Franz Dinda: Zwischen Schauspielerei, Kunst & Poesie

Franz Dinda schauspielert und entwickelt einen begehbaren Gedichtband, um Lyrik und Kunst miteinander zu kombinieren. Wie er das macht, verrät er im Interview mit GALA. 

Franz Dinda

Franz Dindas Künstlerherz schlägt doppelt: Der 36-Jährige steht zum einen für erfolgreiche Film- und Serienproduktionen vor der Kamera (ab dem 19. August 2019 in "23 MORDE" auf JOYN), zum anderen entwickelt er Ausstellungen, in denen Kunst und Sprache miteinander kombiniert werden.

Franz Dinda erfindet einen begehbaren Gedichtband

Sein Konzept: Ein begehbarer Gedichtband. In alltägliche Gegenstände wie Spiegel und Schreibmaschinen wird Lyrik integriert - zum Anfassen, Berühren und Spielen für Jung und Alt. Denn wenn Franz Dinda vor einer Sache warnt, dann vor der Polemik und sprachliche Zündeleien. Im Gespräch mit GALA redet er über seine Leidenschaft zur Poesie, die Veränderungen in der Filmbranche und was er in unserer heutigen Welt anders machen würde.

GALA: Sie sagen: "In einer Welt wie unserer, in der Sprache aktuell immer mehr für Polemik und Ausgrenzung instrumentalisiert wird, gilt der poetische Umgang mit ihr als unbedingt nachhaltig." Wie meinen Sie das?
Franz Dinda: Erstmal ist die Frage, was der neue Umgang mit Sprache überhaupt ist. Ich würde das so definieren, dass wir viel offener und internationaler in unserer Sprache agieren. Außerdem haben sich viele Anglizismen in unserem alltäglichen Sprachgebrauch etabliert. Manchmal können wir uns sogar schon sehr viel besser mit Anglizismen ausdrücken, als mit der entsprechenden deutschen Formulierung. Das muss uns aber keine Angst machen, denn indirekt ist das ein gutes Zeichen: Sprache überwindet Grenzen.

Trotzdem kritisieren Sie unseren heutigen Umgang mit Sprache.
Bei mir gehen einfach nur die Alarmglocken an, wenn ich feststelle, dass wir uns auch sprachlich immer mehr an Polemik gewöhnen. Oder wenn ich sehe, dass Sprache bewusst genutzt wird, um zu zündeln wie bei Söders "Asyltourismus". Ich glaube in dem Moment, in dem man das durchschaut, kann man dem bewusster begegnen.

Und Sie glauben, dass die Poesie dieses Sprachbewusstsein unterstützen kann?
(lacht) Das ist natürlich meine Hoffnung. Ich bezweifle allerdings, dass man durch 1-2 Ausstellungen eine wirkliche Veränderung erzeugen kann, obwohl natürlich die Idee dahinter zählt: Eine kleine Sensibilisierung schaffen. Und das, mit einer spielerischen Freude. Ich bin jemand, der bei Lyrik sofort an Deutsch LK denkt. Genau das soll in meinen Ausstellungen aber nicht passieren, meine Arbeiten sind keine "Schön-Denker-Pose", die den Leuten beweisen soll, wie kreativ ich bin. Die Poesie ist einfach eine sehr zeitgemäße Textform, die man virtuos behandeln kann. Sie ist kurz und knapp und passt demzufolge auch in unsere engen Zeitfenster, ohne uns zu unterfordern.

Das ist der "ReimRaum" von Franz Dinda

Was genau kann man sich unter Ihrem "ReimRaum"-Konzept vorstellen?
Vor 10 Jahren habe ich angefangen, das Konzept für den "ReimRaum" zu entwickeln. Mir ging es immer darum, Sprache unterhaltsam mit Kunst zu kombinieren. Die Idee dahinter ist, es einen begehbaren Gedichtband zu schaffen, sprich die Gedichte in den Raum zu holen - zum Anfassen, Berühren und Spielen. Konkret bedeutet das, dass in alltägliche Gegenstände Lyrik integriert wird.

