Hardy Krüger jr. : Überraschende Alkohol-Beichte

Exklusiv mit GALA spricht Schauspieler Hardy Krüger JR. über ein dunkles Kapitel in seinem Leben: seine frühere Alkoholsucht

Hardy Krüger junior mit Ehefrau Alice Rößler

Herr Krüger, erstmalig sprechen Sie ganz öffentlich über Ihre Alkoholsucht und die Hintergründe, die Sie in eine schwere Lebenskrise führten. In welcher Lebensphase befanden Sie sich damals?

Ich möchte etwas vorab sagen. Ich bin in eine Welt hineingeboren worden, die mich bis heute sehr geprägt hat. Ob es die Filmsets meins Vaters waren, die Länder, die ich in jungen Jahren schon kenne lernen durfte, die vielen Neuanfänge, durch Umzüge und die Menschen, die mich umgaben, Schauspieler und Künstler...kreative Filmemache und Autoren, wo das Glas Whisky und eine filterlose Gitanes-Zigarette immer zum guten Ton gehört hatte. In dieser Künstlerwelt bin ich groß geworden. 

Nach der Trennung Ihrer Eltern war dann plötzlich alles anders...

Ja, schlagartig. Ich war plötzlich der „Mann“ im Haus, der schnell die Verantwortung übernehmen wollte und nur eines im Sinn hatte: Alles dafür zu tun, das wir - meine Schwester und meine Mutter- über die Runden kommen. Ich wollte keine finanzielle Belastung für meine hart arbeitende Mutter sein, darum machte ich eine Ausbildung als Koch und verdiente schon in frühen Jahren mein Geld in der Gastronomie. Alkohol war schon damals immer ein Teil meines Lebens.

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©Gala

Ende der 80-iger Jahre gingen Sie nach Los Angeles und haben eine Schauspielausbildung gemacht...

Richtig, 1990 kam ich aber schon zurück. Als junger Schauspieler und Hauptdarsteller in einer sehr erfolgreichen deutschen Serie, habe ich auch viel gefeiert, die Nächte waren lang. Es kamen dann  viele internationale Filme und auch hier war das Trinken ein Teil des „Umgangtons“. Ich muss dazu sagen, ich bin ein großer Genussmensch und für mich ist eine gute Flasche Wein und gutes Essen Ausdruck eines gesunden und geistreichen Lebensstils. 

Hardy Krüger jr. im GALA-Interview

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Sie waren 1990 auch eine kurze Zeit obdachlos. Was war damals passiert?

Es klingt dramatischer, als es wirklich war. Ich hatte in Amerika gearbeitet und musste das Land verlassen, weil ich keine Arbeitserlaubnis mehr hatte. Mit einem kleinen Koffer kam ich nach Deutschland zurück und ich habe wieder von vorne anfangen. Bis ich den ersten Job und wieder Geld in der Hand hatte, verbrachte ich die Nächte unter dem feinen bayrischen Sommerhimmel. 

Sie sind wirklich ein Stehaufmännchen, wie ging es weiter?

Ich arbeitete seit meiner frühen Jugend ohne Pause, stürzte mich von einem Projekt in das nächste. Ein Leben auf der Überholspur. Ich heiratete meine erste Frau Petra in jungen Jahren und wurde früh Vater zweier wunderbaren Söhne. Ich war glücklich. Das Leben war wie ein bittersüßes, aufregendes Abenteuer. Ein Leben mit vielen Ups and Downs, nach 12 Jahren trennten wir uns.

Das neue Glück fanden Sie mit ihrer zweiten Frau Katrin...

Genau, wir adoptierten meine bezaubernde Tochter Vinas und kurz darauf kam Paul-Luca auf die Welt. Vielleicht war es das Glück, was ich  für selbstverständlich hielt. Wer hart an sich und seiner Karriere arbeitet, wird auch belohnt, dachte ich mir. Dann kam es zu dem tragischen Schicksalsschlag, der mir komplett den Boden unter den Füßen weg gezogen hatte. Mit nur acht Monaten, starb mein Sohn am Kindstod. Von diesem Tag an, wurde alles was vorher war, belanglos und unwichtig. Das Leben veränderte sich von einem Moment auf den anderen.Was meine Familie meine Exfrau Katrin und Freunde durchgemacht hatten, ist mit Worten nicht zu beschreiben. 

Hardy Krüger jr. mit seinem Buch "Der leise Ruf des Schmetterlings: Eine Erzählung über Liebe, Verlust und die Kraft des Augenblicks"

...und Sie stürzten sich in die Arbeit und den Alkohol?

