Elyas M'Barek: Vom Sunny-Boy zum wortkargen Interview-Partner

Elyas M'Barek ist der Sunny-Boy der deutschen Komödie. GALA erlebte den Schauspieler, der nun einen Polit-Thriller drehte, ganz anders

Wenn Elyas M’Barek, 36, auf junge Fans trifft, hört er nur eine Tonlage: schrilles Kreischen. Seit "Fack Ju Göhte“ gilt der Schauspieler als Herzens­brecher der Nation. Beim Gespräch in einem Berliner Hotel ist die Stimmung nicht aufge­heizt, sondern gefühlt unter Zimmer­temperatur. Formeller Händedruck zur Begrüßung, wir siezen uns – und das bleibt auch so. Unüblich bei Interviews mit etwa gleichaltrigen Schauspielern. Elyas M’Barek trägt eine verspiegelte Sonnenbrille aus Horn, die er auch im Verlauf un­seres Treffens nicht absetzt.

Elyas M'Barek wirkt unterkühlt

Elyas M'Barek lässt sich in einen Ohrensessel fallen. Wirkt gelangweilt. Dabei will er heute für ein besonderes Kinoprojekt werben. In der Ver­filmung des Ferdinand­ von­ Schirach­ Bestellers "Der Fall Collini“ spielt M’Barek den aufstrebenden Rechts­anwalt Caspar Leinen, der als Pflicht­verteidiger für den Mörder seines Ziehvaters bestellt wird und einen Jus­tizskandal aufdeckt, der seine Wurzeln in der NS­-Vergangenheit hat. Keine Komödie, für die M’Barek sonst steht, sondern ein Polit-­Thriller mit Tiefgang. Eigentlich viel Gesprächsstoff, weil es ihm die Möglichkeit gibt, eine neue Seite seines schauspielerischen Könnens darzustellen. 

"Ich habe kein großes Mitteilungsbedürfnis"

Doch M’Barek bleibt zurückhaltend. Seine Stimme hält er konstant in einer Tonlage. Um die Stimmung aufzulockern fragen wir mit einem Lächeln: "Gibt es etwas, das Sie heute sehr gern erzählen würden?“ Überraschende Antwort: "Eigentlich bin ich ganz froh, wenn ich nicht immer im Mittelpunkt stehe und Fragen beantworten muss. Ich habe generell kein so großes Mitteilungsbedürfnis“, sagt M’Barek und fügt hinzu: "Mein Beruf besteht ja nicht nur aus Interviews. Ich stehe am liebsten vor der Kamera.“ Ach so, klar.

Gastrollen ergatterte bereits vor seinem Abitur

Ähnlich geht es weiter. Frage, Antwort im Stakkatostil, nächs­te Frage. Es wird langsam warm im Raum – oder beginnt man zu schwit­zen? Elyas M’Barek vergräbt sich immer tiefer in seinen Sessel, weicht mit seinem Blick oft aus. Ob er denn schon als Kind gerne geschauspielert hätte, wollen wir wissen. Der gebürtige Münchner, der als Junge zeitweise ein katholisches Internat in Niederbayern besucht hat, antwortet knapp: "Ja, im Schultheater“. Und was genau? "Das weiß ich gar nicht mehr. Alles Mögliche: 'Ein Sommernachtstraum‘, 'Romeo und Julia‘. All das, was man eben so in der Schule spielt“, sagt er. Erste Engagements und Gastrollen ("Mädchen, Mädchen“, "Forsthaus Falkenau“) ergatterte er bereits vor dem Abitur, Betriebswirtschaft stu­dierte M’Barek im Anschluss daran "alibimäßig“.

Filmpremiere

Fack ju Göhte 2

Lena Meyer-Landrut und Elyas M'Barek
Viele Fans wartem am roten Teppich gespannt auf ihre Lieblinge.
Gizem Emre, Karoline Herfurth und Jella Haase
Uschi Glas

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Mit "Türkisch für Anfänger" gelang ihm der Durchbruch

Als Klischee­-Prolet Cem Öztürk gelang ihm 2006 in der ARD-­Vorabendserie "Türkisch für Anfänger“ der Durchbruch, er brach sein Studium ab. Was seine Karriere betrifft, habe er Regisseur Bora Dağtekin am meisten zu verdanken, erzählt M’Barek. Dieser schrieb ihm auch mit "Fack Ju Göhte“ die Rolle als Kleinkrimineller Zeki Müller, der unfreiwillig Lehrer wird, auf den Leib – und machte den Schauspieler damit 2013 zum Star.

