Helmut Kohl: Sein Enkel tritt das politische Erbe an

Helmut Kohl schrieb als Bundeskanzler Geschichte – und wurde zum übergroßen Schatten für seine Familie. Jetzt betritt sein Enkel Johannes die politische Bühne

Johannes Volkmann, Helmut Kohl

Redet man über die Bundesrepublik Deutschland, dann kommt man an nicht vorbei. Jahrzehntelang dominierte er seine Partei, die CDU. Von 1982 bis 1998 war er Bundeskanzler, und er brachte den Deutschen vor 25 Jahren die Einheit. Das Erbe, das dieser Mann hinterlässt, ist gigantisch. Kohls Söhne und Peter wollten deshalb nie in die Politik gehen. Zu schwer wäre es gewesen, sich vom Vater zu emanzipieren.

Nun ist die Enkelgeneration den Kinderschuhen entwachsen, und jemand scheint sich zu trauen, in die Fußstapfen des Großvaters zu treten: Johannes, der Sohn aus Walter Kohls erster Ehe, hat sich in den vergangenen Jahren in Hessen zu einem hoffnungsvollen Politik-Talent entwickelt. Der 18-Jährige ist stellvertretender Vorsitzender der Jungen Union (JU) in seinem Ortsverein bei Gießen und seit einigen Monaten Vize der Paneuropa-Jugend Deutschland.

In seinem Heimat-Landkreis hat sich Johannes bereits einen Namen gemacht. Hier kennt ihn jeder. In den Pressemitteilungen der JU kommentierte er oft die lokale Politik. Er gilt als kluger Kopf, der sich für Geschichte, Schach und Fußball interessiert und gern den "Tatort" guckt. 2013 landete Johannes beim hessischen Landesfinale des Rhetorik-Wettbewerbs "Jugend debattiert" in Frankfurt auf Platz zwei. Zudem machte er im selben Jahr mit der Erfindung einer speziellen Presse Schlagzeilen, die Laub zu Brennpellets komprimiert. "Johannes ist sehr talentiert, drängelt sich aber nicht in den Vordergrund", sagt jemand aus dem Bekanntenkreis gegenüber GALA.

Mittlerweile studiert Johannes Sozialwissenschaften, Soziologie und Politikwissenschaften an einer Universität in Süddeutschland. Doch die angewandte Politik ist weiter seine Leidenschaft. Über Twitter kommentiert er das Tagesgeschehen. Und da spürt man die Angriffslust wie einst bei Helmut Kohl. Der Rücktritt von Berlins Regierendem Bürgermeister ? "Mein größtes Geburtstagsgeschenk!" Bundesarbeitsministerin ? "Seid nachsichtig! Es ist ihr erster Job nach der Lehre!" Johannes attackiert SPD-Politiker, äußert sich zur Türkei, dem Ukraine- und dem Nahost-Konflikt.

Wo soll es mal hingehen?

Ist eine Politikkarriere das Ziel? Auf GALA-Anfrage wollte er sich dazu nicht äußern. In der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung nimmt Johannes an der Begabtenförderung teil – gut vorstellbar, dass es Helmut Kohl mit Stolz erfüllen würde zu erleben, wie ein Jungtalent aus seiner Familie sein Erbe fortsetzt. Kohl trat 1946 mit 16 in die CDU ein, war Mitbegründer der Jungen Union und arbeitete sich an die Spitze der Partei hoch. Das düsterste Kapitel seines Lebens: der Freitod von Ehefrau 2001. Der Kontakt des Altkanzlers zu seinen Kindern ist seit einigen Jahren abgebrochen.

"Der Johannes wurde früher alle vier Wochen von der Polizei abgeholt und nach Oggersheim zum Großvater gebracht", erinnert sich Helmut Kohls Ex-Cheffahrer Eckhard "Ecki" Seeber im Gespräch mit GALA. Seeber und seine Frau Hilde, die in Oggersheim leben, arbeiteten fast fünf Jahrzehnte für Helmut und Hannelore Kohl, stehen noch heute in engem Kontakt mit den Kohl-Söhnen. "Johannes hatte großes Interesse an Helmut Kohls Sammlungen", sagt Seeber. "Er hat gern seine Orden und Auszeichnungen geordnet. Da war er ganz stolz, der Herr Kohl, dass der Junge das gemacht hat." Hilde Seeber ist sich sicher: "Helmut Kohl würde sich freuen, wenn er den Jungen jetzt wiedersehen würde. Das ist der runtergeschnittene Großvater!"

Eins ist klar: Eine Karriere in der Politik würde immer den Vergleich mit dem legendären Kanzler nach sich ziehen. Dafür muss man robust sein. In seinen Büchern hat Johannes’ Vater Walter Kohl dieses Dilemma oft beschrieben. In seinem letzten Werk erzählt er aber auch, wie ihm sein Sohn (damals noch ein Kind) in schweren Zeiten, nach dem Tod von Hannelore Kohl, Lebensmut und vor allem "Leichtigkeit" gab.

Diese Leichtigkeit zu dem übergroßen Vorbild des Patriarchen Helmut Kohl konnte sich wohl nur im Abstand von einer Generation entwickeln. Vielleicht trägt sie Johannes eines Tages tatsächlich nach ganz oben. Vielleicht sogar ins Kanzleramt?

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