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Heidi Klum Das verlorene Lächeln

Heidi Klum
© Splashnews.com
Während Heidi Klum still leidet, versucht Seal nach der Trennung sein Image aufzupolieren. "Gala" über die erste Woche, nachdem das Leben einer scheinbar glücklichen Familie aus den Fugen geriet

Symbolisch vereint sind die beiden immer noch:

Heidi Klum und Seal tragen weiter ihre Eheringe. Und doch trennen sie Welten. Seal sucht seit der Nachricht über das Ehe- Aus die Öffentlichkeit, spricht von immer noch währender Liebe, benimmt sich bei Interviewterminen für seine neue CD wie ein aufgedrehter Präsidentschaftskandidat auf Stimmenfang. Heidi verschanzte sich dagegen zu Hause in Brentwood. Kein Wort der Erklärung, der Wut oder der Enttäuschung. Auch als sie jetzt am Wochenende nach draußen ging, ihre beiden Jungs zum Karate-Unterricht brachte, blieben ihre Lippen verschlossen. Man kann sagen: Sie schweigt, er schwelgt.

In der Woche zuvor war Heidi nur zweimal kurz zu sehen. Einmal, als sie mit Nannys und Begleitschutz die Kinder zur Curtis School am Mulholland Drive fuhr. Und dann, als sie in der "Edison Bar" in Downtown Los Angeles Szenen für "Germany’s next Topmodel" dreht. Stets ist ihr Blick versteinert. Ernst. Traurig. Die glatte Fassade hält dank ihrer Professionalität, doch jeder ahnt, dass dahinter nichts mehr an seiner Stelle ist. Heidi wirkt allein wie noch nie. Nicht einmal ihre Eltern Erna und Günther, sonst stets zur Stelle, sind bislang bei ihr. Jetzt ist Lars, ihr langjähriger hünenhafter Bodyguard aus Deutschland, ihr wichtigster Begleiter - fast ein Schutzwall. Dennoch: The Show must go on! "Heidi lässt sie sich diese ganze Sache nicht eine Sekunde lang anmerken. Sie benimmt sich so, als sei gar nichts passiert", berichtet ein Set- Mitarbeiter von "GNTM" im Gespräch mit "Gala". Heidi leidet still. Bis dato hatte die Powerfrau immer jedes Gerücht, jedes Quotentief, jede kleine Schlappe mit ihrem 1000-Watt-Lächeln überstrahlt. Familiensinn und Geschäftstüchtigkeit, gepaart mit Optimismus definierten stets ihr Selbstbewusstsein. Das Projekt Superfamilie zumindest scheint jetzt gescheitert zu sein. Doch sehen soll das niemand. "Heidi Klum hat die perfekte Fassade über Jahre aufgebaut", erklärt der Psychologe Borwin Bandelow gegenüber "Gala". "Sie führte eine Modell-Ehe, hat nette Kinder, man besucht die Eltern - alles wirkte positiv, perfekt, amerikanisch. Zu schön, um wahr zu sein."

Dass Seal nun im Rahmen der Promo-Tour mit seinen angeblich immer noch großen Gefühlen für Heidi hausieren geht, dürfte der Frau, die plötzlich ihre scheue Seite zeigt, enorm zusetzen. Ironie des Schicksals: Sein neues Album ist eine Sammlung von Liebeslied- Klassikern. So sang er am Dienstag bei Ellen DeGeneres den Schmachtfetzen "Let’s Stay Together" und erklärte aufs Neue, man liebe einander "immer noch sehr". In der Talkshow von Piers Morgan orakelte er am Freitag, dass "eine Versöhnung möglich ist". Um dann im Gespräch mit "Access Hollywood Live" zu analysieren: "Wir sahen aus wie ein Paar, das alles hat. Doch wenn du dich dazu entschieden hast, ein weltweit bekannter Star zu sein, musst du auch die ganze Welt bedienen. Und dann verbringst du immer weniger Zeit mit deinem Partner." Aha. Das wirft die Frage auf: Bedeuten zwei Karrieren wirklich automatisch, dass die Liebe verloren geht?

Auch Seal will den Schein wahren, auf seine Weise. Er weiß, dass seine PR-Aktionen für viele einen unangenehmen Beigeschmack haben. Zumal es heißt, er habe schon lange darunter gelitten, als Musiker nicht so erfolgreich zu sein wie Heidi als Model und Geschäftsfrau. Die Psychologin Felicitas Heyne (Autorin des Buchs "Fremdenverkehr - warum wir so viel über Sex reden und keinen mehr haben", April) äußert durchaus Verständnis für seine Situation: "Man kann sich gut vorstellen, dass Seal die Ehe irgendwann einfach zu blöd wurde. Er war für viele doch nur Heidis singender Hausmeister! Sie profitierte wesentlich mehr von der Beziehung, er musste zurückstecken." Und jetzt? "Das Businessmodell ist ausgelaufen, nun schauen sich beide nach was Neuem um. Ohnehin sah das immer mehr aus wie ‚Liebe nach Drehbuch‘ denn wie eine echte Lovestory." Als ein möglicher Grund für die überraschende Trennung finden sich besonders in US-Magazinen immer wieder Begriffe wie "Ausraster" und "aggressiv". Seal habe Heidi und die Kinder angeschrien - Frust-Kompensation? Ausgeflippt ist er öffentlich schon häufiger, nicht nur gegenüber den ungeliebten Fotografen. "Gala" erfuhr, dass er Heidi nicht nur einmal abfällig "Kraut" nannte, ihr Sätze wie "Get into the fucking car!" entgegenschleuderte. Bei solchen öffentlichen Ausflügen war meistens der gesamte Klum-Tross dabei - der sich jetzt komplett zurückhält. Auch Heidis Vater und Manager Günther Klum wiegelt am Telefon ab. Einzig eine Bekannte, die nicht namentlich genannt werden möchte, will sich zur Trennung äußern. "Wir können das hier alle gar nicht glauben", sagt sie "Gala". "Heidi und Seal waren immer ein Vorzeigepärchen, wir sind richtig geschockt!" Was sie Heidi wünscht? "Ich würde ihr dringend empfehlen, sich für ein paar Tage eine Auszeit zu nehmen, um über alles in Ruhe nachzudenken."

Das wird sie kaum können, denn sie steckt mitten in der ersten Produktionsphase von "Germany’s next Topmodel". Ein Rückzug passt da nicht ins Bild. "Heidi wird sich nicht die Blöße geben und Schwäche zeigen", vermutet Psychologe Bandelow. "Nie wird sie es zulassen, dass es ein Foto von ihr gibt, auf dem sie in der Ecke sitzt und weint." Geradezu absurd wirkt angesichts der aktuellen Entwicklungen ein Interview, das Heidi Klum - offenbar vor der Trennung - der britischen "InStyle" gegeben hat und das im März erscheint. Darin zieht sie noch mal alle emotionalen Register, lobpreist Seal wie so oft in den Jahren davor als den für sie perfekten Mann, würdigt ihn als ebenso verlässlich wie spontan, ebenso sexy wie liebevoll. Doch Heidi sagt dort auch den folgenden Satz: "Meine Mutter schärfte mir immer ein: 'Verlass dich auf niemanden!' So lernte ich, unabhängig zu sein." Ob sie glaubt, jetzt auch ihre größte Krise einsam, allein und unabhängig von der Hilfe anderer durchpowern zu können? Vielleicht muss sie lernen, Schwäche einzugestehen, um zu wahrer Stärke zu finden. Roland Rödermund Mitarbeit: Anna-Barbara Tietz, Anna-Lena Koopmann, Hauke Herffs

gala.de


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