Harald Glööckler: Prinz Rastlos

Harald Glööckler ist schrill und schräg - und deshalb halten ihn viele für einen Clown. Doch mit schwäbischer Ausdauer hat er ein Design-Imperium erschaffen, in dem jede Frau eine Prinzessin sein soll. "Gala" besuchte ihn in Berlin

Harald Glööckler

An Show-Tagen ist dieser Mann eine Discokugel.

Dann sitzen die Pailletten stramm auf dem muskulösen Körper, Strass klebt auf der Botox-Stirn, und dank extra viel Gloss auf den aufgespritzten Lippen wirkt Harald Glööckler, 46, manchmal wie ein wolllüstiger Karpfen. An Business-Tagen dagegen trägt er Zivil: kein Strass, Baggy-Jeans, weißes T-Shirt. Trotzdem natürlich großes Augen-Make-up. Die tätowierten Brauen sind ja eh immer da. Selbst in Zivil ist Deutschlands schrillster Designer - mit Fans und Kunden in aller Welt - ein Gesamtkunstwerk. Ein britischer TV-Sender ernannte ihn zum "Prince of Fashion".

Der Modeprinz liebt den extravaganten Auftritt, hier bei seiner Modenschau für Bonprix in Berlin.

Dieser Montag in Berlin ist ein Business-Tag. Vier Termine stehen in Glööcklers Wohn- und Arbeits-Domizil Unter den Linden an, dicht an dicht. "Das ist normal", sagt er und saust mit kleinen Schritten voran durchs 1400 Quadratmeter große, zweistöckige Penthouse. Bei jeder Geste rasseln seine Panzerarmbänder. Myrrhe umgibt ihn, ein eigens für ihn komponiertes Parfum. Vor den Terminen in der 8. Etage will er seinem Gast die privaten Räume ein Stockwerk höher zeigen. Es geht durch den Empfangsbereich, vorbei an einer silbern glänzenden Chesterfield-Sitzgruppe, an Schneiderpuppen mit Roben in Samt und Seide, an goldfarbenen Lüstern, barocken Spiegeln und Amphoren mit - künstlichen - Blumen . Knallbunte Gemälde zieren die Wände. Glööcklers Werke. Kitsch oder Kunst? Über so was macht er sich nie Gedanken. Hier habe sich einfach seine Kraft ein Ventil gesucht, wie bei seinen Tattoos: "Mein Tätowierer sagt, das war alles schon immer in mir."

Sausend zählt Glööckler seinen Tagesplan auf. Gleich jetzt am Vormittag Bewerbungsgespräche mit Jungdesignern, danach mit den Damen, die Nanny bei seinem Hündchen Billy King werden wollen; Konferenz mit zwei Herren einer Gartenmöbelfirma, die ihn als Lizenzpartner gewinnen möchten; und ein TV-Team kommt vorbei, man hätte gern Kommentare für ein Comedy-Ranking. Gefühlte fünf Sekunden hat er für die Aufzählung gebraucht. Er redet so schnell, mit goldener Kapuze, für 87,73 Euro. "Sooo chic! Sooo charmant! Ein Traum!" Wenn Glööckler auf Sendung ist, gehen allein davon rund 20 000 Stück weg. Glööckler ist als Designer verspielt. Als Mensch höflich. Als Geschäftsmann knallhart.

Harald Glööckler und Palina nehmen an der "Ball des Sports"-Gala in Berlin teil. "Jede Frau soll eine Prinzessin sein".

