Gräfin Nathalie von Bismarck: "Ich hatte jahrelang Hoffnung"

Böse Unterstellungen, Familienstreit, Skandale - die Familie Bismarck kommt aus den Schlagzeilen nicht heraus. Nur ein Mitglied hat sich nie dazu geäußert: Gräfin Nathalie von Bismarck. In "Gala" bricht sie nun ihr Schweigen

Nathalie von Bismarck

Sie ist schmal geworden. Die Anstrengungen der vergangenen Monate haben ihre Spuren hinterlassen. Von einer "emotionalen Ausnahmesituation" spricht Nathalie von Bismarck, 42, wenn sie zurzeit auf ihr Leben blickt. Das fasst ziemlich gut zusammen, was die schöne Kanadierin zuletzt alles erleben musste.

Rückblick: Im November behauptete ein Reisebüro öffentlich, die Gräfin habe für Flüge nicht bezahlt, die sie angetreten habe. Es entstand der Eindruck, sie lebe in Saus und Braus auf Kosten des Hauses Bismarck. Ein ebenso absurder wie rufschädigender Vorwurf, wie Nathalie von Bismarck im Interview mit "Gala" zurechtrückt. "Den Großteil des Geldes habe ich in die Ehe eingebracht", stellt sie richtig. Der besagte Vorwurf brachte einen Stein ins Rollen, der mit einem öffentlichen Aufschrei ihres Ehemanns Calle seinen Höhepunkt fand, in dem er nicht nur seine Frau verteidigte, sondern in einem beispiellosen Rundumschlag gegen seine ganze Familie austeilte. Gleichzeitig gab er zu, ein Alkoholproblem zu haben, dass auch seine Ehe belaste.

Wie sehr dieses Problem der Beziehung des vermeintlichen Glamourpaars tatsächlich geschadet hat, erzählt Nathalie von Bismarck nun nach reiflicher Überlegung. "Ich lasse mich scheiden", bestätigt sie auf Nachfrage von "Gala". Sie ist nicht der Typ Mensch, der die Öffentlichkeit sucht, um private Probleme zu diskutieren. Ihre Motivation ist, "das Wort an alle Frauen zu richten, die die gleichen Erfahrungen wie ich machen oder gemacht haben". Und so sitzt sie nun hier im Hotel "Bayerischer Hof" in München mit einer Tasse Verbenen-Tee. Etwas erschöpft, aber ganz klar in dem, was sie mitteilen möchte. Eine starke Frau, die ihren Weg gehen wird - jetzt, wo sie sich freigeschwommen hat.

In jüngster Zeit gab es viel Medienaufmerksamkeit für die Familie Bismarck, vor allem als Ihr Mann Calle offen über den Erbstreit mit seinem Bruder gesprochen hat. Wie stehen Sie zu seinen Geständnissen?

Was mein Mann gesagt hat, kam von Herzen. Ich kenne nicht viele Menschen, die den Schneid besitzen, sich öffentlich so zu äußern. Das muss ich ihm lassen.

"Ich bereue die Entscheidung nicht. Im Gegenteil, ich verspüre eine große Erleichterung".

Es wurde in Presseberichten auch behauptet, dass Sie Flugrechnungen nicht bezahlt hätten und dass Sie und Calle das Geld der Bismarcks verschwenden würden. Möchten Sie dazu Stellung nehmen?

Ja, danke, dass Sie mir diese Frage stellen! Der Artikel, auf den Sie sich beziehen, hat eine Verunglimpfung meiner Persönlichkeit bewirkt. Vor zwei Jahren gab es eine offene Rechnung für Flugreisen, die für meine Kinder, meinen Mann und mich aufgelaufen waren. Damals versicherte mir mein Mann, sein Vater (Fürst Ferdinand; Anm. d. Red.) würde dafür aufkommen. Kurz darauf zog ich aus beruflichen Gründen nach London und bekam aus Friedrichsruh nur sporadisch Post nachgesendet. Die genannte Rechnung war nicht darunter. Als ich davon erfuhr, rief ich im Büro der Familie an, um herauszufinden, warum mich keiner über die Angelegenheit informiert hatte. Die Antwort war, dass Ferdinand die Freigabe für die Zahlung nicht gegeben hat. Daraufhin rief ich meinen Schwiegervater an, der mich an meinen Ehemann verwies. Aber woher soll Calle das Geld nehmen? Hier bin ich also wieder und zahle eine Rechnung alleine.

