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Ella Endlich "Ich schaue heute anders auf Männer als früher"

Ella Endlich
© Getty Images
Die Sängerin Ella Endlich spricht zum ersten Mal über ihre dramatischen letzten Tage in der DDR – und ihren persönlichen Neustart im vergangenen Jahr

Sie begrüßt uns mit einem offenen Strahlen und einem festen Händedruck. Viele haben Ella Endlich, 34, noch als Märchenprinzessin im Kopf: Der Aschenbrödel-Song "Küss mich, halt mich, lieb mich" war 2009 ihr größter Hit. 

Ella Endlich spricht über ihre Kindheit

Für ihr neues Album "Im Vertrauen" hat sie nun zum ersten Mal eigene Songs geschrieben – und sich dabei an eine Episode ihrer Kindheit erinnert, von der sie nie jemandem erzählt hat.

GALA: "Lauf dich frei" heißt ein Song auf Ihrem neuen Album "Im Vertrauen". Wovon haben Sie sich freigelaufen?

Ella Endlich: Es ist echt viel passiert. Alles begann, als ich im Juni 2017 mit meinem Vater (dem Komponisten Norbert Endlich, Anm. d. Red.) und meinem damaligen Partner in Skandinavien Urlaub machte. Stundenlang badete ich in Reykjavík in der Blauen Lagune. Dort habe ich plötzlich gespürt, dass ich so, wie ich bisher gelebt hatte, nicht weiterleben wollte. Ich bin von der Reise zurückgekehrt, noch mit dem Licht des Nordens in meinem Herzen und neuer Zuversicht, und beschloss, ab sofort nicht mehr Spielball von Entscheidungen anderer zu sein.

GALA: Sie haben sich voriges Jahr nach sechs Jahren von ihrem Partner getrennt.

Endlich: Das war nicht leicht. Danach war ich drei Wochen lang wie gelähmt von meiner Entscheidung. Ich musste mir erst mal klarmachen: Das ist jetzt wirklich passiert. Ich weiß noch, wie ich am Ende zu ihm sagte: "Ich möchte, dass du ausziehst." Das war so endgültig. Ich wusste: Gleich packt er seine Sachen, und dann werde ich ihn in diesem Haus nie wiedersehen.

GALA: Wie haben Sie es geschafft, so große Entscheidungen in so kurzer Zeit zu treffen?

Endlich: Man muss sich trauen, Dinge gehen zu lassen, die sich nicht mehr gut anfühlen. Ich habe einen spirituellen Coach, dem ich mich anvertraue. 

GALA: Zuvor wurden Ihnen viele Entscheidungen abgenommen, Sie waren schon mit 14 ein Star. Wie war das für Sie?

Endlich: Ich brachte immer schon mit, was es brauchte: die passende Optik, die Fröhlichkeit. Heute denke ich: Die Jungs und Mädels, die es schwerer haben, sind gefestigter in ihrer Kunst, als ich es früher war. Wenn du dir bei Youtube jeden Like erarbeitest, stehst du voll hinter dem, was du tust. Für mich war das Ganze eher wie ein Geschenk, das ich noch nicht begreifen konnte. 

GALA: Sängerin zu werden war also gar nicht Ihr Traum?

Endlich: Es begann eher aus einer Laune heraus. Ich hatte Aaron Carter gesehen, der war damals zwölf Jahre alt und ist durch die ganze Welt getourt. Ich sagte zu meinem Vater: "Ich will auch ein Lied!" Als Komponist und Produzent hatte er die Möglichkeiten. Wir gingen ins Studio, ich sang "It’s Funny", und es stieg in die Charts ein.

GALA: Wie haben Ihre Mitschüler das aufgenommen?

Endlich: Ab dem Moment, wo mein Video auf Viva lief, fand eine Art Abgrenzung von mir statt. Ich war plötzlich jemand anderer in der Schule – dabei hatte ich mich ja gar nicht verändert.

GALA: Ist "Küss mich, halt mich, lieb mich" Fluch oder Segen?

