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Fahri Yardim "Das Herz liegt nördlich


Mit seinem "Tatort"-Debüt wurde er zum Publikumsliebling. Jetzt ermittelt Fahri Yardim zum zweiten Mal neben Til Schweiger. In "Gala" erzählt er, warum er gern Lehrer werden würde und Hamburg so liebt

Mit Charme und lockeren Sprüchen avancierte Fahri Yardim, 33, als "Tatort"- Ermittler über Nacht zum Krimi-Helden. An diesem Sonntag läuft mit "Kopfgeld" sein nächster Einsatz im Ersten. "Gala" traf den Shooting-Star in seiner Heimatstadt Hamburg.

Der Hype um Ihre Person nach dem ersten "Tatort"-Einsatz war enorm. Haben Sie das erwartet?

Absolut nicht. Ich habe lange darüber nachgedacht, wie ich damit umgehen soll. Einerseits freut es mich, dass ich mir Sympathien erspielt habe, andererseits bleibe ich misstrauisch. Hypes gegenüber war ich schon immer skeptisch.

Trotzdem: 12,5 Millionen Zuschauer ändern auch etwas in der Außenwirkung. Werden Sie oft angesprochen?

Das passiert und ist Teil meines Berufs. Ich hab nicht gerade eine der Fressen, die man sofort vergisst. (lacht) Aber da gibt es schon noch einen Unterschied zu Til, der auf der Straße besprungen wird. Mich sprechen die Leute meist ganz freundlich an. Und wenn ich mal 'n schlechten Tag hab, zieh ich die Kapuze ein bisschen tiefer.

Sie sind eng mit Til Schweiger befreundet. Macht das die Zusammenarbeit einfacher oder eher schwerer?

Zusammen mit Til Schweiger löst er in "Tatort - Kopfgeld" seinen zweiten Fall. Noch spannender als das Debüt! (Das Erste, So., 9. 3., 20.15 Uhr).
Zusammen mit Til Schweiger löst er in "Tatort - Kopfgeld" seinen zweiten Fall. Noch spannender als das Debüt! (Das Erste, So., 9. 3., 20.15 Uhr).
© NDR/Marion von der Mehden

Beides trifft zu. Wenn wir im Job kreative Differenzen haben, werden die professionell ausgefochten. Das verträgt sich mit der privaten Freundschaft. Sonst wäre es keine.

Sie sind derzeit im Kinofilm "Der Medicus" zu sehen. Kam das Angebot aufgrund Ihres "Tatort"-Erfolgs?

Es ist zumindest der gleiche Casting-Agent, der mich vorgeschlagen hat. Aber es war ein fairer Wettbewerb um die Rolle.

An Ihrer Seite im "Medicus" spielt Elyas M’Barek, der ähnlich wie Sie einen Karriereschub erlebt hat.

Bei Elyas ist es noch viel heftiger: Er ist durch "Fack ju Göhte" wahrscheinlich gerade der bekannteste Schauspieler Deutschlands. Und das von null auf tausend. Er war zwar schon erfolgreich mit "Türkisch für Anfänger", aber jetzt? Ich schätze ihn sehr - er ist ein warmherziger Kollege, mit dem ich tolle Gespräche geführt habe. Außerdem sieht er natürlich betörend gut aus. Ich guck ihn manchmal an, bleib kurz an seinem Gesicht hängen und denke: Halleluja, wie geschmeidig da alles sitzt! Ich bin großer Elyas-M’Barek-Fan, aber nicht nur sein Aussehen betreffend. (lacht)

Abgesehen von der Schauspielerei: Welcher Beruf hätte Sie noch fasziniert?

Als fieser Aufseher Hosein ist Yardim im Kinofilm "Der Medicus" zu sehen.
Als fieser Aufseher Hosein ist Yardim im Kinofilm "Der Medicus" zu sehen.
© PR

Ich wäre gern Lehrer geworden - damit liebäugele ich nach wie vor. Ich hatte selber ganz tolle Lehrer, deren Bedeutung im zeitlichen Abstand noch gewachsen ist. Erst spät habe ich verstanden, wie stark sie eigentlich waren. Ich mag Kinder und Jugendliche wahnsinnig gern, weil sie noch diese Offenheit, Neugier und Naivität mitbringen. Mit Menschen zu arbeiten, die durchlässig sind - das könnte meine Welt noch verschönern.

Sie haben lange in Hamburg gelebt, bevor Sie vor ein paar Jahren nach Berlin gezogen sind. Ist der "Tatort"-Dreh ein bisschen wie nach Hause kommen?

Ja, das Herz liegt nördlich. Hamburg löst noch Unendliches aus - gerade weil ich weggezogen bin. Hamburg ist Heimat. Meine Familie und sehr gute Freunde leben nach wie vor hier, und daher bleibt es ein Nachhausekommen. Hier gibt es die Orte der alten Vertrautheiten, die mich runterholen vom Höhenrauschen. Wo ich ganz im Sinne von Goethe spüre: Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein.

Was vermissen Sie am meisten, wenn Sie lange nicht in Hamburg sind?

Den Hafen. Diesen dicken Schiffen zuzusehen, wie sie aufs Meer hinausfahren oder wiederkommen. Hamburg erzählt vom Kommen und Gehen. Von Fernweh und Sehnsucht. Von Vergänglichkeit und dem Unmittelbaren. Aufs Wasser zu schauen stimmt mich friedlich.

Hili Ingenhoven Gala

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