Ich drehte sogar mehrere Filme gleichzeitig, stand auf der Bühne und tat alles um mich nicht mit der Tatsache auseinander zu setzten, das mein Sohn nie wieder zurück kommen wird. Meine Ehe zerbrach und Freunde gingen uns aus dem Weg. Das Leben stand auf dem Kopf. Ich schrieb ein Buch, malte Bilder, spielte Theater und vergrub mich in meiner inneren Welt, die voller Verzweiflung und Schmerz war. Ich ließ mich fallen und merkte nicht, wie sehr ich mich von allem entfremdete. Es kam der Punkt, an dem mein Körper nicht mehr mitmachen wollte. 

War der Alkohol Trost für Sie? 

Der Schmerz ist so groß, den kann man selbst nicht mit viel Alkohol betäuben. Es gibt viele verschiedene Arten der Alkoholsucht. Für mich war es der einzige Weg um das Pensum, das ich mir selbst auferlegt hatte zu schaffen. Es half mir ruhig und konzentriert zu bleiben. Freunde hatten mich damals zur Seite genommen und haben mir ins Gewissen geredet. „wenn du so weiter machst, dann wirst du dich umbringen“. An diesem Punkt hatte ich mich dann entschlossen einen Entzug zu machen. Ich habe mich selbst in die Klinik eingewiesen.

Sie waren nur wenige Drinks vom eigenen Tod entfernt, sagen Sie. Welches war der ganz persönliche Tiefpunkt in dieser Zeit? 

Es war ein Weg, der nicht leicht war, aber er hat mich am Ende gerettet. Ich wurde allerdings noch einmal rückfällig und da wurde es dann kritisch. Mein Körper wollte nicht mehr mitmachen und so kam es, dass ich um mein Leben kämpfen musste. In diesem Moment wurde mir klar, dass ich nun eine Entscheidung treffen musste. Will ich leben, oder kapituliere ich? Ich habe mich für das Leben entschieden. Das war genau vor vier Jahren. 

Wer hat Sie gestützt und wieder aufgefangen?

Familie und Freunde waren da, ich bin bis heute voller Dankbarkeit, doch den Weg muss man alleine gehen. Hier kann dir keiner helfen. Es ist auch ein wichtiger Prozess, den man hinter sich bringen muss, um sich von der Sucht zu lösen. 

Wie gehen Sie heute mit dem Thema Alkohol um? 

Ich trinke seit vier Jahren keinen Tropfen Alkohol mehr. Ich bin heute sehr glücklich, so stark aus dieser Abhängigkeit raus gekommen zu sein. Ich rede heute offen über meine Geschichte, weil viele Betroffene da draußen keine Stimme haben, ich möchte gerne jeden warnen und bitten diese „Gesellschaftskrankheit“ Alkohol nicht zu unterschätzen. Alkohol sollte kein Tabu-Thema mehr sein. 

Was haben Sie aus all diesen Krisen mitgenommen und gelernt?

Hinfallen gehört zum Leben dazu. So wie das Aufstehen. Liegenbleiben ist kein Option. So hart das Leben manchmal auch sein mag. Es lohnt sich immer wieder aufzustehen und weiter zu machen. 

Was machen Sie heute anders als früher?

Ich konzentriere mich auf das Wesentliche. Vertraue nur den Menschen an meiner Seite und lebe mit einer großen Dankbarkeit. 

Warum ist es Ihnen heute wichtig, offen über Ihre Alkoholkrankheit zu sprechen?

Ich bin mit dieser Verantwortung als öffentlicher Mensch aufgewachsen und kenne das nicht anders. Man hat zu funktionieren. Doch ich weiß heute, dass es auch meine Verantwortung ist, darüber zu reden, dass wir alle Menschen sind, die auch alle dieselben Probleme, Träume und Ängste haben. Ich möchte Menschen Mut machen und ihnen sagen, dass es zu schaffen ist.

Hardy Krüger jr.

Offiziell bestätigt: Er hat geheiratet

Alice Rößler und Hardy Krüger Jr.

Seit einem Jahr sind Sie in dritter Ehe mit ihrer PR Agentin Alice verheiratet. Sie leben und arbeiten zusammen. Es scheint, als seien Sie endlich angekommen, bauen sogar in Kürze ein Haus. Erzählen Sie uns von Ihrem Leben heute.

Wir sind beides Menschen, die an das Leben und an das Gute im Menschen geglaubt haben. Das Leben hat uns zwar oft was anderes erzählen wollen, doch das hat uns niemand nehmen können. Die Begegnung mit Alice ist ein Geschenk und beweist, dass Männer und Frauen doch dieselbe Sprache sprechen können. (lacht) 

Wie fühlt sich Ihr Leben heute als „Chef“ einer achtköpfigen Patchwork-Familien an?  

Die Chefs sind unsere sieben Kinder, ganz klar. Wir sind da und geben ihnen Rückendeckung. Das ist unsere Aufgabe. 

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