Und er hat Ausdauer. 1987 eröffnete er, damals noch mit einem Ö, nach seiner Kaufhauslehre eine Boutique in Stuttgart, die er ziemlich unspektakulär "Jeans Garden" nannte. Viele belächelten den jungen Chef, weil der damals schon schriller aussah als durchschnittliche schwäbische Ladenbesitzer. Anderen gefiel es jedoch, dass Glöckler auf Wunsch Rüschen auf schlichte Shirts nähte. Zu der Zeit lernte er Dieter Schroth kennen, seinen Gegenpol. Schroth, 17 Jahre älter, hatte als Fußballprofi in der Regionalliga gespielt, wusste inzwischen, dass er Männer liebt, und lebte daher von seiner Ehefrau und den beiden Töchtern getrennt. Eine aufregende, aber auch bedrückende Situation für alle Beteiligten. Doch Glöckler fand einen Draht zu den Töchtern. Heute haben sie im Berliner Penthouse selbst redend ihr eigenes Gästezimmer. So gut es in der Liebe lief, so sehr holperte zunächst die Designer-Karriere. In den Neunzigern kam Glöckler eine werbewirksame Idee: Er legte sich das zweite Ö im Nachnamen zu und ließ zudem sein Label Pompöös als Marke schützen. Mit seinen Pompöös-Couture-Schauen tingelte er erst durch Deutschland, dann bis nach Asien. Starke Frauen wurden auf ihn aufmerksam und schmückten die Events schon bald mit ihrer Anwesenheit: Gina Lollobrigida, Chaka Khan, Brigitte Nielsen.

Harald Glööckler

Glööckler presented by Bonprix

Vor rund 200 geladenen Gästen präsentiert Modedesigner Harald Glööckler seine preisgünstige "bonprix"-Kollektion.

Die Stücke si
Glööckler presented by bonprix: Sila Sahin und Joern Schlönvoigt
Glööckler presented by bonprix: Gitta Saxx und Annemarie Eilfeld
Glööckler presented by bonprix: Sarah Knappik

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Harald Glööckler mit Dieter Schroth, seinem langjährigen Geschäfts- und Lebenspartner. Seit fast 25 Jahren sind er und der Ex-Fussballprofi ein Paar.

Für die großen Modezaren blieb Glööckler bis heute der Clown. In einer Pause an diesem Business-Montag kommt er ins Sinnieren. Er hat sich rasselnd auf dem Chesterfield- Sofa niedergelassen, auf dem Dieter Schroth - beige Freizeithose, hellgelbes Polohemd - schon eine Weile gemütlich sitzt und Bobby King krault. Glööckler hockt nun ganz vorn auf der Kante, jederzeit bereit auf zuspringen. "Manche mögen mich, manche mögen mich nicht. So ist das nun mal", sagt er zum Thema Kritiker. Die, die ihn mögen und seine Produkte in Shops, per Internet oder Katalog kaufen, leben in rund 80 Staaten. Exklusive Malls in Dubai bieten seinen Schmuck an. Er hatte Homeshopping- Shows auch in England und Japan, pausiert nun damit, um sich nicht zu verzetteln. Längst könnte er sich zurückziehen, seinen Erfolg genießen, aber er will weiterarbeiten. "Es geht doch darum, dass man am Ende sagen kann: Ich habe das Optimale aus meinem Leben gemacht."

Jetzt will ihn Amerika, und wieder ist eine starke Frau im Spiel. Dita Von Teese rief vergangenes Jahr eines Abends völlig überraschend an: Sie sei gerade in Berlin - ob sie vorbeikommen könne? Glööckler: "Ich war schon abgeschminkt, aber natürlich habe ich mich noch mal hergerichtet!" Er habe Dita an diesem Abend als reizende Person kennengelernt, und sie habe ihm versichert, dass Amerika nach Liberace und Versace nun dringend einen Glööckler brauche. Vor einigen Wochen traf er sich mit Hollywood-Produzenten, will deren Vorschläge für verschiedene TV-Formate jetzt in Ruhe prüfen. Für die US-Modeszene ist er eh kein Unbekannter mehr: Das Magazin der New York Fashion Week würdigte ihn bei den jüngsten Schauen mit einer Coverstory. Bleibt das Fazit des Montags in Berlin. Dem TV-Team gefielen Glööcklers Kommentare auf Anhieb. Die Absolventin einer Modehochschule darf sein Team wohl demnächst verstärken. Die Herren von der Gartenmöbelfirma sollen ihr Konzept bitte noch mal überarbeiten. Und schließlich: Alle Nanny-Bewerberinnen dieser ersten Casting-Runde musste Glööckler nach Hause schicken. Keine genügte seinen Ansprüchen. Eine Seelenverwandte für Billy King - das wäre echter Luxus.

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