Sie wollen damit sagen, Ihr Mann hat kein Geld?

Mein Mann arbeitet nicht und bekommt eine Apanage von seinen Eltern. Den Großteil des Geldes habe ich in die Ehe eingebracht. Seit Jahren habe ich meinen Mann finanziell unterstützt, die Rechnungen unserer Familie bezahlt, und ich bin auch für einen Großteil der Fixkosten unserer Schlosshälfte in Friedrichsruh aufgekommen. Wenn man dies weiß, ist es absurd zu behaupten, ich würde diese eine Flugrechnung nicht bezahlen wollen. Hätte ich davon gewusst, hätte ich sie sofort bezahlt - wie jede andere Rechnung auch.

Hat Ihnen dieser Skandal geschadet?

Ja, in vielerlei Hinsicht. Er hat nicht nur meine Glaubwürdigkeit und Seriosität angekratzt hat, sondern auch meine Karriere und mein Privatleben. Das betrifft auch meine Kinder. Das Ergebnis von all dem ist, dass zwei kleine Kinder erleben mussten, wie ihre Mutter, die sie liebt und für sie sorgt, in aller Öffentlichkeit diskreditiert wurde. Ich musste die bittere Erfahrung machen, dass der Name Bismarck einem ebenso schaden wie nutzen kann. Es gibt Menschen, die ihn für ihre Zwecke benutzen, ungeachtet dessen, was sie damit anrichten. Wenn man so einen Namen trägt, kann er schnell zum Nachteil werden.

Wie kommen Sie emotional mit all der negativen Presse zurecht ?

Um ehrlich zu sein, belastet mich das alles sehr. Ich habe jahrelang unter dem Familiendisput gelitten. Als ich nach London zog, hoffte ich, dass meine Kinder und ich endlich in Frieden leben könnten. Aber der andauernde Zwist hat uns bis hierher verfolgt und beschädigt. Meine Kinder und ich haben da leider das Nachsehen. Alleinerziehende Mütter haben es ohnehin nicht leicht.

Ihr Ehemann erwähnte, dass Sie beide in London getrennt leben. Seit wann ist das der Fall?

Calle und ich leben seit etwas mehr als zwei Jahren getrennt. Er pendelt zwischen dem Schloss und London, wo er ein kleines Apartment in unserer Nähe bezogen hat.

Er gestand auch, dass er alkoholabhängig sei und dies zu Schwierigkeiten in Ihrer Ehe führte. War das ein Grund, warum Sie von Friedrichsruh weggezogen sind?

Ja, so ist es. Man muss verstehen, dass Alkoholismus eine Krankheit ist. Wer mit einem Menschen zusammenlebt, der von welcher Droge auch immer abhängig ist, ist selbst coabhängig. Ich habe lange versucht, meinem Mann zu helfen und, weiß Gott, er hat gekämpft. Es ist ein kräftezehrender Prozess - auch für denjenigen, der dem Kranken zur Seite steht. Aber die Ärzte versicherten mir, dass zu gehen der einzige Weg aus dem Teufelskreis der Sucht und Co-Abhängigkeit ist.

Als Sie geheiratet haben, ahnten Sie da etwas von seiner Krankheit?