Elyas M'Barek liebt die Normalität

Doch auch über seine Karriere spricht M’Barek an diesem Tag scheinbar nicht gern. Was ihn bei so viel Erfolg erde? Er klärt auf:

"Es gibt gar keinen Grund, mich zu erden, ich bin sowieso nie wirklich woanders“

"Ich bin froh, wenn alles sehr normal abläuft und ich unerkannt bin. Es ist das Schlimmste, wenn die Leute immer so ein Brimborium machen, wenn man da ist. Ich fühle mich am wohlsten, wenn ich behandelt werde wie jeder andere.“ Okay, das erklärt, warum er Interview-Situationen nicht wirklich mag. Sein Blick wandert ans andere Ende des Zimmers, als er erzählt, wie er mit seiner Bekanntheit im Alltag umgeht: Wenn er im Supermarkt nicht auffallen wolle, ziehe er halt einen Schal an oder setze eine Sonnenbrille auf.

Reue ist dem Schauspieler fremd

Zu seinem Werdegang und möglichen Fehlentscheidungen sagt er, er bereue "überhaupt nichts“. Sollte er einmal eine falsche Entscheidung getroffen haben, dann nur, um daraus zu lernen. "Ich versuche, die Eigenschaften, die ich an mir nicht mag, zu ändern. Aber ich werde den Teufel tun und darüber sprechen. Das mache ich lieber mit mir selbst aus.“

Elyas M'Barek

Über Kinderpläne

Elyas M'Barek

Seine Kindheit verbrachte er bodenständig in München-Sendling

Als Sohn einer österreichischen Krankenschwester und eines tunesischen Computerprogrammierers wuchs M’Barek mit seinen beiden jüngeren Brüdern Joseph und Raphael ganz bodenständig in München-Sendling auf. Die Werte, die ihm seine Eltern vermittelt haben? "Ehrlichkeit. Aufrichtigkeit. Zuverlässigkeit. Höflichkeit. Das sind die Dinge, die einen ausmachen und mit denen man am besten durchs Leben kommt.“ Ziemlich allgemein. Geht es konkreter? Ja, M’Barek sagt: "Die Fingernägel müssen geschnitten sein. Das hat mir meine Mutter immer als Kind gesagt. Natürlich, dass man höflich 'Bitte‘ und 'Danke‘ sagt. Und man sollte nicht zu viel über Privates sprechen.“ An diesen Ratschlag seiner Eltern hält sich M’Barek besonders. Aus seinen Freundinnen macht er meistens ein Riesen-Geheimnis. Und auch über seine Familie redet er nur kurz. Ob es für seine Mutter manchmal schwierig war, mit drei Söhnen im Haushalt klarzukommen? "Da müssen Sie meine Mutter fragen. Ich kann ihnen aber sagen, dass sie ihrer Mutterrolle großartig nachgekommen ist.“

"Der Fall Collini": Extreme Herausforderung für den Profi

Elyas M'Barek auf der Premiere seines neuen Kinofilms "Der Fall Collini".

Themawechsel. Sprechen wir über den Film. Seine Rolle sei eine "extreme Herausforderung“ gewesen, erklärt M’Barek. Um sich in die Figur einzufühlen, besuchte er einen Prozess und beschäftigte sich mit Strafverteidigung. Was hält er von Jura? "Spannender Beruf.“ Nächste Frage. "Mit welchen Kollegen sind Sie am Set besonders gut ausgekommen?“ – "Besonders gefreut habe ich mich, wieder mit Heiner Lauterbach vor der Kamera zu stehen, den ich aus 'Willkommen bei den Hartmanns‘ kenne. Der ist toll und witzig. Ein Kollege, zu dem man echt aufschauen kann.“ Gedreht wurde nur 33 Tage – nicht viel für einen Film mit mehreren Zeitebenen.

Ernst zu nehmende Arbeit stiehlt M'Barek die Leichtigkeit

Elyas M'Barek mit GALA-Redakteurin Luise Wackerl

Welche Tipps hat Elyas M’Barek, um konzentriert zu bleiben? "Ich bin generell konzentriert, wenn ich spiele. Ich bin sehr easy zu handeln. Hauptsache, die Stimmung am Set ist gut und es gibt kein Geschrei“, erklärt er. Zum Schluss noch ein letzter Versuch, die Situation ein wenig aufzulockern, egal, wie simpel die Frage ist. Ob es eine lustige Anekdote vom Dreh gebe? Er lacht kurz auf: "Nee.“ Komisch, dabei hat Regisseur Marco Kreuzpaintner doch kürzlich in einem Interview erzählt, Elyas sorge immer für Leichtigkeit am Set. Stimmt das gar nicht? "Wenn er das so sagt, dann freut mich das. Dennoch kann ich mich nicht an eine außergewöhnlich witzige Anekdote erinnern. Es war ja auch eine ernst zu nehmende Arbeit“, erklärt M’Barek. Schluss für heute. Noch ein gemeinsames Foto für GALA. Auch dabei behält er seine Sonnenbrille auf. Und lächelt zum ersten Mal.

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