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Gefährliche Fans Wenn Fans mit Mord drohen


Teenie-Stars wie Justin Bieber sind zunehmend extremen Anfeindungen ausgesetzt. Hauptmotiv: Eifersucht

Es gibt sie noch, die echten Fans,

daran sei gleich zu Anfang nachdrücklich erinnert: Fans, die sich freuen, wenn es ihrem Schwarm gut geht, wenn er erfolgreich ist und gesund - und erst recht, wenn er sein Glück in der Liebe findet. Die echten Fans geraten leicht in Vergessenheit angesichts der Treibens eines ganz anderen Typs. Die sogenannten Verehrerinnen - denn meist sind diese Fans weiblich - wünschen ihrem Idol keineswegs offen das Beste, sie drohen im Internet vielmehr hinterhältig mit Mord.

Ihr aktuelles Ziel ist Selena Gomez, 18. Die neue Flamme von Justin Bieber war zum Jahreswechsel beim Knutschen mit dem Teenie-Idol in der Karibik fotografiert worden. "Wenn du wirklich die Freundin von Justin bist, dann bringe ich dich um! Ich hasse dich!", schrieb ein weiblicher Fan, der Bieber wie gut 6,5 Millionen Follower auf Twitter verfolgt. "Lass Justin in Ruhe du Pädophile!" keifte ein anderes Mädchen eifersüchtig. Wächst sich das viel zitierte "Bieber-Fieber" etwa zur Tollwut aus?

Die extremen Reaktionen zeigen: Für einen Teenie-Star ist es nahezu unmöglich, wie gleichaltrige ganz unbefangen die ersten Erfahrungen in Liebe und Sex zu sammeln. Filmfirmen wie die Walt Disney Company wachen über ihre jungen Stars, verbieten ihnen Beziehungen und Partys, lassen sie Keuschheit vor der Ehe predigen - Selena Gomez und die "Jonas Brothers" trugen zeitweise sogenannte "Purity Rings" am Finger, Symbole gegen vorehelichen Sex.

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Diese Haltung, ob aus PR-Gründen oder aus Überzeugung, steigert in Amerika sprunghaft die Zahl jener Fans, die nicht nur die Filme oder Platten ihrer jungen Idole kaufen, sondern auch Merchandise-Artikel vom Bleistiftspitzer bis zum Badehandtuch. Sie lässt auch konservative Eltern leichteren Herzens zum Portemonnaie greifen - und bewahrt ihren Sprösslingen die Illusion, ihr Schwarm sei eigentlich noch zu haben. Nachwuchsstars, die sich über die Idealvorstellungen ihres Vertragspartners hinwegsetzen und wie Justin Bieber öffentlich der jungen Liebe frönen, sehen sich dementsprechend umso stärker dem Druck der Fans ausgesetzt: Beliebers" nennen sich die Justin-Hardcore-Fans, eine Wortmischung aus "Bieber" und "Believer" - also Gläubiger. Auch Demi Lovato, 18, die kurz mit Justin zusammen war, oder Kim Kardashian, 30, die mit ihm nur für eine Fotostrecke im Meer plantschte, zogen den unheiligen Zorn der Fans auf sich. "Die Beliebers haben damit gedroht, mich umzubringen, es war verrückt", so Kardashian, "aber er hat ihnen gesagt, sie sollten sich zurückhalten, und das taten sie."

Weniger zurückhaltend geben sich Fans von Herzensbrecher und "Twilight"-Beau Robert Pattinson, neben Justin Bieber und Zac Efron derzeit beliebtester Teenie-Held bei jungen Fans. Als er sich nach über einem Jahr voller Gerüchte und Dementis schließlich doch zu seiner Freundin, Co-Star Kristen Stewart, 20, bekannte, sah sich die junge Schauspielerin mit Flüchen und Todesdrohungen im Internet konfrontiert. "Es ist extrem schwierig, aber wir sind zusammen, ja", erklärte der Schauspieler in der englischen "Sun". Kristen lässt sich bei öffentlichen Auftritten inzwischen von sechs Bodyguards begleiten. So viele hat nicht mal Prinz Harry.

Die Vorsichtsmaßnahme ist nicht übertrieben, denn längst bleibt es nicht mehr bei Verbalexzessen. Die Jungs von "Tokio Hotel" etwa hatten monatelang eine Gruppe von vier französischen Stalkerinnen auf den Fersen, die im Internet gegen sie hetzten, sie verfolgten und sogar die Mutter der Zwillinge Bill und Tom Kaulitz angriffen - weil sie sich nicht genug beachtet fühlten und die Musiker "bestrafen" wollten, wie sie in einem Interview angaben.

Zwar flippten Teenager schon zu Zeiten von Elvis aus. Doch die Leichtigkeit, mit der heute vor allem junge Mädchen zwischen zehn und 16 Jahren ein Todesurteil in die Tastatur hacken, erzeugt eine neue, erschreckende Qualität. Die bedrohliche Eskalation wäre nicht denkbar ohne das Internet. Die Anonymität im Netz senkt Hemmschwellen, und Communities wie Twitter und Facebook, auf denen Bieber & Co. ihr ganzes Leben zu dokumentieren scheinen, erwecken bei vielen Teenies den Eindruck, ihr Star sei zum Anfassen nah - genauso wie der süße Typ aus der Parallelklasse. Die gefühlte Nähe zu den Idolen lässt auch der Respekt vor deren Privatleben schwinden.

Warum vor allem weibliche Teenager mit Gewaltsprüchen auffallen, ist noch nicht wirklich geklärt. Ein Grund könnte sein, dass von Mädchen im realen Leben immer noch mehr Zurückhaltung verlangt wird als von Jungen, nicht zuletzt in der Wahl ihrer Liebesobjekte. Zwar schwärmen auch Jungs im Internet für weibliche Idole wie Selena Gomez, allerdings drohen sie nicht deren realen Partnern. "Mir ist egal, ob Selena die Freundin von Justin ist", postet selbstbewusst ein Junge im Netz, "ich will einfach nur ihre Mail-Adresse, wer von euch hat die??!"

Und wie reagierten Justin und Selena, die Objekte millionenfacher Begierden und ungezählter Drohungen? Mit einer klugen Deeskationsstrategie. Statt sich zu den Anfeindungen und Kommentaren direkt zu äußern, entlinkten sie sich auf Twitter, sodass Fans die Kommunikation zwischen den beiden ab sofort nicht mehr verfolgen können. "Manche Dinge muss ich eben für mich behalten, auch wenn das Interesse an meinem Privatleben wohl nie mehr abreißen wird. Nur so viel: Ich genieße mein Teenager-Leben in vollen Zügen", gab Justin an. Und dass beim Karibikurlaub Selena, die inzwischen abgereist ist, von Justins Mutter abgelöst wurde, wird seine wildwütigen Fans vielleicht milde stimmen.

Roland Rödermund

gala.de


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