Erzbischof Georg Gänswein: Abgesägt! Der "George Clooney des Vatikans" hat ausgedient

Machtwechsel im Vatikan! Erzbischof Georg Gänswein ist seinen Posten als Präfekt des Päpstlichen Hauses unter Papst Franziskus offenbar los. Auf den schönen Deutschen im Dienste der beiden Päpste könnte ein überaus attraktiver Hoffnungsträger des Heiligen Vaters aus Urugay folgen.

Erzbischof Georg Gänswein, Papst Franziskus

Paukenschlag im Vatikan: Für Erzbischof Georg Gänswein, 63, ist am vergangenen Mittwoch (5. Februar) ein Kapitel seiner außergewöhnlichen beruflichen Laufbahn unvermittelt zu einem vorläufigen Ende geführt worden. Papst Franziskus, 83, hat den Priester aus Baden-Württemberg auf unbestimmte Zeit beurlaubt, wie Vatikan-Sprecher Matteo Bruni bestätigt. Von nun an scheint der Mann, der an der Seite von Papst Benedikt, 92, weltweit Bekanntheit erlangte, im Machtzentrum der katholischen Kirche abgeschrieben zu sein.

Georg Gänswein: Macht er Platz für Gonzalo Aemilius?

Zwar bleibt der Vertraute des emeritierten Heiligen Vaters allem Anschein nach dessen Privatsekretär, das weitaus wichtigere Amt als Protokollchef des amtierenden Papstes allerdings ist der "George Clooney des Vatikans", wie ihn der italienische Boulevard-Journalist Roberto D'Agostino, 71, einmal taufte, wohl bis auf Weiteres los. Lediglich die Organisation der öffentlichen Audienzen soll noch in seiner Hand liegen.

Mit Gänswein verschwindet eine erfahrene Instanz aus dem Umfeld des Oberhauptes der katholischen Kirche. Die gute Nachricht: An Attraktivität wird es in dessen Vorzimmer auch in Zukunft nicht mangeln.  

Papst Franziskus mit Gonzalo Aemilius im Jahr 2013. Der Priester hat vor seiner Berufung in den Vatikan mit Straßenkindern in seiner Heimat Uruguay gearbeitet. Jetzt ist er der neue Privatsekretär des Heiligen Vaters. 

Gonzalo Aemilius: Sein junges Lebenswerk begeistert Papst Franziskus

Das liegt vor allem an ihm: Gonzalo Aemilius, 40. Der Priester aus Uruguay ist der Privatsekretär von Papst Franziskus und glänzt nicht nur mit seinem guten Aussehen, sondern vor allem mit einer interessanten Vergangenheit. Seine Familie ist nicht gläubig, heißt es. Es ist lediglich bekannt, dass seine Großmutter jüdische Wurzeln besitzt, wie das Jesuiten-Magazin "America" berichtet. Trotz dieser Voraussetzungen entscheidet sich Aemilius als Elfjähriger für den katholischen Glauben und lässt sich taufen. Mit 18 dann der Entschluss: "Ich will Priester werden!". Der Geistliche aus gut situiertem Hause widmet in den folgenden Jahren seine ganze Kraft der Arbeit mit Straßenkindern und Drogenabhängigen in Montevideo.

"Ich bin's, Gonzalo!"

Sein Einsatz aus Nächstenliebe dringt zu dem damaligen Kardinal und Erzbischof von Buenos Aires, Jorge Mario Bergoglio, dem späteren Papst Franziskus. Die beiden lernen sich laut "America" bereits 2006 kennen und vertiefen ihre Bekanntschaft im Jahr 2013. In der Vatikan-Gemeinde Sankt Anna will der frisch gewählte Pontifex eine Messe feiern. Ein gut aussehender blonder junger Mann steht wartend vor der Kirche und ruft nach "Jorge", um ihm dann lautstark mitzuteilen "Ich bin's, Gonzalo". Sein Schicksal ist besiegelt. Franziskus ruft ihn nach der Messe zu sich, stellt den jungen Mann der Gemeinde vor und lobt seine Arbeit in den höchsten Tönen. 

