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Hape Kerkeling "Ich lerne gerade viel über Menschen"

Hape Kerkeling
© Getty Images
Hape Kerkeling über die zeitlose Klugheit seiner Oma, einen singenden Papagei - und seinen neuen Film. 

Spielend leicht verbindet er Humor mit philosophischen Gedanken, und er liebt es, brüllend zu lachen - obwohl oder gerade weil er den Ernst des Lebens kennt. Auch in seiner "Show- Rente", in die sich Entertainer und Autor Hape Kerkeling 2014 mit damals 50 Jahren verabschiedete, hat sich daran nichts geändert. Er ist produktiv wie eh und je.

Nach Bestsellern und Verfilmungen wie "Ich bin dann mal weg" oder "Der Junge muss an die frische Luft" stand er kürzlich selbst mal wieder vor der Kamera, an der Seite von Bully Herbig in "Der Boandlkramer und die ewige Liebe". Der Kinostart ist für diesen Herbst geplant. Außerdem appellierte Hape Kerkeling gerade auf einer Fan-Page an die Vernunft aller. Für uns gleich zwei Anlässe, bei unserem ehemaligen GALA-Kolumnisten nachzuhören.

Hape Kerkeling im GALA-Interview 

Herr Kerkeling, wo erreichen wir Sie?

In Südafrika. Hier sind mein Mann, meine Schwiegermutter und ich quasi gestrandet. Das sage ich ohne zu jammern. Wir sind gesund. Mehr kann man nicht wollen.

Sie haben einen Video-Appell veröffentlicht: "Leute, bleibt zu Hause, wo immer es geht!" Wie kam es zu diesem Clip?

Hier im Radio hörte ich, dass jeder Infizierte bei Nichteinhaltung der sozialen Distanzierung für die Infektion von 4000 Menschen verantwortlich ist. Ich war so geschockt, dass ich - ohne groß darüber nachzudenken - dieses Video aufgenommen habe. Das war spontan.

An welcher Stelle fällt es auch Ihnen mal schwer, das Kontaktverbot einzuhalten?

Dank der Erziehung meiner Großmutter bin ich diszipliniert und jammere nicht über Dinge, die notwendig sind. Dafür ist kein Platz.

"Sich jetzt nicht an die Regeln zu halten, wäre pure Idiotie"

Ist es für einen Freigeist wie Sie nicht schwer, sich an strenge Regeln zu halten?

Sich jetzt nicht an die Regeln zu halten, wäre pure Idiotie. Und ich bin zwar ein Freigeist, aber kein Idiot. Ich bin Rheinländer. Wir sagen: Et hätt noch emmer joot jejange!

Wie hat sich Ihr Tagesablauf verändert?

Ich habe Stubenarrest. Während die Menschen in Pflegeberufen, im Supermarkt, bei der Polizei und in der Politik gar nicht mehr zur Ruhe kommen vor lauter extrem schwierigen Aufgaben, hat die Mehrheit von uns nun viel Zeit. Zeit zum Nachdenken. Zum Meditieren. Zum Beten. Zum Alleinsein. Zum Neubeginn. Zum Sich-selbst-Genügen. Zum Einander-wirklich-Kennenlernen. Ich nutze diese Zeit auch, um ein neues Buch zu schreiben.

Ende 2019 hat ein anderes großes Projekt Sie beschäftigt: Sie haben mit Bully Herbig im Film "Der Boandlkramer und die ewige Liebe" die Hauptrollen gespielt, im letzten Werk des bayerischen Regisseurs Joseph Vilsmaier.

Und selten hatte ich bei einem Filmdreh so viel Freude wie bei dieser Produktion! Mit Joseph Vilsmaier drehen zu dürfen, war ein Geschenk. Er war bei der konkreten Arbeit ein schweigsamer Regisseur und hat nach einer Szene kaum mal etwas gesagt. Aber geschaut hat er! Je nachdem, wie er geschaut hat, wusste man, ob ihm eine Szene gefallen hat oder nicht. Auch mit Bully zu drehen, hat unglaublich viel Freude gemacht. Er ist gescheit, freundlich und hundsbegabt.

Hannah Herzsprung spielt ebenfalls mit. Wie war da die Chemie?

Mit Hannah hatte ich leider gar keine Szene. Das habe ich sehr bedauert, denn sie ist so eine starke Schauspielerin. Wir sind uns nur kurz bei der Kostümprobe begegnet und haben uns gegenseitig "Toi, toi, toi!" gewünscht.

"Riesen Mengen Klopapier braucht man nicht"

Nun sind auch Sie im Homeoffice. Welche Tipps haben Sie da?

Riesige Mengen Klopapier braucht man nicht zwingend. Dafür Kaffee, Computer und Optimismus.

Schauen Sie sich die Wohnzimmer-Konzerte an, die viele Künstler jetzt geben?

Ich liebe vor allem die Videos von normalen Menschen. Zwei Italiener, die auf ihrem Balkon mit der Markise Richtung Adria "segeln". Die britische Hausfrau, die "I Will Survive" umdichtet und ihren Ehemann singend in den Wahnsinn treibt. Aber auch der Appell von britischen Pflegekräften, die uns via BBC aufklären. All das macht Mut.

Welche kleinen Begebenheiten in Ihrem Umfeld erwärmen in diesen Tagen Ihr Herz?

Eine liebe Freundin hat mir ein Video von ihrer Nachbarin geschickt, die ihrem Papagei polnische Volkslieder beibringt. Zum Brüllen! Wir haben vor Lachen um Gnade gewinselt.

Haben Sie so etwas wie ein aktuelles Lebensmotto?

Ich für meinen Teil nehme gern noch ein Eierlikörchen. Das Leben muss ja irgendwie weitergehen.

Konnten Sie denn in Südafrika die TV-Ansprache von Bundeskanzlerin Merkel verfolgen?

Ja, natürlich.

"Menschen zeigen das, was sie am besten können: menschlich sein"

Hat sie Ihrer Meinung nach die richtige Tonlage getroffen?

Ich habe bisher den Eindruck, sie hat die Sache im Griff. Hoffentlich bleibt sie gesund! Zwei, drei Worte mehr könnten allerdings nicht schaden. Der südafrikanische Staatspräsident wendet sich jeden Tag mit einem Update an die Bevölkerung.

Was können wir alle jetzt für die Zukunft lernen?

Dass jeder Einzelne den Lauf der Welt maßgeblich mitbestimmt. Und ich lerne gerade wirklich viel über Menschen, da gibt es einige Überraschungen. Diese unfassbar dummen Verschwörungstheorien, die derzeit global kursieren, sind fast genauso schlimm wie das Virus. Das reicht von "Ist ja nur 'ne aufgebauschte Grippewelle" bis hin zu "Deutschland wird jetzt ein autokratischer Polizeistaat". Aber mehrheitlich zeigen die Menschen das, was sie am besten können: menschlich sein. Generell gilt: Hände waschen! Hintern auch! Und ansonsten freut sich der Junge bald mal auf frische Luft.

Gala

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