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Henning Baum Wagt das Abenteuer!

Henning Baum als Matti Adler in "König von Mallorca"
Henning Baum spielt den Matti Adler in "König von Mallorca". 
© RTL / Pep Bonet
Während des Drehs zum "König von Palma" hat Henning Baum viel über sein Leben nachgedacht – und inzwischen sogar auf Mallorca eine zweite Heimat gefunden. 

Dreitausend Komparsen brauchten die Produzenten für den Dreh auf Mallorca – ohne Tattoos und auch die Männer bitte mit längeren Haaren. So sahen die Leute in den 1990er Jahren nun mal aus. Auch Henning Baum, 49, hat sich für die Serie "Der König von Palma" mit blonder Lockenpracht und Hawaiihemd dem Look dieser Zeit angepasst. 

Henning Baum über "das Abenteuer, das wir eigentlich alle wagen müssen"

Als Matthias "Matti" Adler kommt er auf die Insel, um sein Glück zu machen. Ein rolle nach echtem Vorbild, die dem Schauspieler alles abverlangt hat. Bekommen hat der dreifache Vater dafür eine "zweite Heimat", wie er sagt. Als GALA mit ihm spricht, ist er gerade wieder auf Mallorca – diesmal privat. Aber bald wird wahrscheinlich erneut gedreht. Bei RTL denkt man bereits über eine zweite Staffel nach. 

GALA: Herr Baum, ist Auswandern auch für Sie privat eine Option?

Henning Baum: Ich bin mal hier, mal da und grundsätzlich nicht stark an meine Ruhrgebiets-Heimat gebunden. Ich betrachte mich als Reisenden, als Weltenbummler und habe immer mal für eine längere Zeit auch woanders auf der Welt gelebt. 

Aber Mallorca gefällt Ihnen. 

Mallorca habe ich erst durch die Dreharbeiten kennengelernt. Ein sehr interessanter Ort, landschaftlich erinnert er mich an Südafrika. Ich habe hier viele nette Leute kennengelernt, mag das Internationale. Ich bin jetzt immer wieder und oft hier. Mal schauen, wie sich das weiter entwickelt. 

Ihren 1990er-Jahre-Insel-Look haben Sie aber wieder abgelegt, wie ich sehe. Hat er Sie zu sehr an modische Jugendsünden erinnert?

Ich selbst sah damals ganz anders aus, mit langen Haaren, eher der Skateboarder-Typ. Für die Serie hatte ich so Mackertypen vor Augen, wusste genau, wie die damals waren und wollte das konsequent durchziehen. Meine Dauerwelle für den Dreh war echt. 

Auch sonst scheint das ein interessantes Projekt gewesen zu sein.

Wahrscheinlich das spannendste, das ich jemals gemacht habe! Diese Intensität des Spiels ist tatsächlich etwas Besonderes. Das liegt an dem Rahmen, an der Geschichte, an dem Format und an den wunderbaren Schauspielkollegen. 

Auf ihrer Homepage steht das Motto: "Das ist nicht nur eine Rolle, das bin ich." Was bedeutet das in Hinblick auf Matti Adler, den "König von Palma"?

Bei allen Rollen ist mein technischer Ansatz, dass ich sie aus mir heraus bilde. Sonst spiele ich die Rolle nicht wirklich, das ist nicht mein Stil. Ich bin der Marmorblock, das Material, aus dem die Geschichte gemeißelt wird.

Und was macht Matti Adler aus?

Viele Menschen in der Mitte des Lebens verspüren den Wunsch, etwas Besonderes zu erreichen. Matti reicht nicht, was er in Deutschland schafft. Ehe, Familie, Haus – er weiß: Das ist nicht das Abenteuer des Lebens, das er als junger Mann gesucht hat. Er wagt das Abenteuer, das wir eigentlich alle wagen müssen.  

Einfach neu anfangen?

Wir müssen ja nicht alle wie Matti einen "Bieradler" eröffnen. Aber die Suche nach der persönlichen Heldenreise gibt dem Zuschauer Identifikation. Statt in Vertrautheit und Bequemlichkeit zu verharren, sollten wir uns erneuern, auch wenn es jedem Komfortdenken widerspricht. 

Es ist notwendig, sich zu entwickeln.

Was passiert sonst?

Sie verpassen die Chance Ihres Lebens. 

Wie kann es einem gelingen, nicht stehen zu bleiben?

Es ist eine Frage des Willens – den kann man trainieren. Ich muss mich dafür entscheiden, einen wichtigen Schritt zu wagen und Trägheit zu besiegen. Matti Adler ist das beste Beispiel für jemanden, der sich ganz bewusst dazu entscheidet, seiner Willenskraft die Oberhand über sich einzuräumen. 

Matti verliert fast seine Familie. Wie hoch darf das Risiko sein?

Ich wähle lieber den Begriff Abenteuer, der ist positiver. Wir sollten alle bereit sein, das Abenteuer zu suchen, etwas zu wagen, anstatt uns von der Angst in Geiselhaft nehmen zu lassen. Angst lähmt uns als Individuum – und als Volk. 

Wagen Sie, Ihren Traum zu leben?

Ich habe in meinem Leben immer dem Abenteuer den Vorzug vor der vermeintlichen Sicherheit gegeben. 

Ende September feiern Sie Ihren 50. Geburtstag. Wird da der Wunsch nach Beständigkeit nicht langsam wichtiger? 

Nein. Bei mir nimmt das Sicherheitsdenken mit dem Alter nicht zu, das Bedürfnis nach Veränderung nicht ab. Die Seele ist alterslos. Jeder Mensch jeden Alters tut gut daran, neugierig zu bleiben, neue Fähigkeiten zu erlernen. Das muss mit 80 kein Kickboxen sein – kann es aber. Wir sollten uns von der Vorstellung trennen, dass das, was wir bis jetzt erreicht haben, nur noch zementiert werden muss.

Körperlich kommen Sie mit dem Altern jedenfalls gut klar, wie man im "König von Palma" eindrucksvoll beobachten kann.

Ich merke auch, dass ich 50 werde, ich bin nicht mehr so fit wie mit 30. Aber ich bin zufrieden, weil ich entsprechend lebe und was für mich tue. Der Muskelabbau lässt sich durch entsprechendes Training und Ernährung aufhalten. Und tatsächlich fängt dieser Abbau ja schon mit Mitte 20 an. Bis dahin ist man beschenkt.

"König von Mallorca" ist ab dem 24. Februar 2022 bei RTL+ zu sehen.

Gala


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