Überhaupt nicht. Ich musste es schmerzlich herausfinden, als ich im achten Monat schwanger mit unserem Sohn war. Plötzlich zeigte mein Mann mir seine andere Seite, die er zuvor sehr gut versteckt gehalten hatte. Er begann in meiner Gegenwart unmäßig viel zu trinken und verschwand immer wieder für mehrere Wochen spurlos. Zu Beginn habe ich das sehr persönlich genommen. Aber seine Ärzte versicherten mir, dass die beste aller Ehefrauen dagegen nichts ausrichten kann. Man kann einen Alkoholkranken nicht retten. Das muss er selbst tun. Er ist für sein Schicksal selbst verantwortlich, es ist seine Entscheidung, die Scherben seiner Seele zu kitten - oder nicht.

Star-Paare

Die Trennungen 2013

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12. Dezember 2012: Die schwangere Malin Akerman ist mit ihrem Mann, dem italienischen Musiker Roberto Zincone, auf dem Weg zum M
27. Oktober 2013:  Schon der zweite Familienausflug seit Bekanntgabe der Trennung - Orlando Bloom holt Flynn und Miranda Kerr an ihrem New Yorker Apartment ab, gemmainsam geht es zum Lunch und zu einem Ausflug mit Halloween-Sammeleimer. Am Samstag sah man die drei bereits bei einem gemeinsamem Ausflug, Abschiedskuss auf die Wange inklusive.
26. September: Richard Gere und Carey Lowell geben nach elf Jahren Ehe ihre Trennung bekannt. Der Schauspieler und das Ex-Model hatten sich auseinandergelebt. Er wolle ein ruhiges Leben auf dem Land, sie zieht die Partyszene in New York vor.

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Gerüchten zufolge haben Sie die Scheidung eingereicht. Ist das wahr?

Ja, es stimmt, ich habe die Scheidung eingereicht. Mein Mann und ich haben uns darauf verständigt, dass dies das Beste ist. Vergangenen Sommer haben wir einen letzten Versuch unternommen, unsere Ehe zu retten. Es hat leider nicht geklappt. Nun lassen wir uns im gegenseitigen Einvernehmen scheiden.

Wenn Sie seit zwei Jahren getrennt leben, warum die Scheidung?

Ich habe die Scheidung vor der ganzen öffentlichen Zurschaustellung eingereicht. Ich musste einen klaren Schlussstrich ziehen. In Trennung leben reicht nicht, um ein neues Leben zu beginnen. Eigentlich glaube ich an das altmodische Prinzip, dass Ehepaare in guten und schlechten Zeiten zusammenbleiben sollten. Und mein Mann hat das sicherlich auch versucht. Aber seine Krankheit hat unser Leben beeinträchtigt. Ich musste ihn zum Wohle meiner Kinder verlassen. Heute haben sie eine glückliche und ganz normale Kindheit ohne Streit und Traumata. Deshalb bereue ich die Entscheidung nicht. Im Gegenteil, ich verspüre eine große Erleichterung.

Wie ist heute Ihr Verhältnis zu Calle?

Ich bin zuversichtlich, dass wir einen Weg finden, miteinander klarzukommen. Wir haben eine gemeinsame Geschichte und zwei wundervolle Kinder, die wir beide sehr lieben. Ich bete zu Gott, dass er seine schreckliche Krankheit besiegen und für sie da sein kann. Bis dahin liegt es an mir, den beiden ein sicheres Umfeld zu bieten, sie zu beschützen und glücklich aufwachsen zu lassen.

Tragen Sie den Namen Bismarck noch mit Stolz?

Es gibt einige historische Mitglieder der Familie, zu denen ich aufblicke. Otto von Bismarck natürlich, aber auch die Großmutter meines Mannes, Ann Marie. Eine starke Frau, die Tausenden von Menschen das Leben gerettet hat. Ich wünschte, ich hätte sie kennengelernt. Abgesehen davon sind mir Namen und Titel nicht wichtig. Ich wusste, als ich Calle kennenlernte, nicht einmal, dass er aus einer berühmten Familie stammt. Meine Mutter sagt immer zu mir: Du hast ein Talent, dir Pleitegeier auszusuchen - du hast es am Ende sogar geschafft, einen mittellosen Grafen zu heiraten. (lacht)

Hegen Sie Groll gegen die Familie?

