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Henriette Richter-Röhl über "Sturm der Liebe" "Ich hatte überhaupt kein Privatleben"

Henriette Richter-Röhl
Henriette Richter-Röhl
© Action Press
Henriette Richter-Röhl ist seit über 20 Jahren im Showgeschäft. Wie sich ihr Leben durch ihre beiden Töchter verändert hat, welche Filme sie mittlerweile bereut und warum sie sich jetzt schon Gedanken über ihre Beerdigung macht, verrät die Schauspielerin im GALA-Interview.

Ihren Durchbruch hatte Henriette Richter-Röhl, 38, am Fürstenhof: In ihrer Rolle als Laura Saalfeld eroberte sie in der ARD-Serie "Sturm der Liebe" die Herzen der Zuschauer, damals war die Schauspielerin zarte 23 Jahre alt.

Henriette Richter-Röhl über "Sturm der Liebe"

Zwei Jahre danach stieg sie aus, sie wollte sich wieder neuen Projekten widmen. Mit Erfolg: Henriette Richter-Röhl ist im deutschen Filmgeschäft ein bekanntes und gern gesehenes Gesicht, sogar im Theater stellt sie regelmäßig ihr Talent unter Beweis. Auch privat könnte es für die sympathische Berlinerin kaum besser laufen, seit 2005 ist sie mit dem österreichischen Arzt Walter Unterweger, 43, verheiratet, das Ehepaar hat zwei Töchter. Im Interview mit GALA spricht Henriette Richter-Röhl über ihre Zeit bei "Sturm der Liebe", Filme, die sie heute nicht mehr drehen würde und wie sie sich das älter werden vorstellt.

GALA: Erinnern Sie sich noch gerne an Ihre Zeit bei "Sturm der Liebe"?
Henriette Richter-Röhl:
Ja, ich hatte dort eine schöne Zeit. Das war wie ein Rausch, ein Leben in einer Blase. Ich hatte überhaupt kein Privatleben, es war die absolute Schule, ich war so diszipliniert wie nie mehr danach, hatte ganz viel Spaß am Set und habe tolle Leute kennengelernt. Irgendwann wurde es dann aber einfach zu viel, ich konnte am Ende nicht mehr.

Wegen des hohen Drehpensums?
Ich hatte in diesen anderthalb Jahren kaum einen Tag frei,  habe am Wochenende meinen Text gelernt. Ich war stolz darauf in der Lage zu sein, so viel zu arbeiten und habe das schlussendlich gar nicht mehr hinterfragt. Es war eben auch der "Zauber des Anfangs“. 

Schauen Sie denn trotzdem noch?
Nein, ich komme tagsüber gar nicht mehr zum fernsehen, aber ich freue mich, dass der "Sturm" noch immer so erfolgreich ist.

Wie wählen Sie Ihre Rollen aus?
Die Figur muss schon im Drehbuch etwas haben, was in mir kribbelt. Ob das jetzt eine Szene ist oder eine bestimmte Eigenschaft – sie muss etwas haben, was mich packt. In erster Linie zählt für mich sowieso meine Lebenszeit. Nicht das Resultat, sondern die Frage, ob ich beim Machen, beim Spielen eine gute Zeit habe.

Gibt es eine Produktion, bei der Sie sich im Nachhinein um Ihre Lebenszeit ärgern?
Absolut! Weil es schon so lange her ist traue ich mich auch zu verraten, bei welchem Film: "Autobahnraser“. Das war mein erster Kinofilm, direkt nach "Marienhof", da war ich ungefähr 17 Jahre alt. Das war schrecklich. Aber ich habe viel Geld verdient, also alles gut. Deswegen bereue ich im Grunde auch nichts. Wenn man mal in einen blöden Film reingerät, weiß man eben beim nächsten Mal, worauf man achten muss.

Wie schaffen Sie es, Ihre Karriere und das Familienleben unter einen Hut zu bekommen?
Mit einem Kind war das alles noch verhältnismäßig unkompliziert. Als meine erste Tochter klein war ist sie mit meinem Mann zu Dreharbeiten mitgekommen, als sie größer wurde ist er mit ihr zuhause geblieben, manchmal kam dann auch die Oma als Verstärkung dazu. Jetzt, mit zwei Kindern, ist es mitunter schon ganz schön herausfordernd.

