ein freies Leben in Florida, der Sohn arbeitet hart für das Familienunternehmen. Auch der Sänger Howard Carpendale ("Ti Amo") lebt mit seiner Lebensgefährtin Donnice Pierce und dem gemeinsamen Sohn Cass im sonnigen Florida, während Wayne in Deutschland an seiner Schauspielkarriere bastelt. Im Film kommt eine rührige Wendung hinzu, in der die Mutter über ihren Tod hinaus die Bedingungen für eine Versöhnung des zerstrittenen Vater/Sohn-Gespanns sorgt.

Doch trotz der klischeebehafteten Prämisse betont Howard, dass der Film Potenzial hat und auch Actionszenen nicht zu kurz kommen. "Ich hatte vorgestern einen schweren Tag, weil Wayne mindestens eine halbe Stunde lang 30 Meter über dem Boden hing - an einer Hand, gesichert durch ein dünnes Seil. Als Vater hat man da Angst," berichtet er vom Dreh. Der Sänger kommt ins Erzählen und beschreibt eine Episode, als Wayne im Alter von etwa zwölf Jahren plötzlich in South Carolina verschwunden war. "Wir haben ein Fahrradrennen gemacht und ich hatte ihn zu weit abgehängt. Wir haben überall nach ihm gesucht, bis er nach einer Stunde seelenruhig wieder auftauchte – er hatte sich verfahren. Da hatte ich sehr große Angst um ihn."

Vater und Sohn zu Gast in Hamburg: Wayne und Howard Carpendale am Yachthafen von Finkenwerder.
Vater und Sohn zu Gast in Hamburg: Wayne und Howard Carpendale am Yachthafen von Finkenwerder.
© Picture Alliance

Überhaupt gibt sich Howard Carpendale sympathisch entspannt im Umgang mit den Medien. Der 34-jährige Wayne wirkt jedenfalls um einiges vorsichtiger und verschlossener. Er habe eine tolle Kindheit gehabt und schätze an seinem Vater dessen Bodenständigkeit, gibt er zu Protokoll. Howard findet hingegen persönlichere Worte über seinen Sohn: "Ich habe unendlich viel von meinem Sohn gelernt. Er hat mir einmal, als es mir sehr schlecht ging, eigentlich das Leben gerettet. Nicht im physischen Sinn. Aber in einer Phase, als ich ihn dringend brauchte, war er da und hat geholfen."

Gibt es zwischen den beiden eigentlich nie Streitereien? "Um Gottes Willen! Wir stehen nicht morgens auf und singen 'Deine Spuren im Sand'! Natürlich reiben wir uns manchmal. Aber die fette Rebellion habe ich ausgelassen", sagt Wayne in Anspielung auf den Hit seines Vaters von 1975. "Fast zu schön, um wahr zu sein", fügt Howard beinahe entschuldigend hinzu. Die Carpendales können sich wohl nicht helfen: Ein bisschen Kitsch schwingt immer mit.

Sarah Stendel

gala.de


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