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George Clooney Reden wir Klartext!

George Clooney
© Reuters
Er kam gerade von einer gefährlichen Afrika-Reise, und nur einen Tag nach diesem Dinner im Weißen Haus wurde George Clooney bei einer Demo festgenommen. Dieser Mann meint es ernst

Die Rosatöne der Blumen beim Dinner,

das US-Präsident Barack Obama zu Ehren des britischen Premiers Cameron gibt, sind exakt aufeinander abgestimmt. Genauso wie die Blauschattierungen von Michelle Obamas Kleid und ihrer Perlenkette. In jeder Hinsicht ein glanzvoller Abend! Die politische Elite der USA trifft auf Top-Unternehmer und führende Köpfe aus Kultur und Show. George Clooney, der Oscar-Preisträger, kennt solches Terrain von anderen Events. Aber diesmal will er in der Runde nicht nur den charmanten Hollywood-Star spielen - er möchte die Chance nutzen, im Zentrum der Macht für sein großes Anliegen zu werben.

Im Zentrum der Macht: Beim Staatsbankett saß Hollywood-Star George Clooney neben First Lady Michelle Obama.
Im Zentrum der Macht: Beim Staatsbankett saß Hollywood-Star George Clooney neben First Lady Michelle Obama.
© Reuters

Erst wenige Tage zuvor war der 50-Jährige noch im Süden des Sudan, geriet dort unter Bombenbeschuss und musste sich mit Dorfbewohnern in eine Höhle retten. Seit mehreren Jahren engagiert er sich für die Menschen in dieser von Bürgerkrieg und Hungersnot gebeutelten Region. Und mehr und mehr nahmen seine Charity- Bemühungen eine immer ernsthaftere, schärfere Dimension an.

So machte Clooney im außenpolitischen Ausschuss des US-Senats auf den "Feldzug von Mord, Angst und Hunger" des sudanesischen Umar-al-Baschir-Regimes gegen den - inzwischen unabhängigen - Süd-Sudan aufmerksam. Vergangene Woche traf er sich zu einem Gespräch mit Präsident Obama und Außenministerin Hillary Clinton. Nur einen Tag nach dem Dinner im Weißen Haus nahm er mit seinem Vater Nick an einer Demo vor der sudanesischen Botschaft in Washington teil: Die Regierung in Khartum müsse aufhören, "ihr eigenes Volk zu vergewaltigen, aus zuhungern und umzubringen", erklärte er vor laufenden Kameras. Die Verantwortlichen in der Botschaft forderten die Demonstranten auf, das Gelände zu verlassen - Clooney und Co. weigerten sich und wurden spektakulär in Handschellen ab geführt. Auch das konnte die Welt per TV verfolgen, ganz im Sinne Clooneys.

Spektakuläre Aktion: Clooney wird nach einer Demo vor der sudanesischen Botschaft in Washington in Handschellen ab geführt, wo e
Spektakuläre Aktion: Clooney wird nach einer Demo vor der sudanesischen Botschaft in Washington in Handschellen abgeführt, wo er mit seinem Vater Nick den Protest angeführt hatte. Nach der Zahlung von 100 Dollar wurde er wieder freigelassen.
© Reuters
George Clooney spricht mit einigen Vertretern der Japanischen Regierung. Schon seit Jahren setzt er sich für die Menschen im Sud
George Clooney spricht mit einigen Vertretern der Japanischen Regierung. Schon seit Jahren setzt er sich für die Menschen im Sudan ein.
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Er will seinen Fans die Wahrheit zumuten. In einem Youtube-Video sind erschütternde Bilder zusehen: mittellose Flüchtlinge, die von Granatsplittern vernarbten Arme einer Frau, nur notdürftig mit ein paar Lappen verbundene Wunden. " Was hier passiert, ist Völkermord", sagt Clooney auch an dieser Stelle. Und: Spätestens in einem Monat, wenn die Regenzeit beginne, würden im Sudan rund eine halbe Million Menschen von einer humanitären Katastrophe betroffen sein. Gemeinsam mit der Menschenrechtsorganisation Enough (www.enoughproject.org) initiierte er das Satellite Sentinel Project. Über dem Gebiet des Sudan wurde ein Satellit installiert, der die Taten des Al-Baschir-Regimes dokumentieren soll. Als der Diktator mit dem Hinweis protestierte, Clooney fände es sicher auch nicht lustig, wenn er bei allem, was er tue, fotografiert werde, konterte der Star mit "Welcome to my world!" und machte aus dem Einwand gleich eine griffige Formel für die Homepage des Projekts: "We are the anti-genocid-paparazzi". Mal ernst, mal smart: Clooney wechselt bei seinem Engagement die Tonlagen. Nach seiner vorübergehenden Festnahme sagte er lächelnd, aus dem Gefängnis habe er seine Mutter angerufen. Wen denn sonst.

Ob er glaubt, dass er mit seinen Aktionen viel ausrichten kann? Wahrscheinlich nicht, meint er. "Aber die Leute sollen nicht sagen können, sie hätten nichts gewusst." Bettina Klee

gala.de

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