Golshifteh Farahani: Trotziger Engel

Weil Golshifteh Farahani mit Stars wie Leonardo DiCaprio dreht, ist sie in ihrer Heimat Iran unerwünscht. Jetzt wurde sie wegen eines provokanten Fotos endgültig ins Exil verbannt

Golshifteh Farahani

Diese Augen!

Dieser Blick! Etwas Geheimnisvolles liegt darin, eine faszinierende Verletzlichkeit und Trauer. Mit diesem Ausdruck wurde Golshifteh Farahani zum gefeierten internationalen Star. Die Schauspielerin und Pianistin aus Teheran verzauberte 2008 in dem Agenten- Thriller "Der Mann, der niemals lebte", das Drama "Alles über Elly" mit ihr in der Hauptrolle wurde 2009 bei der Berlinale mit einem Silbernen Bären ausgezeichnet. Zurzeit ist sie in der hochgelobten Comic- Verfilmung "Huhn mit Pflaumen" zu sehen, gerade hat sie mit gedreht. Doch in diesen Tagen sorgt vor allem ein Foto von Farahani, die seit einiger Zeit in Paris lebt, für Furore. Für das französische Magazin "Madame Le Figaro" hat sie sich nackt fotografieren lassen. Trotzig schaut Farahani den Lesern auf Seite 38 entgegen. Das Schwarz-Weiß-Bild ist Teil einer Sammelgeschichte über die Nominierten für den Filmpreis César. Nur ein Foto - allerdings mit verheerenden Folgen für die 28-Jährige. Denn für das iranische Regime ist solche Freizügigkeit ein Affront, die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Man brauche sie nicht mehr, habe ihr das Kulturministerium mitgeteilt, erzählte Farahani dem "Daily Telegraph". Sie könne "ihre Dienstleistungen woanders anbieten".

Die Schauspielerin in dem Drama "Alles über Elly". Der Film porträtiert die iranische Mittelschicht.

Die Schauspielerin in dem Drama "Alles über Elly". Der Film porträtiert die iranische Mittelschicht.

Was wie die rüde Absage an einen bestellten Klempner klingt, bedeutet für Farahani den endgültigen Verlust ihrer Heimat. Seit rund zwei Jahren lebt die Tochter einer Künstler- und Intellektuellen-Familie in Paris, doch jetzt ist klar, dass sie im Iran als Persona non grata gilt, der bei Einreise sogar Gefängnis drohen könnte. Wie heikel die Situation ist, zeigt die Tatsache, dass sich auf Gala-Anfrage weder Farahani noch ihr Management zu der Sache äußern wollten. Sie wird von der französischen Agentur Adéquat vertreten, die neben anderen und betreut. Auch die Zeichnerin , ebenfalls Exil-Iranerin und eine Freundin, auf deren Comic "Huhn mit Pflaumen" basiert, reagierte auf E-Mails von Gala nicht. Dafür "Madame Le Figaro": Die Redaktion nahm das Foto mittlerweile von ihrer Internetseite.

Ein Taktieren zwischen Protest und Schweigen - anders lässt es sich wohl nicht machen, schließlich lebt Farahanis Familie noch in Teheran. War das Bild, über das seit Veröffentlichung kontrovers im Netz diskutiert wird, eine bewusste Provokation? Ihre Eltern dementierten das umgehend. Fakt ist aber, dass sich die zierliche Farahani in den vergangenen Jahren immer mehr mit den Hardlinern zu Hause anlegte, weil auch Hollywood ihre melancholischen Augen in seinen Filmen haben wollte. Man warf ihr in Teheran vor, für die CIA zu arbeiten, verhörte sie, nahm ihr den Pass ab. Als sie 2008 für eine Rolle neben in London vorsprechen wollte, wurde sie an der Ausreise gehindert. Danach gingen sie und ihr Mann, ein iranischer Filmproduzent, nach Paris.

Wie verkraftet man so einen Neuanfang? Die erste Zeit beschreibt Farahani in Interviews als "schwer". Zwar lernte sie schnell Französisch, aber nicht alles lief so glatt. Sie habe viel geweint, sich oft nach Hause gesehnt, erzählte sie 2009 der Zeitung "Le Monde". Ihre Ehe zerbrach. Und natürlich fragt sie sich immer wieder, wie das eigene Verhalten das Leben der Daheimgebliebenen beeinflusst. "Werde ich je mein Land wiedersehen, seine Menschen, seine Berge? Ich kann es nur hoffen", sagte sie der französischen "Elle". Immerhin: Gelegentlich bekommt sie Besuch von ihren Eltern und ihren Geschwistern.

Das Bild von Golshifteh Farahani aus der Zeitschrift "Madame Le Figaro" (Foto: Jean-Baptiste Mondino) sorgte für heftige Diskuss

Das Bild von Golshifteh Farahani aus der Zeitschrift "Madame Le Figaro" (Foto: Jean-Baptiste Mondino) sorgte für heftige Diskussionen, unter anderem auf Facebook.

In ihrer Situation hat sie sich heute einigermaßen zurechtgefunden, macht wieder Musik, tanzt Tango. Ihren Pfefferminztee trinkt sie am liebsten in der "Galerie 88", einem angesagten Café nahe dem Hôtel de Ville. Nur dass sie kein Fleisch, keine Eier und keine Milchprodukte isst - sie ist strikte Veganerin -, empfinden ihre französischen Freunde als befremdend.

"Und jetzt suchst du nach etwas Neuem, nach etwas fast Unmöglichem?", fragt Farahani Leonardo DiCaprio in "Der Mann, der niemals lebte", als er sie anflirtet und plötzlich ohne Ehering bei ihr auftaucht. Leo macht den Charmeur, sie spielt genial die Spröde, der die Avancen gleichzeitig schmeicheln. Später, als die beiden im Film beim Tee sitzen, das erste Lächeln - dann lacht sie los, und sosehr Farahanis Augen eine tiefe Melancholie in die Welt senden können, so umwerfend befreiend und schön ist ihr Lachen. Hoffentlich werden wir es noch oft zu sehen und zu hören bekommen.
Mitarbeit: Estelle Marandon

Setbilder

Stars bei den Dreharbeiten 2012

20. Dezember 2012: Zac Efron und Imogen Poots stehen gemeinsam für den Film "Are We Officially Dating" in New York vor der Kamer
17. Dezember 2012: Ewan McGregor lässt sich für einen Sketch bei der "Late Night With Jimmy Fallon"-Show vor dem "Green Screen"
12. Dezember 2012: Erschreckend authentisch verkörpert Matthew McConaughey in dem Film "The Dallas Buyers Club" den Aids-Kranken
11. Dezember 2012: Emmy Rossum steht für "You're Not You" vor der Kamera.

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