Über Grenzen hinweg: Frankreichs WM-Held Antoine Griezmann und seine Liebe zu Uruguay

Der französische Topstürmer Antoine Griezmann kokettiert mit seiner Liebe zu Uruguay. Das gefällt nicht allen

Olivier Giroud, Antoine Griezmann

In wenigen Stunden treffen im Viertelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 die Länder Frankreich und Uruguay aufeinander. Während ab 16.00 Uhr (ZDF) auf dem Platz in Nischni Nowgorod (Russland) der sportliche Kampf um den Einzug ins Halbfinale ausgetragen wird, umgibt die Partie im Vorfeld aber nicht das Konkurrenzdenken, sondern Liebe. 

Okay, das trifft vielleicht nicht auf alle zu – für einen Spieler aber schon: Frankreichs Topstürmer Antoine Griezmann, 27, versprüht pure Liebe. Allerdings gilt diese keiner bestimmten Person, sondern einem Land. Und wenn Sie jetzt an eine überschwängliche Begeisterung für sein Heimatland denken, liegen Sie falsch. Der Star-Fußballer hat eine besondere Verbundenheit zum südamerikanischen Land Uruguay. In der Pressekonferenz im Vorfeld der Viertelfinal-Begegnung gesteht Griezmann: "Uruguay ist meine zweite Heimat. Ich mag Land und Leute und habe viele Freunde dort." Seine Begeisterung geht aber noch weiter: "Ich fühle mich fast wie ein Uruguayer, ich himmle die Nationalität an, ich himmle die Leute an."

San Sebastian, oder wo die Liebe ihren Anfang nahm

Sein ehemaliger Trainer Martin Lasarte, 57, hat diesen Stein ins Rollen gebracht. Der Spanier erkannte das Talent des Franzosen und holte ihn 2005 zum spanischen Klub Real Sociedad in San Sebastian. Damals war er gerade einmal 14 Jahre alt – wurde wegen seiner Körpergröße (1,75 m) und schmächtigen Statur von sämtlichen französischen Fußball-Internaten abgewiesen. In Spanien bekam er eine Chance. Der gebürtige Uruguayer Lasarte nahm sich "el pollito" – das Hühnchen, wie ihn die Spanier getauft hatten – an und machte aus ihm den Profi, der seit 2014 erfolgreich beim spanischen Verein Atletico Madrid spielt und vor kurzem seinen Vertrag bis 2021 verlängerte.

Antoine Griezmann mit seinem Lieblingsgetränk in der Hand: Mate-Tee

Verstärkt haben dürfte die Begeisterung für Uruguay nicht zuletzt die Freundschaft zu seinem Team-Kollegen Diego Godín. Über den kompromisslosen Verteidiger aus Uruguay sagt er: "Diego ist ein sehr guter Freund. Wir verbringen jeden Tag viel Zeit miteinander, sowohl auf als auch abseits des Rasens." Der 32-Jährige ist sogar noch mehr. "Er ist der Patenonkel meiner kleinen Tochter und er hat mich dazu gebracht, bei diesem Verein zu unterschreiben". Umgekehrt weiß Godín zu erzählen: "Er liebt das, was wir sind, unsere Bräuche, unsere Musik und er trinkt zudem mehr Mate als ich!"

Luis Suarez ist genervt von Griezmann

Dass Griezmann damit kokettiert, bleibt bei seinen Gegenspielern nicht unbemerkt: Uruguays Mittelfeld-Spieler Nahitan Nández, 22, hofft, dass Griezmanns Urugay-Liebe den Stürmer nachlässig werden lässt: "Wir hoffen, dass er sich korrekt verhält und nicht vergisst, dass er ein halber Uruguayer ist."

Aufgeschultert von seinem Teamkollegen Diego Godín feiert Uruguays Stürmer Luis Suarez hier nicht die Liebe von Antoine Griezmann

Mit etwas weniger Humor nimmt Nández Landsmann Luis Suarez, 31, die Angelegenheit. Der Mittelstürmer vom FC Barcelona ist von Griezmann genervt: „Er weiß nicht wirklich, was es bedeutet, Uruguayer zu sein." Zudem wisse er nichts darüber, welche Opfer man als Kind in Uruguay bringen müsse.

Die Liebe zu dem 3,5-Millionen-Einwohner-Land an der Río de la Plata wird sich der Dribbelkünstler aus Mâcon (nahe Lyon) dadurch aber wohl nicht nehmen lassen. Der verletzte Nationalstolz von Suarez aber könnte dem packenden Duell eine zusätzliche Note verleihen.

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