Ganz und gar nicht. Ich wünsche der Familie alles Gute, vor allem Gesundheit. Die Kinder der Bismarcks, auch meine Kinder, sind die Zukunft dieser großen, alteingesessenen deutschen Familie. Die Kinder spielen alle miteinander, und ich möchte, dass sie mit einer starken, gesunden und glücklichen Familienverbindung groß werden.

Was wünschen Sie sich noch für Ihre Kinder?

Sie brauchen keine teuren Sportwagen oder gar ein Schloss. Das Einzige, was sie brauchen, um glücklich zu sein, ist Liebe und Herzenswärme. Mir ist bewusst, dass meine Kinder einen großen Namen tragen und dass meinem Sohn als Stammhalter des Hauses Bismarck eine besondere Rolle zusteht.

Was sind Ihre nächsten Pläne?

Erst einmal muss ich die Scheidung hinter mich bringen. In dieser emotionalen Ausnahmesituation will ich lieber keine Pläne schmieden. Aber ich werde natürlich weiter an meinen Projekten arbeiten, zumal sie mich und meine Kinder ernähren. Ich freue mich darauf, denn ich liebe meine Arbeit.

Was genau machen Sie beruflich?

Ich arbeite gerade an einer TV-Serie, für die ich ein Drehbuch geschrieben habe, sowie an einem Buch mit Aquarellzeichnungen. Ursprünglich habe ich Kunst studiert, aber in letzter Zeit bin ich auch in den Bereichen Markenkommunikation und Lizenzgeschäft tätig, als Markenbotschafterin und als Netzwerkerin für Firmen-Launches. Für solch einen Job bin ich auch nach London gezogen, und ich möchte mich an dieser Stelle bei Patrick Ebeling, dem CEO von "Lombardium", ganz herzlich für sein Vertrauen bedanken.

Gala: Inhaltsverzeichnis

Gala

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Das alles klingt nach viel Arbeit für eine alleinerziehende Mutter. Wie schaffen Sie das?

Ich habe immer gearbeitet und mein eigenes Geld verdient und könnte mir nie etwas anderes vorstellen. Aber natürlich ist das teilweise sehr anstrengend. Das ist auch meine einzige momentane Sorge, denn ich versuche, nie länger als drei Tage am Stück von meinen Kindern getrennt zu sein. Zum Glück gehen sie bis zum späten Nachmittag zur Schule, das ermöglicht mir, tagsüber zu arbeiten. Abends, wenn sie schlafen, sitze ich dann an meinen Bildern und male.

Nachdem Sie so viele Jahre und auch in den vergangenen Wochen geschwiegen haben: Warum haben Sie sich jetzt entschieden, das Wort zu ergreifen?

Ich tue das nicht nur für mich und meine Kinder. Ich möchte das Wort an alle Frauen richten, die die gleichen Erfahrungen wie ich machen oder gemacht haben. Es spielt keine Rolle, aus welchem familiären oder gesellschaftlichen Background man kommt - das tägliche Leben mit einem Suchtkranken, in dem man versucht, Misshandlungen zu überstehen und einfach keinen Ausweg weiß, kann krank machen oder sogar lebensgefährlich werden. Was ich sagen will, ist, selbst wenn es unmöglich erscheint, kann man die Kraft finden, daraus auszubrechen. Wertschätzt euer Leben! Ihr könnt noch einmal von vorne beginnen, habt keine Angst davor! Dem Teufel ins Auge zu schauen ist schwer, aber nicht unmöglich. Es wird euch befreien. Es ist wie das Gefühl von warmer Sonne auf der Haut. Die Sonne scheint für jeden, sie wählt nicht, auf wen sie scheint. Erlaubt der Sonne, euch zu wärmen, holt euch ihre Energie! Sie wartet nur darauf.

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