Ein Moment, der Gonzalo Aemilius die Welt bedeutet haben muss. Im Interview mit "L'Osservatore Romano", der vatikanischen Tageszeitung, beschreibt Gonzalo wenige Tage später, wie Kardinal Bergoglio als Erzbischof von Buenos Aires  "entscheidenden" Einfluss auf sein Leben hatte: "Er hat mich gelehrt, das Beste zu nehmen, was in jedem Einzelnen steckt, so unterschiedlich er oder sie auch sein mag, und es zum Wohle aller zu nutzen." 

Aemilius als Zögling des amtierenden Papstes zu bezeichnen, liegt demnach nahe. Immerhin holt der ihn sieben Jahre später an seine Seite. Ein Vertrauensbeweis. Eine Geschichte, die im Vatikan von Papst zu Papst immer wieder geschrieben wird. Das höchste Amt der katholischen Kirche bedingt einen intimen Kreis treuer Mitstreiter, auf die Verlass ist in einem Umfeld, das nicht nur auf Nächstenliebe und christlichen Werten, sondern auch auf Rivalitäten und oft gnadenlosen Intrigen der verschiedenen Lager fußt. 

Gänswein ist Papst Benedikts engster Vertrauter

Erzbischof Gänswein ist bis zur vergangenen Woche sozusagen eine Erblast des im Ruhestand befindlichen Papstes Benedikt. Der 63-Jährige hat für Papst Franziskus einen recht beachtlichen Terminkalender organisiert, seine Besuche in- und außerhalb von Rom und die öffentlichen und privaten päpstlichen Audienzen koordiniert. Und doch scheint keine Nähe zwischen den beiden Kirchenmännern entstanden zu sein.

Anders gestaltet sich das Verhältnis des promovierten Kirchenrechtlers mit seinem Ziehvater, dem ehemaligen Kardinal Joseph Ratzinger, der 2005 zur Überraschung vieler, vor allem wohl aber zu seiner eigenen, den Stuhl Petri besteigt. Gänswein ist dem 92-Jährigen treu verbunden. Der hat ihn schließlich 1996 in die Kongregation für Glaubenslehre geholt. Seitdem weicht er seinem Mentor nicht mehr von der Seite, wird Ratzingers persönlicher Assistent und nach dessen Wahl ins Papstamt sein Privatsekretär.

Georg Gänswein ist seit vielen Jahren treuer Begleiter des emeritierten Papst Benedict XVI. Auch bei seinem dreiwöchigen Urlaub im französischen Les Combes im Jahr 2005 ist der Priester an der Seite des Heiligen Vaters.


Soll der Erzbischof seinem Mentor auf die Finger schauen?

In den vergangenen Jahren ist Georg Gänswein zweigleisig gefahren, hat beiden Päpsten gedient. Nun das vorläufige Aus im unmittelbaren Machtzentrum des Vatikans. Papst Benedikt wird der Priester mit der besonderen Ausstrahlung offenbar noch weiterhin auf seinem letzten Weg begleiten. Ein letzter Dienst aus Nächstenliebe vermutlich, denn auch wenn Gänsweins Beurlaubung bisher offiziell nicht begründet ist, liegt die Vermutung nahe, dass sein langjähriger Dienstherr indirekt dafür verantwortlich ist.

Benedikts aufsehenerregender Aufsatz zur Verteidigung des Zölibats, der in dem Buch "Aus der Tiefe des Herzens. Priestertum, Zölibat und die Krise der katholischen Kirche“ erschienen ist, wird als Affront gegen seinen Amtsnachfolger gesehen. Dieser wagt aktuell einen bisher undenkbaren Vorstoß und erwägt, eine Priesterweihe verheirateter Diakone in seelsorglichen Notlagen zuzulassen. Stimmen aus Vatikankreisen sollen der katholische "Tagespost" verraten haben, Gänswein sei vor allem "freigestellt, um mehr Zeit Benedikt XVI. widmen zu können". 

Mit Benedikts langsam erlöschendem Lebenslicht scheint auch die Strahlkraft seines Privatsekretärs schwächer zu werden. An anderer Stelle wird ein neues Feuer entfacht. Gonzalo Aemilius sei Dank.

Verwendete Quellen: L'Osservatore Romano, Tagespost, America - The Jesuit Review

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