Ein Beispiel: Ein Standspiegel, der mitten im Raum steht und auch die Funktion eines Spiegels erfüllt. Wenn man allerdings an einer Schublade des Spiegels zieht, wird der Spiegel durchsichtig und dahinter erscheint ein Gedicht über Identität. Wenn man die Schublade schließt, ist es wieder ein ganz normaler Spiegel.

Franz Dinda stellt im Rahmen der "BE A MOVER"-Ausstellung von Daimler, auf der er sein "ReimRaum-Konzept" ausstellt.

Könnten Sie sich zwischen der Schauspielerei und dem Entwickeln von Kunstausstellungen entscheiden?
Für mich geht das Hand in Hand. Mein ganzes Berufsverständnis ist so aufgebaut, dass ich mit unterschiedlichsten Werkzeugen Emotionen formuliere. In der Schauspielerei mit mir selbst als Instrument, als Autor mit Sprache und als Daniel Düsentrieb eben mit Säge und Lötkolben. All das ergänzt und schöpft gegenseitig aus sich. Und es ist für mich eine große Genugtuung - wie beispielsweise kürzlich beim "Be A Mover"-Kunstsalon von Daimler zu sehen, wie gut das funktioniert.

In einem Interview von 2011 haben Sie gesagt: "Ich finde 80% meiner Filme belanglos." Ist das immer noch so?
Das hat sich – Gott sei Dank – geändert. Der Markt hat sich gewandelt und die deutschen Produktionen sind viel internationaler und moderner geworden. Die festgefahrenen Mechanismen in der Filmherstellung, die in meinen Augen oft den künstlerischen Prozess behindert haben, mussten sich zwangsläufig anpassen, um markt- und konkurrenzfähig zu bleiben. Durch diese Veränderungen habe ich eine völlig neue Liebe zu meinem Beruf entdeckt.

Franz Dinda über "Das Boot"

Wählen Sie ihre Engagements bewusst aus?
"Das Boot" zum Beispiel war ein "No Brainer", da hätte ich jede Rolle angenommen (lacht). Das ist eine ganz starke, emotionale Produktion, mit der ich auch in der Vergangenheit schon viele Berührungspunkte hatte. Ich glaube es hätte mich wirklich zerfressen, wenn ich dort nicht hätte mitwirken dürfen, eben weil es ein so spannendes und groß gedachtes Projekt ist.

Bereuen Sie rückblickend einen Film, den Sie in der Vergangenheit gemacht haben?
Nein. Aber ich war natürlich nicht mit jedem Projekt glücklich, dass ich in meinem Leben gedreht habe. Das ist allerdings ein ganz normaler Prozess, durch den jeder Schauspieler gehen muss, der seine Arbeit als Herzensangelegenheit versteht. Durch die aktuellen Entwicklungen in der Branche schaut man aber immer mehr in glückliche Gesichter.

In einem Interview aus dem Jahr 2011 sagen Sie, dass Sie oft das Gefühl haben, in der falschen Zeit zu leben. In welcher Zeit würden Sie denn gerne leben?
Ich hätte gerne mal ein paar "Brücke"-Maler kennengelernt, allen voran Ernst Ludwig Kirchner. Oder einige Wiener Secessionskünstler wie Egon Schiele. Ich bin aber auch nicht naiv und weiß, dass das alles im Schatten des ersten Weltkrieges stattgefunden hat. Wenn also eine Reise durch die Zeit, dann nur temporär.

Wenn Sie eine Sache in unserer heutigen Zeit ändern könnten, welche wäre das?
Ganz klar: Aus Fehlern der Vergangenheit zu lernen und sich des Privilegs bewusst zu sein, Frieden zu haben. Vor allem, es nicht als "Geburtsrecht" anzusehen, sondern mit allen Mitteln der Demokratie zu schützen.

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