Hillary Clinton: "Das war ein sehr schmerzhaftes Kapitel in meinem Leben"

Ex-US-Außenministerin Hillary Clinton spricht exklusiv mit Frauke Ludowig über Lob und harte Kritik - und Monica Lewinsky. 

So eine Interview-Situation erlebt man nur selten. Vor dem Haus der Berliner Festspiele hat die Polizei alles abgeriegelt. Drinnen kümmern sich Secret-Service-Agenten um absolute Sicherheit. Die ehemalige US-Außenministerin Hillary Clinton, 72, ist in der Hauptstadt, um während der Berlinale die vierteilige Dokumentation "Hillary" (ab 8. März auf Sky) vorzustellen.

Nachgezeichnet wird ihr Leben von der Kindheit bis zur Präsidentschaftswahl 2016, die sie gegen Donald Trump verlor. In der Doku kommt auch ihr Ehemann, Ex-Präsident Bill Clinton, 73, zu Wort. Er spricht unter anderem über seine Affäre mit Monica Lewinsky, die Praktikantin im Weißen Haus. Warum Hillary Clinton diese Doku unbedingt wollte, erzählt sie Frauke Ludowig, die als Einzige eine Privataudienz bei ihr erhielt.

Hillary Clinton exklusiv im Interview

Frauke Ludowig: Frau Clinton, ich freue mich wirklich, Sie zu treffen!
Hillary Clinton: Ich mich auch. Und ich mag Ihren Hosenanzug, der ist wirklich toll.

Ich habe mein Handy dabei. Ich hoffe, es ist okay, wenn wir später noch ein Foto machen?
(lacht und nickt energisch) Na, aber natürlich.

Im Vorfeld der Dokumentation haben Sie gesagt, dass es keine Tabus geben darf. Ist Ihnen das schwergefallen?
Ja. Aber ich habe gefühlt, dass Nanette die Person ist, die meine Geschichte erzählen kann. (Nanette Burstein ist die Regisseurin der Doku; Anm. d. Red.) Ich wollte ihr dabei helfen, den besten Job zu machen. Das heißt nicht, dass es einfach für mich war. Ich wurde für die Doku 35 Stunden interviewt - über sehr private Dinge, öffentliche Dinge, politische Geschehnisse. Dafür braucht man Energie. (lacht) Und sehr viel Konzentration. Aber ich habe ihr ein­fach vertraut.

Hillary Clinton

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Hillary Clinton sprach auf er Berlinale nicht nur über ihre neue Doku-Serie.

"Ich bin nicht perfekt. Das habe ich auch nie gesagt"

Ich mag sehr, was Sie in der Doku über Ihren Grabstein sagen.
(lacht) Ja, da könnte mal stehen: "Sie war weder so gut noch so schlecht wie die Menschen dachten!"

Was meinen Sie damit?
Wissen Sie, ich bin geradezu verschwen­derisch als eine Art Ikone und Vorbild hochgelobt worden. Dafür bin ich auch dankbar. Auf der anderen Seite wurde ich aber auch kritisiert und zum Böse­wicht gemacht. Über mich wurden schlimme Dinge gesagt. Dabei bin ich einfach nur ein Mensch wie jeder andere. Ich bin nicht perfekt! Das habe ich auch nie gesagt. Ich versuche ein Leben zu leben - mit einer Absicht. Und ich versuche, Veränderungen her­beizuführen für Menschen, die einen Fürsprecher brauchen. Meine Aussage über den Grabstein war scherzhaft gemeint. Im Sinne von: Es gibt dieses totale Lob da oben, aber auch diese totale Kritik da unten. Und nichts davon kann mich als Menschen wirk­lich erfassen.

"Er wusste genau, was er tat, als er mich bekämpfte und Donald Trump unterstützte"

Was würden Sie sagen, ist das größte Missverständnis, wenn es um Ihre Person geht?
Das hört sich jetzt bestimmt lustig an, aber ich denke, gerade die Menschen, die mich am meisten kritisieren, miss­verstehen mich überhaupt nicht! Zum Beispiel Wladimir Putin. Er wusste genau, was er tat, als er mich bekämpfte und Donald Trump unterstützte. Er wusste, dass ich mich für Amerika und Europa einsetze und deren Verbindung. Das wollte er aber nicht. Er hat mich ganz sicher nicht missverstanden, aber er war ein Experte darin, falsche Informationen über mich zu streuen. Die Menschen, die mich kritisieren, können nicht wirklich kritisieren, dass ich mich für ein Gesundheits­system für alle einsetze. Sie wussten, dass ich das tun werde. Was diese Menschen aber sehr effektiv getan haben, ist eine Art Karikatur von mir zu erschaffen. Auf eine sehr perfide Art und Weise.

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©Gala

An einem Punkt in der Doku wird es sehr persönlich. Dabei geht es um Monica Lewinsky, mit der Ihr Mann eine Affäre hatte. Wie wichtig war es Ihnen darüber zu sprechen?
Das war sehr emotional. Schließlich ging es um ein sehr schmerzvolles Kapitel in meinem Leben und meiner Ehe. Aber wie hätte man die Geschichte meines Lebens erzählen können, ohne mich danach zu fragen? Es gab keine Tabus, alles sollte auf den Tisch. Zu antworten war eine Herausforderung, aber ich will, dass die Menschen da draußen erfahren, dass es eine schmerzhafte Phase war - allerdings eben auch Teil eines langen Lebens und einer langen Ehe.

"Das hat mir sehr viel Mut abverlangt"

Sie sagen: "In dieser Ehe zu bleiben, war die mutigste Entscheidung, die ich je gefällt habe." Warum?
Wenn eine Ehe vor so einer Heraus­forderung steht, dann ist es einfach schwer zu wissen: Wie verhält man sich denn jetzt richtig? Ich lebe jetzt schon lange genug und habe Freunde, die ähnliche Probleme in ihrer Ehe hatten. Einige sind geblieben, andere gegangen. Man kann nur selbst wissen, wie man sich in so einer Situation verhält. In meiner Ehe zu bleiben, daran zu arbei­ten und Teil dieser Verbindung zu sein und wieder nach vorne zu gehen - das hat mir sehr viel Mut abverlangt. Ja, es war mutig. Aber ja, es war die richtige Entscheidung für mich.

War es einfach oder schwer, Ihren Mann Bill Clinton davon zu überzeugen, in der Doku auch über dieses Thema zu sprechen?
Das war sehr hart! Aber ich denke, es war auch für ihn die richtige Ent­scheidung.

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