Inwiefern?
Ich habe immer den Anspruch an mich selber, trotz Arbeit zu hundert Prozent für meine Kinder da zu sein. Manchmal fehlen dann hier und da die Erholungspausen. Aber ich musste wegen meiner Kinder bisher noch nie beruflich zurückstecken – zum Glück. Ich habe eine ganz tolle Familie: Mein Mann, meine Schwiegereltern, meine Mutter… Die sind immer da, wenn ich arbeiten möchte. Das ist ein großer Segen. Ich sage denen immer: "Ohne euch hätte ich überhaupt keinen Beruf.“

Möchten Ihre Töchter (Anm. d. Red.: Henriette Richter-Röhls Töchter sind 12 und 3 Jahre alt) später auch Schauspielerinnen werden?
Ach ja, das zeichnet sich schon hin und wieder ab… Aber meine große Tochter ist so dermaßen intelligent, ich könnte mir auch vorstellen, dass sie die nächste Bundeskanzlerin wird. (lacht)

Großer Fan von Angela Merkel ist sie ja auch schon. Bei einer Premiere hat sie als „Tarnung“ eine Maske der Bundeskanzlerin getragen.
Stimmt, aber das war Zufall.

Ein Kind sucht sich aus Zufall eine Maske von Angela Merkel aus?
Das war kurz nach dem ersten Flüchtlingsdrama, als Frau Merkel die Türen geöffnet hat. Wir wollten ihr unsere Dankbarkeit aussprechen. Als kleines Zeichen der Solidarität.

…und das mit 9 Jahren.
Wahnsinn, oder? Meine Große ist ein kleines Genie. Die versteht politische Zusammenhänge oft besser als ich.

In Ihrem neuen Film "Zum Glück gibt’s Schreiner“ bauen Sie widerwillig das Haus Ihrer Filmmutter seniorengerecht um. Würden Sie das für Ihre eigene Mutter freiwilliger machen?
Meine Mutter und ich beginnen, wenn auch etwas zögerlich, über die Möglichkeiten der Lebensgestaltung im Alter zu sprechen. Das ist nicht leicht, man muss echt behutsam miteinander umgehen. Aber da meine Mutter die Unterstützung nicht so massiv einfordert wie beispielsweise meine Filmmutter, klappt das ganz gut.

Gab es für dieses Gespräch einen bestimmten Anlass?
Nein.Wenn die Jahre voranschreiten, wird das einfach mal Thema. Meine Mutter ist ja noch fit (Anm. d. Red.: Henriette Richter-Röhls Mutter ist 64 Jahre alt), aber irgendwann muss man darüber sprechen. Für diese Offenheit bin ich sehr dankbar.

Henriette Richter-Röhl, Thekla Carola Wied und Jochen Matschke (v.l.n.r.) in "Zum Glück gibts Schreiner", am Samstag, 01.02.20, um 20:15 Uhr im Ersten
Henriette Richter-Röhl, Thekla Carola Wied und Jochen Matschke (v.l.n.r.) in "Zum Glück gibts Schreiner", am Samstag, 01.02.20, um 20:15 Uhr im Ersten
© ARD Degeto/Hendrik Heiden

Sprechen Sie auch über den Tod?
Nein, das haben wir uns noch nicht getraut. Dafür bin ich auch noch nicht bereit.  

Würden Sie Ihre Mutter ins Altersheim schicken?
In ein Heim bestimmt nicht. Wie das schon klingt! Aber wenn Eltern in einem Stadium sind, in dem sie ohne Pflege nicht mehr zurechtkommen, würde ich mich wahrscheinlich schon über so etwas wie eine Seniorenresidenz informieren. Schön nah bei uns, so dass man für einander da sein kann. Meine Mutter möchte gar nicht, dass ich mein Leben für sie ändere - was ja der Fall wäre wenn man seine Angehörigen selbst pflegt. Ich ziehe meinen Hut vor allen, die das schaffen.

Machen Sie sich für sich auch schon solche Gedanken?
Mein Mann und ich haben beschlossen, dass wir alles regeln und dass unsere Kinder mit unserem alt werden so wenig wie möglich zu tun haben müssen. Alles soll finanziert sein, unsere Töchter sollen unsere Beerdigung nicht bezahlen müssen. Trauer ist anstrengend und traurig genug. Dann muss man sich nicht noch mit Bürokratiekram quälen.

Verwendete Quellen:Eigenes Interview

aen Gala

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