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George Clooney "Wir streiten nicht viel"

Selbst für einen Star wie George Clooney ist Hollywood ein hartes Pflaster, doch auf Grant Heslov kann er sich immer verlassen. Innenansichten einer Männerfreundschaft

Sein Agent, sein Pressesprecher, die vielen Helferlein und Ja- Sager:

Eine ganze Armada sorgt dafür, dass George Clooney ein Superstar ist, möglichst einer bleibt und sich auch als solcher fühlt. Doch letztlich sind diese Menschen seine Angestellten, hier geht es ums Business. Freundschaft sieht anders aus. Wenn Clooney eine ganz und gar ehrliche Meinung braucht, setzt er sich mit Grant Heslov zusammen. Der ist im Hauptberuf Schauspieler und Produzent und im Nebenjob Georges bester Freund. Clooney drückt das in seiner typischen Nüchternheit so aus: "Schon seit fast dreißig Jahren sind wir ein Team."

In einer Schauspielklasse des berühmten Coachs Milton Katselas lernten sich die beiden kennen. Clooney war damals klamm, deshalb lieh ihm Heslov 100 Dollar für Porträtfotos. Die von beiden angepeilte Rolle in der TV-Serie "Joanie Loves Chachi" bekam trotzdem Heslov. Clooney hatte dafür die hübschen Bilder von sich - und fortan einen Menschen, dem er hundertprozentig vertraut. Heslov sagt über diese Freundschaft: "Ich habe einen großartigen Freundeskreis, und George gehört einfach dazu. Für mich ist er ein ganz normaler Kerl. Das ist der Vorteil, wenn man Leute schon kennt, bevor sie berühmt werden." Gemeinsam träumten beide einst von einem Leben als Hollywood- Star, und Heslov konnte aus nächster Nähe miterleben, wie Clooney tatsächlich einer wurde. Clooney erklärt die unter schiedlichen Berufswege so: "Grants Problem war, dass seine Interessensbereiche breiter gestreut sind als meine und dass er immer mehr Sicherheit suchte als ich." Der eine wurde ein Star, ein auf der ganzen Welt umschwärmtes Sexsymbol. Der andere erarbeitete sich, lange Durststrecken inklusive, den Ruf eines anständigen Schauspielers sowie hervorragenden Regisseurs und Produzenten. Zwischendurch versorgte Clooney Heslov gelegentlich mit kleineren Rollen, im Jahr 2000 beispielsweise in "Fail Safe - Befehl ohne Ausweg". Ein Jahr später ging es dann um mehr als einen kleinen Part: Clooney holte ihn zu Section Eight, der Produktionsfirma, die er mit RegisseurSteven Soderbergh gegründet hatte. Er hatte erkannt, wo Grant Heslovs großes Talent liegt.

Die Jungs haben Spaß: George Clooney, Grant Heslov und Ewan McGregor (v. l.) beim Dreh zu
 "Männer, die auf Ziegen starren". Hesl
Die Jungs haben Spaß: George Clooney, Grant Heslov und Ewan McGregor (v. l.) beim Dreh zu "Männer, die auf Ziegen starren". Heslov führte Regie und produzierte den Film.
© Action Press

Seit acht Jahren führen Clooney und Heslov nun ihre eigene Produktionsfirma, Smoke House. Heslov: "George ist die Rückkehr zu dem, wie Filmstars früher waren. Und irgendwann ist er in seiner Karriere an diesem Punkt angelangt, an dem man auch gehört wird, wenn man etwas zu sagen hat. Etwa seit diesem Zeitpunkt arbeiten wir beide ganz eng zusammen. Er weiß genau, welche Geschichten er erzählen will. Und er hat gesagt: ‚Lass uns die Dinge so machen, dass wir rückblickend stolz darauf sein können.‘" Das Ergebnis dieser Partnerschaft sind hochgelobte Filme wie "Good Night, And Good Luck", "Männer, die auf Ziegen starren" und "Die Iden des März". Aktuell produzieren beide das Politdrama "Argo", mit Ben Affleck als Regisseur. Seinen Ruf als ernsthafter Filmemacher verdankt Clooney also zu einem guten Teil seinem Kompagnon. Übrigens führte der auch Regie bei den erfolgreichen Nespresso-Werbespots. Heslov, Ehemann und zweifacher Vater, sagt über seine Beziehung zu Clooney, den in Wahrheit wohl ewigen Single: "Wir waren Freunde, bevor wir anfingen, miteinander zu arbeiten. Und falls wir jemals aufhören sollten, miteinander zu arbeiten, würden wir weiterhin Freunde bleiben. Unsere Freundschaft überlebt alles. Es ist eine sehr einfache Beziehung, auch wenn es um die Arbeit geht. Wir schreiben, wir streiten nicht viel, wir haben viel Spaß. Wir verbringen viel Zeit miteinander." Sollte es in dieser Männerfreundschaft aber doch mal kriseln - Grant Heslov wüsste, was zu tun ist. "Die 100 Dollar für die Fotos hat George mir bis heute nicht zurückgezahlt. Das kann ich immer gegen ihn verwenden ... " Rebecca Leiter

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