Endlich: Auf der Bühne ist es ein totaler Segen. Ich kann in den Gesichtern der Menschen sehen, dass es alle berührt. Liebespaare wählen diesen Song für ihre Hochzeitszeremonie, das macht mich stolz. Ich bin eine moderne Frau, die ihren Weg geht, die Märchenprinzessin ist eine romantische Figur innerhalb eines Märchens.

Ella Endlich zusammen mit ihrem Vater Norbert Endlich 
Ella Endlich zusammen mit ihrem Vater Norbert Endlich 
© Action Press

GALA: Ihre neuen Songs haben Sie selbst geschrieben, etwa darüber, wie Sie den Mauerfall erlebten. Was ist passiert?

Endlich: Mein Vater ist 1987 mit einem One-Way-Ticket von Weimar nach Westberlin gereist, da war ich vier Jahre alt. Er wollte alles für uns vorbereiten. Schon damals war zu spüren, dass die Dinge sich bald ändern würden. Wir trafen ihn heimlich in Karlsberg in Tschechien. Ich ersehnte die Treffen wie Weihnachten.

GALA: Hat er Ihnen was mitgebracht?

Endlich: Na klar: Jeans! (lacht)

GALA: Wie ging es dann weiter?

Endlich: Meine Mutter ist mit mir nach Budapest gefahren. Da gab es ein ehemaliges Ferienlager für Kinder, in dem viele DDR-Bürger untergekommen waren, mit einer großen Aula und kleinen Räumen mit vier oder fünf Betten. Eines Abends nahm sie mich bei der Hand, und wir flohen quer über den Acker. Es hatte geregnet, alles war nass, das werde ich nie vergessen. Wir wollten uns über Österreich durchschlagen, doch wir verirrten uns. In der Ferne konnte ich die Suchscheinwerfer sehen. Meine Mutter fragte mich: "Möchtest du weitergehen oder möchtest du zurück?" Ich antwortete: "Ich möchte zurück!" Wir schlichen unbemerkt ins Lager. Einen Tag später fiel die Mauer.

GALA: Warum hat Ihre Mutter Sie entscheiden lassen?

Endlich: Vielleicht wollte sie es so dem Schicksal überlassen. Jedenfalls ist unsere Bindung heute sehr eng. Meine Mutter und ich sind immer das Team, das die großen Dramen in unserer Familie löst: Was machen wir mit Oma? Und wie lösen wir gemeinsam familiäre Probleme? 

GALA: Wann sahen Sie Ihren Vater wieder?

Endlich: Am Tag des Mauerfalls wurden wir per Bus nach Passau verfrachtet und flogen von Nürnberg aus weiter nach Berlin. Dort hat mein Vater auf uns gewartet.

GALA: Fühlten Sie sich je als Ossi?

Endlich: Nie. In meinem Kopf gibt es kein Ossi und Wessi. Aber als ich älter wurde, verstand ich natürlich mehr von den Auswirkungen der Grenzen auf die Menschen. Und heute sehe ich das typisch Menschelnde, Herzliche an den sogenannten Ossis, und ich glaube meine Mutter hat das auch an mich weitergegeben!

GALA: Wie sieht es mit einer eigenen Familie aus?

Endlich: Ich möchte gerne heiraten und Kinder haben. Aber im Moment mach ich mir noch keine Gedanken darüber.

Mousse T.
Mousse T.
© Getty Images

GALA: Was ist Ihnen wichtig beim nächsten Mann? 

Endlich: Mittlerweile gucke ich mir genau an, wem ich meine Zeit schenke. Ist das ein aufrichtiger Mensch? Könnte ich mit ihm eine Familie gründen? Ich schaue heute anders auf Männer als früher. Ich suche nach Substanz.

GALA: Lachen Sie eigentlich noch über das Gerücht, Sie seien mit Mousse T. zusammen?

Endlich: Jeden Tag! Auch mit ihm zusammen übrigens. Mousse und ich schreiben uns oft SMS. Er kommt ja gerade aus 16 Jahren Ehe, er genießt jetzt auch seinen Freiflug. Wir sind in einer ähnlichen Situation und tauschen uns aus. Das Letzte, was uns einfallen würde, ist, eine Beziehung miteinander einzugehen.

Gala


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