Elizabeth Taylor: Elizabeth die Große

Was für ein Leben! Elizabeth Taylor war der glamouröseste Star, den Hollywood je hervorgebracht hat. Doch die Diva hatte ihrem Publikum noch mehr zu bieten: echte Liebesgeschichten im ganz großen Stil

Wie eine Königin in ihrer goldenen Kutsche

brauste Elizabeth die Große durch ihr wildes, aufregendes Leben. Sie war der größte Hollywood-Star. Und sie hatte es nicht nötig, irgendein Spieglein an der Wand zu fragen, wer die Schönste im Lande sei, denn alle wussten: Sie war es. Und sie wusste es auch.

Elizabeth Taylor

Ihre schönsten Filmrollen

Elizabeth Taylor: National Velvet (Kleines Mädchen, großes Herz) 1944
Elizabeth Taylor: Courage of Lassie (Held auf vier Pfoten) 1946
Elizabeth Taylor: Father of the Bride (Der Vater der Braut) 1950
Elizabeth Taylor: Ivanhoe (Ivanhoe - Der schwarze Ritter) 1952

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Am Mittwoch vergangener Woche starb Dame Elizabeth Rosemond Taylor mit 79 Jahren in Los Angeles, zwei Tage darauf wurde sie im Forest Lawn Memorial Park begraben. Immer wieder hatte sie körperliche und seelische Krisen überwunden, die andere umgeworfen hätten. Jetzt war es ihr zu viel geworden. Man möchte rufen: Die Königin ist tot, es lebe die Königin! Doch die Zeiten haben sich geändert. Einen Status wie den der Taylor in den Sechzigerjahren kann heute niemand erreichen.

Idyll ohne Väter: Elizabeth Taylor (M.) mit Söhnen und Töchtern sowie Richard Burton in den Siebzigerjahren.

Was war es, das sie so heraushob? Die Ebenmäßigkeit ihres Gesichts? Ihre Ausstrahlung, neben der angeblich niemand bestehen konnte, ob Frau oder Mann? Der Regisseur Joseph L. Mankiewicz nannte sie die "unglaublichste Vision von Anmut", die er je gesehen habe. Als Elizabeth Anfang der Vierzigerjahre mit ihren Eltern aus London nach Los Angeles kommt, sind Schauspieler noch fest an Studios gebunden. Ihre Mutter bringt die Tochter bei MGM unter. Die Kleine geht sogar im Studio zur Schule - die Filmwelt wird ihre Welt. Die Studio-Bosse formen sie zum Kinderstar, später zum Typ "junge, attraktive Durchschnittsamerikanerin".

Nach zwei, drei Filmen ist sie bereits populär, darf Hauptrollen spielen und beweisen, dass sie auch komplizierte Charaktere glaubhaft darstellen kann. Ist sie 1953 noch "Ein verwöhntes Biest", überzeugt sie bereits 1956 in "Giganten" und zwei Jahre darauf in "Die Katze auf dem heißen Blechdach". Ihren ersten Oscar bekommt sie für die Darstellung der Gloria Wandrous in "Telefon Butterfield 8", den zweiten für die Rolle der Martha in "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" Ab 1960 ist sie vertraglich unabhängig und kann allein über ihre Rollen entscheiden. In dieser Zeit lernt sie, sich selbst zu inszenieren - und entdeckt die Rolle ihres Lebens: die Verkörperung der Diva Elizabeth Taylor, der glamourösesten Existenz, die man sich vorstellen konnte.

Alle dürfen ihr dabei zusehen, im Kino wie im Privaten. Das ist neu und sorgt für helle Aufregung - vor allem ihre Wahnsinnsliebe mit dem walisischen Schauspieler Richard Burton.

Taylor und Burton lernen sich beim "Cleopatra"-Dreh 1962 in Rom kennen und verlieben sich heftig. Bilder von dem flirtenden Paar gehen um die Welt. Beide sind verheiratet - aber nicht miteinander. Skandal! Der Vatikan empört sich über die Liaison, im US-Kongress taucht ein Vorschlag auf, Taylor den Pass zu entziehen und mit einem Einreiseverbot zu belegen. Es gibt Morddrohungen, FBI-Leute werden unter den "Cleopatra"-Statisten platziert, man befürchtet Anschläge: Taylor und Burton, Burton und Taylor auf allen Kanälen. Die Diva ist auf dem Höhepunkt ihres Ruhms, Burton wird es bald sein. Zusammen sind sie das berühmteste Paar der Welt.

Auf ihre Art befördern sie sogar die anbrechende sexuelle Revolution, indem sie ihre Affäre samt doppeltem Ehebruch in der Öffentlichkeit zur Schau stellen - bislang unerreichter Gipfel der Selbstvermarktung mittels des Privaten. Eine ganze Generation Ehefrauen und Mütter weltweit reibt sich daran. Viele stempeln sie als überkandidelt ab, andere bewundern sie. Auf TV-Bildschirmen, in Zeitungen und Zeitschriften symbolisiert sie einen neuen Typ Frau: Sie allein bestimmt darüber, was sie tut. Sie trage eine "Fackel für die absolute Autonomie", schreibt ihr Biograf Donald Spoto - eine Provokation für konservative Moralvorstellungen.

Elizabeth Taylor ist in vielem, was sie tut und was ihr widerfährt, ihrer Zeit voraus: Als Erste kassiert die "Hollywood-Gigantin" (Elton John) eine Million Dollar Gage, für "Cleopatra". Sie begibt sich in die Rehab, Jahre bevor Lindsay Lohan geboren wurde; spricht offen über Krankheiten, Operationen, Fresssucht und Alkoholismus, als man sich dafür noch schämt; lässt sich mehrfach scheiden, als eine Scheidung für viele noch einen Makel bedeutet.

In den Siebzigerjahren werden ihre Probleme größer und die Rollenangebote weniger. Sie zieht sich vom Film zurück, wird aber bis 2003 noch öfters im TV zu sehen sein. In den Achtzigern startet sie eine zweite Karriere als Geschäftsfrau und verdient Unsummen damit, unter ihrem Namen Parfums herauszubringen. Ihre Leidenschaft aber verwandelt sie in gesellschaftliches Engagement: Elizabeth Taylor wird zur Charity-Lady. Viele ihrer Freunde sind schwul, sie genießt die Rolle als deren beste Freundin. Der Aids-Tod ihres "Best Buddy" Rock Hudson 1985 erschüttert sie tief und wird zum Auslöser, ein großes, ernstes und erfolgreiches Engagement im Kampf gegen HIV aufzubauen. "Sie gab Aids/HIV ein Gesicht", sagte Barbra Streisand anlässlich ihres Todes, CNN-Legende Larry King nannte sie den "ersten großen Star im Kampf gegen Aids".

Elizabeth Taylor und Michael Jackson fühlten sich seelenverwandt.

Elizabeth Taylor geizte nicht mit starken Worten. "Große Mädchen brauchen große Diamanten", prahlte sie einmal, als Richard Burton ihr einen der schönsten Edelsteine schenkte. Und tatsächlich, die Königin aller Diven hat in ihrem Leben alles bekommen, was sie wollte, mit einer Ausnahme - eine dauerhaft glückliche Beziehung war nicht dabei. Wie hatte sie einst als Maggie in "Die Katze auf dem heißen Blechdach" gesagt: "Ich wusste nicht, dass man so einsam sein kann, wenn man mit dem Mann zusammenlebt, den man liebt."

Ulrich Paasch

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