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Harald Glööckler Der Mensch hinter der Maske

Harald Glööckler sitzt vor einem Altar in der Kirche.
© Andreas Rentz / Getty Images
Wir kennen ihn als schrillen Designer und Dschungelcamper. Doch wer ist Harald Glööckler wirklich?

Seine bitteren Tränen können den Eindruck des Gesamtkunstwerks nicht zerstören. Geliftete Augen und Wangen, Permanent-Make-up, Zähne in Hollywood-Weiß für 52.000 Euro, tätowierter Bart und Haarschopf: Alles sitzt bei Harald Glööckler, 56, perfekt. Aus seiner Sicht ist das schön. Schön künstlich.

Hinter der Maske ist Harald Glööckler echt

Abgesehen von der maskenhaften Optik ist dieser Mann bei "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ total echt, egal ob er als Teamplayer klaglos um Essen kämpft, von Mit-Campern genervt ist oder eben unter Tränen in seine Seele blicken lässt. Glööckler ist nicht naiv. Er weiß, genau, dass man im Wettstreit um die "Dschungelkrone" bei den TV-Zuschauern mit Gefühlen punkten kann. Doch vor allem will er endlich seine Dämonen loswerden.

"Ich versuche, irgendeine Sekunde zu finden, in der ich als Kind mal keine Angst hatte heimzukommen und meine Mutter liegt blutend am Boden", sagt er in die Kamera

Er kann kaum weitersprechen. In der emotionalen Anspannung verstärken sich seine kleinen Tics – die Stakkato-Atmung, das Kopfzucken. "Die Bilder, wie mein Vater mit dem Messer hinter ihr herrennt, sind wie ein einziger Zombie-Film." Diese grausame Realität spielt sich in Zaisersweiher ab, einem Dorf am Rande des Schwarzwalds. Harald Glööckler (das zweite Ö legt er sich erst als Erwachsener zu, als er sich zum "Prinz Pompöös" ernennt) ist Sohn eines Metzgers und Gastwirts, eines gewalttätigen Alkoholikers. Haralds schlimmste Befürchtungen bewahrheiten sich: Seine Mutter liegt eines Tages schwer verletzt am Fuß der Treppe, wurde wohl hinuntergestoßen. Er ruft den Krankenwagen. Doch sie erliegt im Krankenhaus ihren inneren Blutungen. Da ist der Junge 13.

Sein gewalttätiger Vater hat ihn für immer verändert

Seine eh schon kaputte Familie hat sich nun komplett verdüstert. Verwandte kümmern sich um ihn. Harald flüchtet in Fantasiewelten, begeistert sich für Fotos von Schloss Versailles mit all dem Prunk. Und er trägt gern schrille Klamotten, selbst wenn manche ihn schräg anschauen. Das Trauma um seine Mutter war nur der letzte Auslöser.

"Ich habe nicht plötzlich gesagt: 'Jetzt werde ich exzentrisch.' Von der Grundveranlagung her war ich schon als kleines Kind so."

Bereits mit sieben entwarf er ein Kleid, das eine Tante sich dann nähte. Harald fand, dass sie darin glücklich aussah. Er beschloss: Wenn ich groß bin, sorge ich dafür, dass alle Frauen Prinzessinnen sein können. Für sich selbst entschied er später, nie so aussehen zu wollen wie sein Vater. Es war der Start des Beauty-Doc-Marathons.

Sein Vorhaben geht auf: Heute besitzt er ein Imperium

Heute ist er – nach den Anfängen als Verkäufer in einem Modehaus – Chef seines "Pompöös"-Lifestyle-Imperiums. Kleider, Taschen, Schmuck und Kosmetik, Tapeten, Möbel, Badewannen: Er designt alles in dem Stil, den er als luxuriös versteht. Im Auftrag der Deutschen Bibelgesellschaft entwarf er eine Sonderausgabe und platzierte sich darauf selbst groß in einer Paradies-Szenerie. Dafür gab’s den renommierten "Red Dot"-Design-Award.

Ehemann Dieter Schroth: "Harald war schon immer der Stärkere von uns"

Kunst oder Kitsch? Wie begegnet er Kritikern? "Manche mögen mich, manche nicht. So ist das eben", sagt er, als GALA ihn vor einer Weile in seinem Domizil besucht. Sein Mann Dieter Schroth, 73, seit 35 Jahren an seiner Seite, nimmt das bei aller Freundlichkeit weniger locker. "So unabhängig wie Harald heute ist, hat er sich selbst erschaffen. Das sollte man anerkennen!"

Dieter Schroth und Harald Glööckler posieren für ein Foto.
Dieter Schroth und Harald Glööckler
© Ronny Hartmann / Getty Images

Der 17 Jahre ältere Schroth wirkt wie eine Vaterfigur. Doch das täuscht: "Harald war schon immer der Stärkere von uns." Als sie sich in einer Gay-Disco erstmals begegneten, hatte Schroth, ein Profi-Fußballer, sich gerade von seiner Frau getrennt und wagte den Schritt in ein Leben, das er längst hatte führen wollen. Glööckler half ihm, alle Zweifel zu überwinden. Im Dschungelcamp kritisierte er "Herrn Schroth" nun, für viele überraschend: Er bewege sich kaum noch, werde immer dicker und depressiver. Eine Ehekrise? Eher fürsorgliche Liebe. Inzwischen reagierte Schroth: "Harald hat mich wachgerüttelt!"

Wer Harald Glööckler privat erlebt, schwärmt von ihm. Er sei aufmerksam, hilfsbereit, tiefgründig – und sehr verletzlich. Womöglich war der Mann mit der Maske in diesem Dschungelcamp der Echteste von allen.

Gala


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