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Emily Ratajkowski "Wir Frauen entscheiden"

Emily Ratajkowski zeigt einen Schriftzug auf ihrem Oberarm bei einer Premiere
Bei einer Premiere 2019 sendet das Model eine klare Botschaft an Filmproduzent Harvey Weinstein. Er wollte sich damals vom Vorwurf der sexuellen Belästigung freikaufen.
© Axelle/Bauer-Griffin / Getty Images
Model Emily Ratajkowski gibt tiefe Einblicke, wie es hinter den Kulissen ihres Business zugeht – und wie sie selbst so stark wurde. 

Zugegeben, man könnte zunächst denken: Ein 30-jähriges Model, das sich in den Sozialen Medien oft halb nackt präsentiert, veröffentlicht jetzt Memoiren mit dem Titel "My Body" – na und? Doch hinter Emily Ratajkowskis, 30, Schreibdebüt steckt viel mehr. Die (bisher nur auf Englisch erschienene) Essaysammlung hält sich seit Wochen auf der Bestsellerliste der "New York Times". Und wer sie liest, merkt schnell: Emily macht sich viele Gedanken. 

Ihr Aussehen ist Segen und Fluch zugleich

Natürlich geht es um ihren schönen Körper. Doch ungeschönt erzählt sie die ganze Geschichte. Sie beschreibt, dass es Segen und Fluch zugleich ist, attraktiv zu sein, von vielen nur nach dem Äußeren beurteilt zu werden. Wie sie oft unfähig ist, sich selbst wahrzunehmen, ohne in einen Spiegel zu schauen. Es ist ein Gefühl, das viele hübsche Mädchen kennen. 

Mit gerade einmal 16 Jahren wird Emily von der renommierten Agentur "Ford Models" unter Vertrag genommen, nachdem ein Scout sie in ihrer Heimatstadt San Diego entdeckt hat. In ihrer Jugend erlebt sie immer wieder Übergriffe – die sie allerdings erst viel später als sexuellen Missbrauch oder Vergewaltigung benennen kann. 

Man bewegt sich heute immer noch innerhalb der engen Grenzen einer patriacharlischen Welt

Als sie 21 ist, wird sie für das "Blurred Lines"-Video der Superstars Robin Thicke, 44, und Pharrell Williams, 48, gebucht. Emily tanzt in dem Video leicht bekleidet und lasziv. Sie fällt auf, wird millionenfach gegoogelt und so selbst zu einer Berühmtheit. Durch ihr sexy Image fühlt sie sich mächtig. Dass Thicke übergriffig wurde und an ihre Brüste fasste, schreibt sie erst jetzt in ihrem Buch. Sie sammelt damals schon Millionen Follower, verdient viel Geld. Aber sie spürt, dass etwas nicht stimmt.

Es muss sich nicht immer gleich um sexuelle Belästigung handeln. "Ob man einen Bikini oder eine Burka trägt – man bewegt sich heute immer noch innerhalb der engen Grenzen einer patriarchalischen Welt", sagt sie der "New York Times". Ihr Credo lautet daher: "Wir Frauen sind die Einzigen, die entscheiden dürfen, welche Bilder von unserem Körper verbreitet werden."

Sebastian Bear-McClard und Emily Ratajkowski gehen mit ihrem Sohn und Hund spazieren
Seit 2018 ist Emily mit Sebastian Bear-McClard verheiratet, einem Film-Produzenten. Im März 2021 kam Baby Sylvester Apollo Bear zur Welt. 
© MEGA / Getty Images

Emily Ratajkowski meint es ernst

Als der US-Künstler Richard Prince, 72, ein vergrößertes Bikini-Bild von ihrem Instagram-Profil kopiert und es für 80.000 Dollar bei seiner Galerie anbietet, will sich Emily die Kontrolle zurückerobern. Sie stellt sich vor das Werk von Richard Prince, lässt sich so fotografieren und dieses Bild im Auktionshaus Christie's versteigern. Als Unikat, als "Non-Fungible Token", ein nicht ersetzbares digital geschütztes Objekt. Der Erlös: 175.000 Dollar. Touché!

Kontrolle – das ist der entscheidende Punkt für Emily Ratajkowski. Immer selbst zu bestimmen, wofür sie stehen will. Sich bewusst für oder vor allem auch gegen etwas zu entscheiden. Genauso, wie es für alle Mädchen und Frauen weltweit gelten soll.

Gala

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